Oberrabnitz

Geschichte

Schule

Kriege haben es auf eindringliche Weise gezeigt, und die Schicksale von Flüchtlingen in aller Welt führen es uns bis heute vor Augen: Hab und Gut, Heimat und Vaterland können innerhalb kürzester Zeit verloren gehen. Was einem Menschen jedoch bleibt, sind seine erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen, die ihm durch Bildung für seinen weiteren Lebensweg mitgegeben wurden. Ein wesentliches Fundament dafür wird bereits in der Volksschule gelegt.

Wie in vielen Dörfern gab es auch bei uns über lange Zeit keine eigene Schule. Die Kinder mussten weite Wege zu Fuß zurücklegen oder mit bespannten Fuhrwerken in andere Orte gebracht werden, um dort von einem Dorfschullehrer unterrichtet zu werden.

Die Entstehung der Volksschule in Oberrabnitz, das damals im westungarischen Raum lag, erzählt von einem steinigen Weg, den unsere Vorfahren zu bewältigen hatten. Trotz schwieriger Lebensbedingungen setzten sie alles daran, den Kindern im eigenen Dorf einen Schulbesuch zu ermöglichen. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie dabei vielfach auch vom örtlichen Seelsorger.

Fehlende finanzielle und technische Mittel auf der einen sowie immer neue Vorgaben und eine oftmals nur begrenzte Unterstützung durch die Obrigkeit auf der anderen Seite ließen lange Zeit nur die Umsetzung des Allernotwendigsten zu. Dennoch wurde das Schulwesen Schritt für Schritt aufgebaut und den jeweiligen Erfordernissen angepasst.

Eine zusätzliche Herausforderung stellte die vorgeschriebene Unterrichtssprache dar, die im Laufe der Zeit zwischen Deutsch und Ungarisch wechselte, obwohl die Muttersprache der Kinder durchgehend Deutsch war. Der unter diesen Voraussetzungen erreichbare Bildungsstand war daher nicht zuletzt von den jeweiligen sprachlichen Vorgaben geprägt und stellte mitunter einen Kompromiss zwischen beiden Sprachen dar.

Über weite Strecken der Schulgeschichte wurde die stetig steigende Schülerzahl für die Gemeinde zu einer kaum zu bewältigenden Herausforderung. Immer wieder mussten neue räumliche und organisatorische Lösungen gefunden werden, um allen Kindern einen entsprechenden Unterricht zu ermöglichen.

Doch bereits wenige Jahre nach dem Bezug der neuen Gemeinschaftsschule Oberrabnitz–Karl kehrte sich diese Entwicklung um. Der Wegfall der Oberstufe an den Volksschulen und der anhaltende Rückgang der Geburtenzahlen stellten die Gemeinde vor völlig neue Probleme. Nun ging es nicht mehr darum, ausreichend Platz zu schaffen, sondern um den Fortbestand jener Volksschule, um deren Errichtung und Erhaltung sich Generationen zuvor bemüht hatten.

Die für den Erhalt einer eigenständigen Volksschule erforderliche Schülerzahl konnte schließlich nicht mehr erreicht werden. Im Jahr 2006 verlor die Schule ihre Eigenständigkeit und wurde endgültig geschlossen.

Wie schon in den Anfängen der örtlichen Schulgeschichte müssen die jüngsten Bewohner unseres Dorfes seither wieder auswärts zur Schule gebracht werden. Der beschwerliche Fußweg und die Fahrt mit dem bespannten Fuhrwerk gehören allerdings der Vergangenheit an. Heute bringt sie ein moderner, beheizter Schulbus zum Unterricht.

Die Geschichte der Volksschule Oberrabnitz ist daher nicht nur die Geschichte eines Schulgebäudes, seiner Lehrer und Schüler, sondern erzählt auch vom beständigen Bemühen, der Jugend unter den jeweiligen Bedingungen ihrer Zeit möglichst gute Voraussetzungen für ihren weiteren Lebensweg mitzugeben.

Historische Entwicklung

Die Geschichte der europäischen Schulsysteme beginnt mit Kaiser Karl dem Großen, der Bischöfe und Klöster beauftragte, Schulen zu gründen. Diese wurden fortan zu den wichtigsten Trägern von Kultur und Bildung. Auch im burgenländischen Raum stießen die Ungarn Ende des 9. Jahrhunderts auf die karolingische Kultur und übernahmen sie allmählich ab der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Der erste ungarische König, Stephan, gründete Bistümer, Klöster und Pfarren, die zu Zentren christlichen Wirkens und der Bildung wurden. Für die allgemeine elementare Bildung der Laien eigneten sich vor allem die Pfarrschulen, in denen anfangs meist die Pfarrer selbst als Lehrer wirkten.

Entstehung der Pfarrschulen

Das Entstehen und Aufblühen von Märkten und Städten ab dem 12. Jahrhundert sowie die damit verbundene Entwicklung von Handel und Handwerk weckten neue Bildungsbedürfnisse, die durch Schulen gedeckt werden mussten. Besonders gefragt waren Rechnen, Lesen und Schreiben. Der wirtschaftliche Aufschwung in Städten, Märkten und Dörfern im 13., 14. und 15. Jahrhundert ging daher mit dem Ausbau des Schulwesens einher. Es entstanden Pfarrschulen mit eigenen Schulmeistern. Diese waren meist Angestellte des Pfarrers und wirkten zugleich als Lehrer, Kantoren und Mesner. Sie unterrichteten die Schüler in Religion, Rechnen, Lesen und Schreiben.

Ab dem 15. Jahrhundert führten Reformen in Wirtschaft und Kultur zu bedeutenden Entwicklungen, die auch das Bildungswesen prägten. Eine tiefgreifende Veränderung bestand im Bestreben, einen allgemeinen Volksunterricht einzuführen, um möglichst vielen Menschen das Lesen und Schreiben in der jeweiligen Volkssprache zu ermöglichen. Im burgenländisch-westungarischen Raum richtete sich dieses Anliegen sowohl an die mehrheitlich deutschsprachige Bevölkerung als auch an die hier ansässigen Kroaten.

Im Zuge der Gegenreformation widmete die katholische Kirche dem Ausbau des Schulwesens verstärktes Augenmerk. Einen Einblick in den Zustand des Volksschulwesens ab dem 17. Jahrhundert bieten die kanonischen Visitationen der Diözese Győr/Raab ab dem Jahr 1641. Diesen zufolge waren in allen Pfarrorten Schulmeister angestellt; Schulgebäude oder geeignete Schulräume fehlten jedoch mancherorts.

Da der Schulbesuch stark vernachlässigt wurde, blieb der Bildungsstand breiter Volksschichten bis ins 18. Jahrhundert sehr gering. Dennoch war die Zahl der Schreibkundigen im äußersten Westen des Königreichs Ungarn deutlich höher als in den übrigen Komitaten. Trotzdem reichte dieser Bildungsstand nicht aus, um den neuen wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Anforderungen gerecht zu werden. Daher entstand das Bestreben, Bildung zunehmend als staatliche Aufgabe zu verankern.[1]

Unterrichtssprache Deutsch

Im November 1773 rief Königin Maria Theresia eine Studienkommission ins Leben, die eine umfassende Unterrichtsreform vorbereiten sollte. Im selben Jahr erließ das „Löbliche Comitat Sopron (Ödenburg)“ ein Rundschreiben an alle Gemeinden des Landes. Darin hieß es in Punkt 3:

„Lauth Königl. Befehl solle ein jedes orth seinen eigenen schullmeister aufnehmen, welcher die Kinder unterrichten und zugleich auch Notary seyn solle.“

Die Grundlage für das Schulwesen in Ungarn – und damit auch im Burgenland – bildete die Schulordnung Ratio educationis, die Königin Maria Theresia im Jahr 1777 erließ. Ungarn wurde in neun Schuldistrikte eingeteilt. Der nördliche und mittlere Teil des burgenländischen Raumes unterstand dem Győr (Raaber) Schuldistrikt, zu dem auch Unterrabnitz mit den Filialen Oberrabnitz und Schwendgraben gehörte. Der Süden sowie einige Gemeinden des heutigen Mittelburgenlandes – darunter etwa Lockenhaus und Pilgersdorf – fielen in den Zuständigkeitsbereich der im Jahr 1777 gegründeten Diözese Szombathely (Steinamanger).

Die Ratio educationis legte fest, dass jeder Schüler in der Volksschule die deutsche Sprache erlernen sollte, da sie sich zur Landessprache entwickeln sollte. Kaiser Joseph II. setzte die schulische Aufbauarbeit fort und führte – trotz heftigen Widerstands der Magyaren – die deutsche Sprache als allgemeine Unterrichtssprache an allen Schulen des Landes ein. Nach dem Tod Josephs II. befasste sich der ungarische Reichstag in den Jahren 1790/91 mit einer Neuordnung des ungarischen Unterrichtswesens, kam jedoch zu keinem abschließenden Beschluss.

Die zweite Ratio educationis-Verordnung aus dem Jahr 1806 entwickelte die Organisation des staatlich-katholischen Unterrichtswesens weiter. Sie unterschied drei Typen von Volksschulen – für Dörfer, Märkte und Städte. Für Dorfschulen bedeutete dies, dass ein Lehrer entweder eine oder zwei Klassen unterrichtete: Anfänger erhielten zehn, Fortgeschrittene zwanzig Wochenstunden Unterricht. Der Unterricht sollte weiterhin in der Muttersprache der Kinder erfolgen, doch mussten die Lehrer zusätzlich die ungarische Sprache beherrschen, um auch diese vermitteln zu können.[2]

Das Schulwesen Ungarns – und damit auch jenes des Gebietes, das heute das Burgenland umfasst – lag damals fast ausschließlich in der Hand der katholischen und der evangelischen Kirche. Die katholischen Schulen stützten sich auf das Systema scholarum, das im Jahr 1845 erlassen wurde, während für die evangelischen und israelitischen Schulen ein Gesetzesartikel aus dem Jahr 1791 maßgeblich war. Auf Grundlage dieses Gesetzes wurde allen nichtkatholischen Kirchen das Recht auf Schulselbstverwaltung eingeräumt.

Unterrichtssprache Magyarisch

Nach der Niederschlagung der ungarischen Revolution von 1848 unterstand das Schulwesen dem Unterrichtsministerium in Wien, das im Jahr 1850 bedeutende Reformen in der Schulverwaltung durchführte. Mit dem Inkrafttreten des sogenannten Ausgleichs im Jahr 1867 gingen Schulgesetzgebung und Schulverwaltung vollständig in die Zuständigkeit des ungarischen Ministeriums über.

Mit der Verabschiedung der von Unterrichtsminister Loránd Eötvös initiierten Gesetzesartikel aus dem Jahr 1868 wurden zunächst den sprachlichen Minderheiten – und damit auch der deutsch- und kroatischsprachigen Bevölkerung des Burgenlandes – ihre kulturellen Rechte zugesichert. Gleichzeitig wurde die Errichtung von Staats-, Gemeinde-, konfessionellen und Privatschulen ermöglicht. Während Staats-, Gemeinde- und Privatschulen der unmittelbaren Aufsicht des Unterrichtsministeriums in Budapest unterstanden, lag die Leitung der konfessionellen Schulen in den Händen der jeweiligen Religionsgemeinschaften. Doch auch bei diesen Schulen übte der Staat die oberste Aufsicht aus. Die minderheitenrechtlichen Bestimmungen des genannten Gesetzesartikels wurden in der Praxis jedoch kaum umgesetzt.

Während die Verordnung von 1877 noch vorsah, dass jedes Kind lernen müsse, sich sowohl in seiner Muttersprache als auch in der magyarischen Sprache klar auszudrücken, wurde bereits zwei Jahre später die magyarische Staatssprache als verpflichtend eingeführt. Lehrer, die kein Magyarisch sprachen oder die Sprache nur unzureichend beherrschten, mussten entweder in den Ruhestand treten oder einen mehrwöchigen Sprachkurs absolvieren.

Zur Förderung der magyarischen Sprache wurden sogenannte ungarische Lesevereine gegründet. Außerdem schickte man viele deutschsprachige Kinder für ein bis zwei Jahre nach Innerungarn, damit sie dort die Staatssprache erlernen konnten. Diese Maßnahmen wurden auch von den Komitaten mit Nachdruck unterstützt. Im November 1884 erließ das Komitat Vas (Eisenburger) eine Anordnung zur Verwaltung der sogenannten ungarischen Sprachfundation. Aus diesem Fonds sollten künftig jene Lehrkräfte belohnt werden, die in nichtmagyarischen Gemeinden sämtliche Unterrichtsfächer in der magyarischen Sprache vermittelten und deren Schüler die Sprache einwandfrei erlernten. Zudem wurden finanzielle Mittel bereitgestellt, um den Ankauf magyarischer Schulbücher zu unterstützen und die Unterbringung von Schülern nichtmagyarischer Herkunft in magyarischen Gemeinden zu ermöglichen.

Ein Gesetzesartikel aus dem Jahr 1893 griff in Fragen der Lehrerernennung und Disziplinargewalt stark in die Rechte der konfessionellen Schulerhalter ein. Den schulerhaltenden Religionsgemeinschaften wurden die oft begehrten und dringend benötigten Staatssubventionen nur dann gewährt, wenn sie gegen eine sogenannte „staatsfeindliche Einstellung“ ihrer Lehrkräfte vorgingen – womit in der Praxis vor allem das Missachten der Magyarisierungsmaßnahmen gemeint war. Die Muttersprache wurde nur noch in wenigen Wochenstunden unterrichtet.

Magyarisierung des Schulwesens

Die völlige Magyarisierung des burgenländischen Schulwesens erreichte ihren Höhepunkt mit dem Schulgesetz von 1907, das vom damaligen ungarischen Unterrichtsminister Apponyi erlassen wurde. Dieses Gesetz untersagte den Gebrauch der Muttersprache als Unterrichtssprache vollständig und setzte die Bestimmungen des Schulgesetzes von 1868 faktisch außer Kraft.

Der Geist dieser Maßnahmen zeigt sich auch in einem im Jahr 1908 erlassenen Aufruf des Vizegespans des Komitats Sopron (Ödenburg), zu dem damals das mittlere Burgenland gehörte. Darin wurde zu einer Spendensammlung aufgerufen, um die Verbreitung der magyarischen Sprache zu belohnen. Der Aufruf endete mit den Worten: Das Komitat möchte jene patriotische Arbeit besonders ehren, die der Lehrer in der Schule leistet, indem er die magyarische Sprache beliebt und verbreitet macht – im Kreise jener Jugend, die an der Grenze des Landes lebt, in naher Berührung mit einer fremden Kultur und bisher nur das fremde Wort von den Lippen ihrer Väter vernommen hat.

Im Zuge dieser Bestrebungen wurden im Grenzgebiet des Burgenlandes zu Niederösterreich und der Steiermark sowie in den Bezirksvororten und größeren Siedlungen des Landes Staatsvolksschulen und Staatsbürgerschulen errichtet. Ihre vorrangige Aufgabe bestand darin, die Magyarisierung gezielt voranzutreiben. Vor allem viele Angehörige der gebildeten Schicht, die nun ausschließlich ungarischsprachige Schulen besuchten, passten sich diesen Bestrebungen an. Zahlreiche Personen in wichtigen Positionen – darunter Lehrer und öffentliche Beamte – magyarisierten ihre Namen oder nahmen ungarische Namen an. Auch ihre Umgangssprache wurde häufig, ebenso wie die Amtssprache, das Magyarische.[3]

Die Entstehung der Dorfschule Oberrabnitz

Aus der Visitation des Archidiakonats Lutzmannsburg im Jahr 1674 geht hervor, dass die Pfarre „Rámócz“ (Unterrabnitz gemeinsam mit der Filiale Oberrabnitz und Schwendgraben) am 22. Juni besucht wurde. Wir erfahren, dass es hier, in Unterrabnitz, einen katholischen Lehrer namens „Martinum Hertlinger“ gab, der 35 Jahre alt war und aus dem Orte stammte. Es gab aber kein Schulhaus, sondern er unterrichtete in seinem eigenen Zuhause.[4]

Aus einer weiteren Visitation im Jahr 1697 erfahren wir ebenfalls über einen Schulmeister namens Laurentius Hosper, der 40 Jahre alt, ortsansässig war und in seinem eigenen Haus unterrichtete.

Die Aufgaben des Schulmeisters umfassten nicht nur den Unterricht, sondern auch die Tätigkeit als Kantor und Ortsnotär. Als Kantor war er für das Orgelspiel und die Leitung des Kirchengesangs verantwortlich. In seiner Funktion als Notär erledigte er die schriftlichen Arbeiten der Gemeindekanzlei und verwaltete die Gemeindekasse. Entsprechend setzte sich seine Entlohnung aus den verschiedenen Aufgabenbereichen zusammen.[5]

Wie bereits bei der Kirche stellte auch im Schulwesen die eineinhalbstündige Entfernung der Gemeinde Oberrabnitz zur Mutterpfarre Unterrabnitz – insbesondere bei wechselhaften Witterungsbedingungen – eine große Herausforderung dar. Daher bemühte sich die Gemeinde Oberrabnitz, ein eigenes Schulhaus zu errichten und einen eigenen Schulmeister einzustellen.[6]

Aus dem Jahr 1777 liegt ein Antwortschreiben des Lackenbacher Verwalters an die Gemeinde Oberrabnitz vor, in dem die Gottesdienstregelung mit der Mutterpfarre Unterrabnitz thematisiert wird. Aus demselben Schreiben geht hervor, dass die Gemeinde zuvor ein Gesuch an den Grundherrn gerichtet hatte – mit der Bitte um Überlassung eines Grundstücks zum Bau einer Schule sowie um die Bezahlung eines Lehrers. Die Antwort des Verwalters lautete:

„[…] auf ihr anderte eingereichte Instanz kann ihnen ein blaz gleich neben der Mihl vergünstiget werden, ein Schullhaus darauf zu erbauen und einen Schullmeister darauf zu sezen, jedoch gegen selbst ihre eigene unkösten, und sie die hohe Herrschaft damit nicht belästigen sollen.“ [7]

Der von der Herrschaft angebotene Platz neben der Mühle lag außerhalb des Ortes, im versumpften Gebiet der Rabnitz, und war daher für den Bau eines Schulhauses ungeeignet.

Im Jahr 1781 erscheint in den Kirchenbüchern von Oberrabnitz erstmals der Name eines Lehrers: Jakob Janitsch, Schulmeister, geboren 1759 in Weingraben, verwitwet, heiratete in Oberrabnitz Elisabeth Seidl – Tochter des Andreas Seidl, Hufschmied Meister Haus Nr. 15.

Lorenz Schwarz heiratete 1791 Maria Triebl Haus Nr. 29 in Oberrabnitz und folgte 1792 Jakob Janitsch als Schullehrer. Der Name Schwarz scheint schon 1640 in einem Urbar von Oberrabnitz auf. 1810 wechselt er nach Piringsdorf, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1843 lebte.[8]

Erstes Schulgebäude

Eine im Jahr 1793 vom Oberrabnitzer Richter Jacob Pfneisl Haus Nr. 71 an die Statthalterei gerichtete Bittschrift zum Bau eines neuen Pfarrhofes zeigt, – als der erste Geistliche, Karl August Scossa, die neu errichtete Lokalkaplanei in Oberrabnitz übernahm – ihm das damalige Schulhaus als Wohnung zur Verfügung gestellt wurde. Das Schreiben lautet:

„[…] batten dahero unsern Wohlehrwürdigen Herrn Seelsorger sich mit dem ehemalligen Schullhause (welches in ganzen alten, dem Priesterlichen Stande unanständigen Zimmern bestehet) begnügen zu lassen, indeme wir uns entschlossen, nach geendigten Türkenkriegeszeiten einen wirklichen Pfarrhof zu erbauen.“

Dem Pfarrer wurde vermutlich jenes Gebäude als Wohnung zur Verfügung gestellt, das auf dem Hotterplan von 1782 im hinteren Teil des Pfarrgartens zu erkennen ist.

Abb. 1: Hotterkarte 1782; Quelle: HU-MNL-OL-S 16-118. (Ausschnitt mit eigenen Markierungen)

Mit der Gründung einer eigenen Pfarre im Jahr 1788 und der Eingliederung der Gemeinde Karl als Filiale besuchten auch die Kinder aus Karl die Schule in Oberrabnitz.[9]

Schulbau 1794

Im Jahr 1794 errichtete die Gemeinde ein neues Schulhaus – „ganz aus eigenen Mitteln“, wie Pfarrer Neuwirth in einem Schulbericht aus dem Jahr 1857 betonte:

„Domum hanc scolarem exstruit com- munitas Felsö Ramoyensis 1794.“

Die Schule wurde also von der Gemeinde 1794 erbaut.[10]

Errichtet wurde die Schule neben dem Hausgarten des Pfarrers, von der Kirche durch den Kirchenbach getrennt. Das Gebäude bestand vermutlich – wie die alte Schule und die übrigen Bauernhäuser – aus Lehm und Steinen und war mit Stroh gedeckt.

In der Generalbeschreibung der Gemeinde Oberrabnitz aus dem Jahr 1802 hieß es:

„Nicht minder vorfindet sich das Schulhaus mit 1 Zimmer, Kuchel, Kammer, und 1 Stallung auf 2 Stück Rinder.“ [11]                                              

Im Jahr 1811 kam Johann Böhm, geboren 1790 in Kobersdorf, als Lehrer nach Oberrabnitz und heiratete dort Elisabeth Grubits Haus Nr. 13.

Im selben Jahr, ebenso wie in den folgenden Jahren, berichtete der Pfarrer in seiner Funktion als Director Localis in der jährlich geführten Informatio immer wieder, dass das Schulgebäude in höchst schadhaftem Zustand und dringend reparaturbedürftig sei.[12]

Der Zustand des im Jahr 1794 erbauten Schulgebäudes rührt offenbar daher, dass die sich selbst überlassene arme Gemeinde kaum imstande war, etwas Besseres herzustellen.[13]

1830 – Bestrebung nach einem neuem Schulgebäude

Im Jahr 1830 entwarf Maurermeister Stranz aus Lackenbach den Plan für ein neu zu errichtendes Schulhaus in Oberrabnitz, das jedoch aus Kostengründen nie realisiert wurde.[14]

Abb. 2: Bauplan der Schule 1830 – die aber nie gebaut wurde; Quelle: BLA, Gemeindearchivalien Mitte (A/III-b), Oberrabnitz, I/K/Schule

Baumeister Stranz vermerkte darauf…

„Plan in ort ober  Rabnitz –

Lit. a: … Die anzeuge des Bley Stieft [rot skizziert wie sie 1794 gebaut wurde] ist das alt Stehente Schulgebäute welches dem Einstorz trohet und an Mehrerem orden [Stellen] mit  aufbälzung  [Pölzung] vor bewahret.

Lit. b: …ist das neu zu erbauente angetragene [angebotene] Schulgebäude.

a) Unterthänigs Haus; b) Fortweg nach Drassenmarkt; c) Fortweg und fließendes Wasser bis zum Hauptbach hinter dem Ort; d) die Gasse von Ober Rabnitz; e) Pfarrhof Garten; f) Unterthänige Bauern Häuser; g) Unterthänige Haus Wiesen; h) Hausgärten und Wiesen; i) Küchen Gartel; j) Gras Gardl des Hr. Pfahrers; k) Ente [Ende] Dorf;“ [15]

In der Schul-Informatio 1831 gab der Direktor der Schule, Pfarrer Jakob Weber, die Schülerzahl mit 114 an. Er bemängelte, dass das Schulhaus nicht nur unzureichend sei, um alle Schüler aufzunehmen, sondern auch so baufällig und von den Schülern so wenig besucht werde. Der Schulmeister könne darin nicht mehr länger wohnen. Auch seien seine Einkünfte so gering und dürftig, dass sie den Unterhalt kaum auf eine erträgliche Weise sichern könnten.[16]

Noch im selben Jahr wurde von der Gemeinde aus eigenen Mitteln der innere Bereich des Gebäudes notdürftig repariert.

Aus der jährlich geführten Schul-Informatio geht auch hervor, dass in den Jahren 1807 bis 1848 durchschnittlich 110 Schulkinder aus den Gemeinden Oberrabnitz und Karl die Schule besuchten. Es bestand eine sechsjährige Schulpflicht. Die 13- und 14-Jährigen nahmen an der sogenannten Wiederholungs- bzw. Sonntagsschule teil, die meist am Donnerstag- und Sonntagnachmittag abgehalten wurde. Dabei standen vor allem praktische Fragen zu Beruf und Wirtschaft im Mittelpunkt. Ab dem Jahr 1836 wurde der Unterricht teilweise auch in magyarischer Sprache erteilt.

Pfarrer Franz Neuwirth, der  im Jahr 1846 nach Oberrabnitz kam, widmete sich besonders dem desolaten Zustand des Schulhauses. Im Jänner 1857 wandte er sich mit einem Schreiben direkt an die „k. k. Statthalterey Abtheilung“ und bat um Unterstützung für die Gemeinde Oberrabnitz beim Bau eines dringend benötigten neuen Schulgebäudes. Als Hauptgrund wurde der schlechte Zustand des bestehenden Schulhauses angeführt:

„Aus dem Profil und der technischen Beschreibung des alten Schulhauses ist ersichtlich das in Ober Rabnitz ein neues Schulhaus aus physischen und moralischen Gründen unumgänglich herzustellen ist; aus jenem zwar, weil das dermahlige abgesehen von seiner Feuergefährlichkeit und Sanitätswidrigkeit ohnedies dem Zusammensturze nahe ist; aus diesem aber, weil die Beschaffenheit der Schule als Hauptursache des nachlässigen Schulbesuches, folglich als Mitursache allfälliger rauher Sitten und der Unwissenheit betrachtet werden muss, deren weiters Umsichgreifen nur durch die Thätigkeit der Schulmänner verhindert wird. Die Ortsgemeinde ist sehr arm, sowohl als solche, als in ihren einzelnen Insassen.

Der Ortsvorstand: Andreas Fraller Richter Hausnr. 15; Johann Hendling Geschworner Hausnr. 14; Stefan Bleyer Geschworner Hausnr. 56; Franz Blejer Geschworner Hausnr. 6; Anton Gemeiner Geschworner Hausnr. 2″ [17]

Weiteres wurde angeführt:

„[…] dass bereits im Jahr 1811 äußerst schadhafte Schulgebäude wurde zwar im Jahr 1831 wiederum aus Gemeinde-mitteln allein reparirt, weil aber die Reparatur nur eine theilweise und innerliche, nicht zugleich aber auch eine dem äußeren Hauptmäuer war, so ist die ganze Reparatur mehr zum Nachtheile als zum Vortheile des Gebäudes ausgefallen, und eine etwaige Adaptirung desselben schlechtweg unmöglich geworden; denn die Hauptmäuer sind ohne Fundament, und werden nur durch den morschen Dachstuhl zusammengehalten – Hofraum und  Umzäunung hat das Gebäude noch immer nicht, noch immer besteht der Eingang von der Gasse in die Küche, die Holzlage vor den Schulfenstern, auch liegt das Gebäude derart niedrig dass es vor dem Wasser kaum erwehrt werden kann, und schon aus diesem Uebelstande allein ehebaldigst zusammenstürzen dürfte.“

Der schlechte Zustand des Oberrabnitzer Schulgebäudes war darauf zurückzuführen, dass weder der Patron (Religionsfond) noch die Grundherrschaft (Esterházy) der Gemeinde die ihr zustehenden Unterstützungen gewährten. Die arme, sich selbst überlassene Gemeinde war dadurch nicht in der Lage, ein besseres Schulgebäude zu errichten. „[…] und vermeinten, das Schulhaus wäre mit dem Hirtenhause in gleicher Kathegorie und könne more patrio auch nur aus purem Lehm aufgebaut werden.“  Soweit aus dem Schreiben von Pfarrer Neuwirth vom 23. Februar 1857. [18]

Zur selben Zeit gab die Gemeinde Oberrabnitz zu Protokoll, dass sie aufgrund ihrer Mittellosigkeit nicht das Geringste zum Bau eines Schulhauses beitragen könne, jedoch bereit sei, die erforderlichen Hand- und Zugrobot zu leisten. Die Gemeinde Karl erklärte, sie sei bereits seit Langem verpflichtet, bei allen Schul- und Pfarrbauten in Oberrabnitz ein Viertel der Hand- und Zugrobot zu übernehmen, und werde dieser Verpflichtung auch beim allfälligen Neubau der Schule bereitwillig nachkommen. Beide Gemeinden verfügten laut Inventarium über ein derart geringes Vermögen, dass die Einkünfte kaum ausreichten, um die laufenden Ausgaben zu decken.[19]

In der Schulfassion aus dem Jahr 1857 wird der Religionsfonds als Schulpatron genannt. Die Pfarrschule Oberrabnitz bestand aus den eingeschulten Gemeinden Oberrabnitz und Karl. Aus Oberrabnitz besuchten 45 Knaben und 33 Mädchen, aus Karl 35 Knaben und 24 Mädchen die Schule. Der Unterricht wurde für alle Kinder gleichzeitig in einem einzigen Klassenraum von einem Lehrer in deutscher Sprache erteilt – vormittags drei und nachmittags zwei Stunden. Den Religionsunterricht übernahm der Pfarrer. Die Wohnung des Lehrpersonals bestand aus einem Wohnzimmer, einer Kammer und einem Stall. Der Zustand des Schulhauses war sehr schlecht, ein Neubau befand sich bereits in Verhandlung. Die Verantwortung für die Errichtung und Instandhaltung des Schulgebäudes lag beim Patron und bei der Gemeinde. Die jährlichen Einkünfte des Schullehrers – einschließlich der Naturalien beider Gemeinden sowie des zusätzlichen Dienstes in der Karler Kirche für das „Orgelschlagen“ – beliefen sich auf 135 Gulden. Als Heizmaterial für die Schule wurden jährlich sechs Klafter gemischtes Holz benötigt, wovon die Gemeinde Oberrabnitz dreieinhalb und die Gemeinde Karl zweieinhalb Klafter direkt ins Haus des Schullehrers lieferte.

Unterzeichner dieser Schulfassion waren: Franz Neuwirth, Pfarrer als Schulvorstand; Johann Böhm, Schullehrer (Haus Nr. 13); Andreas Fraller, Vorstand (Haus Nr. 15); Oswald Grosinger, Vorstand (Karl, Haus Nr.); Johann Tribel (Haus Nr. 29); Josef Baumgartner, Schulaufseher (Karl, Haus Nr.)[20]

Abb. 4: Schülerverzeichnis 1857 – Oberrabnitz und Karl gemeinsam 137 Kinder; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien

Hohen Anforderungen der Gemeinde an das Schulgebäude

Am 7. August 1858 legte das Stuhlrichteramt Oberpullendorf den neuen Plan für das Schulhaus samt allen geforderten Unterlagen dem Bauamt vor. Auch dieser Entwurf wurde jedoch vom Komitatsbauamt nicht genehmigt. Da die Ingenieure des Amts keine Zeit hatten, den Plan selbst zu überarbeiten, wurde der Gemeinde Oberrabnitz empfohlen, den Schulbauplan der Gemeinde Bleigraben (heute Olmod in Ungarn, östlich von Klostermarienberg gelegen), der dort nicht benötigt wurde, zu übernehmen.[21]

Am 3. Mai 1860 äußerte sich die Komitatsbehörde wie folgt

„[…] das vorgelegte Projekt für die Neuherstellung des Schulhauses zu Ober-Rabnitz erfordert einen Kostenaufwand von 5619f 18x eine Summe, welche die gänzlich mittellose Gebirgsgemeinde unmöglich aufzubringen im Stande ist“… „daher unter den gegebenen Verhältnissen die Unterstützung des Religionsfondes wird in Anspruch genommen werden müssen.“

Zudem vertrat die Behörde die Auffassung, dass die Gemeinde, wie im Projekt angefordert, niemals in der Lage sein werde, zwei Lehrer zu bezahlen, und erachtete daher eine Aufteilung in zwei Schulklassen als überflüssig. Stattdessen sei der Antrag lediglich für ein einziges, jedoch ausreichend großes Schulzimmer zu stellen, um auf diese Weise Kosten zu sparen.[22]

Seitens der Behörde wurde zwar der dringende Handlungsbedarf anerkannt und festgestellt, dass eine Reparatur des bestehenden Schulhauses ebenso hohe Kosten verursachen würde wie ein Neubau. Dennoch wurden die eingereichten Ansuchen wiederholt abgelehnt – mit dem Verweis einerseits auf die überhöhten Anforderungen und andererseits auf die Mittellosigkeit der Gemeinden. Immer wieder wurde betont, dass ein Schulhaus auch kostengünstiger errichtet werden könne.[23]

Als Pfarrer Neuwirth im Jahr 1867 Oberrabnitz verließ, war dort noch immer kein neues Schulhaus errichtet worden.

In den folgenden Jahrzehnten wurden die Bemühungen der Gemeinde um die Erhaltung und Verbesserung und schließlich um einen Neubau der Schule von den Seelsorgern der Pfarre eifrig unterstützt; zeitweise war die Anstrengung der Priester um die Schule größer als es der Gemeinde recht war.

Gemäß dem ungarischen Schulgesetz vom Jahr 1868 erhielt die Gemeinde Karl 1870 eine eigene Schule. Ein stockhohes früheres Gasthaus wurde angekauft und im ehemaligen Tanzsaal im Oberstock ein Schulzimmer eingerichtet.

Als Lehrer wirkten dort Martin Graf, Jakob Haslinger, Johann Rehling, Stefan Supper und von 1925 bis zu seiner Pensionierung 1967 Alois Holzer.[24]

Zur Vorgeschichte des stockhohen Gasthauses:

Das Gebäude samt dem dazugehörigen kleinen Garten war früher ein Dreißigstgebäude (Zollhaus) und wurde im Jahr 1853 vom k. k. Bezirkskommissar nach einer vorangegangenen Lizitation an den Bestbieter Fürst Esterházy verkauft und der Herrschaft Lockenhaus zur Verwaltung zugeteilt. Diese verpachtete es in den darauffolgenden Jahren als Wirtshaus mit Schankrecht.[25]

Im Jahr 1860 stellte die Gemeinde Karl ein Bittgesuch an das Verwalteramt Lockenhaus, in dem sie ersuchte, das Wirtshaus samt Regalen (Schankrecht) um 1000 Gulden Österreichischer Währung von der Herrschaft zu erwerben. Da dieses Wirtshaus vonseiten der Herrschaft in den letzten Jahren gut verpachtet werden konnte, erschien ihr das Angebot der Gemeinde Karl als zu gering. Selbst wenn aufgrund ungünstiger Verhältnisse die durchschnittlichen drei Jahrespachten fallen würden, wäre aus Sicht der Herrschaft dennoch ein Kaufpreis von 3000 Gulden zu erzielen gewesen. Das Angebot wurde daher nicht angenommen.[26]

Der Urbarialvertrag zwischen der Gemeinde Karl und der Fürst Esterházyschen Verwaltung wurde noch im Jahr 1860 abgeschlossen. Die Herrschaft verkaufte ihren Anspruch im Ort Karl um 12.000 Gulden an die Gemeinde.[27]

Das herrschaftliche Wirtshaus, bestehend aus zwei Zimmern, einer Küche, einer Kammer usw., wurde im damaligen Zustand samt Schankgerechtigkeit im Jahr 1865 vom Fürst Paul Esterházy an das Karler Gemeinde Konsortium, bestehend aus den Hausbesitzern von Haus Nr. 1 bis einschließlich Haus Nr. 17 und von Haus Nr. 23 bis Haus Nr. 40, um den bedungenen Kaufpreis von 3000 Gulden Österreichischer Währung verkauft. Die Bezahlung wurde auf zehn Jahre vereinbart, in jährlichen gleichen Raten mit einer Verzinsung von 5 %, einzuzahlen in die hochfürstliche Kassa zu Güns.[28]

1870 wurde eine Schulurkunde erstellt, in der sich die Gemeinde Oberrabnitz verpflichtete, ihre kirchliche – römisch/katholische – Grundschule, die dem jeweiligen Pfarrer als Direktor untergeordnet war, mit dieser konfessionellen Ausrichtung aufrechtzuerhalten.

„Die Gemeinde bestätigt hiermit feierlich, dass das Schulhaus mit Hausnummer 18 für alle Zeiten im Eigentum dieser kirchlichen katholischen Grundschule steht und verspricht von ganzem Herzen, dass sie ihre gemäß § 11 Gesetz Nummer 38 von 1868 in Bezug auf die Schule vorgeschriebenen Pflichten erfüllen wird. Im Sinne dieses Versprechens verpflichtet sich die Gemeinde, die Lehrerwohnung, das Klassenzimmer, die Aborte und die Wirtschaftsgebäude in gutem Zustand zu bewahren. Die Gemeinde bürgt dafür, dass gemäß demselben Gesetzesparagraphen die Lehrerbezüge geleistet und an den Lehrer zur Bestreitung seines Unterhalts in Form von Ackerland außer des auch bisher schon zur Schule gehörenden Hausgartens, Acker, Wiese und dem gemeinsamen Gemeinde-Weiderecht, noch ein weiterer Acker in der Marienfelder Flur und eine weitere Wiese in der Hinternmarktweg Flur, übergeben werden.“

Die Ackerflächen und Wiesen – mit Ausnahme des Hausgartens – wurden von der Gemeinde bewirtschaftet; Saatgut und Dünger musste der Lehrer selbst bereitstellen. Ungeachtet seiner sonstigen Entlohnung erhielt der Lehrer jährlich Naturalabgaben, die von den 48 1/8-Bauern und drei 2/8-Bauern im Herbst zur Erntezeit (am Michaelistag) zu leisten waren. Zum Heizen wurden ihm acht Klafter gemischtes Brennholz geliefert. Die Barentlohnung von 80 Forint wurde dem Lehrer vierteljährlich in Raten zu je 20 Forint aus der Gemeindekasse ausbezahlt.

„Sobald diese Urkunde von der Behörde des Kirchenkomitats genehmigt wurde, wird die Gemeinde das Schulhaus und die Grundstücke, die in dieser Urkunde für die Versorgung des Lehrers aufgelistet sind, auf eigene Kosten auf den Namen der örtlichen katholischen Grundschule im Grundbuch eintragen lassen.

Diese Schulurkunde wurde vor allen selbstständigen männlichen Gemeindemitgliedern verlesen und von allen freiwillig und ohne Widerspruch für alle Zeiten verbindlich angenommen und unterzeichnet.

Oberrabnitz, 11. April 1870; Friedrich Mayer, Pfarrer und örtlicher Schuldirektor; Lőrincz Kogler, Richter (Haus Nr.. 51); Ferenc Pfneisl, Geschworner (Haus Nr.); Pál Smilliár, Adelsrichter des Komitats Sopron (Ödenburg)“ [29]

Abb. 5: Unterzeichner der Schulurkunde 1870; Quelle: Egyházmegyei Levéltár – Győr, Acta Parochialia

Im Zuge des Urbarialausgleichs im Jahr 1872 wurde – ebenso wie dem Pfarrer – auch dem Schullehrer zur Verbesserung seiner Lebensgrundlage ein Anteil von drei Joch Ackerland im Ortgraben aus den herrschaftlichen Rottgründen geschenkt, da es an einer eigenen Hutweide mangelte.[30]

1872 kam der in Unterloisdorf geborene Kantorlehrer Josef Berghofer nach Oberrabnitz. Da ihm jedoch das Jahresgehalt von 80 Gulden zu gering war und die Wohnung im Schulhaus für seine Familie nicht nur viel zu klein, sondern zudem in einem äußerst desolaten Zustand war, verließ er Oberrabnitz bereits im Jahr 1875 wieder.

Nachdem man mit seinem Nachfolger unzufrieden war, wandte sich der Oberrabnitzer Schulstuhl wiederholt mit der Bitte an Josef Berghofer, inzwischen Schulleiter in St. Gotthard bei Scheibbs, nach Oberrabnitz zurückzukehren.

1877 gab Josef Berghofer diesen Bitten nach und entschloss sich, „aus Liebe zu seiner Heimat und seinem Vaterland [= Ungarn] seine so schöne Stellung in St. Gotthard zum größten Leidwesen der dortigen Gemeinde aufzugeben“ und unter mehreren Bedingungen nach Oberrabnitz zurückzukehren. Diese Bedingungen versprachen die Oberrabnitzer schriftlich, und zwar:

1) musste die Gemeinde dem Gefertigten versprechen, ein zweites Wohnzimmer, eine Kammer, einen Stadel und kurzum das ganze Schulhaus bewohnbar herrichten zu lassen,

2) den Bargehalt des Lehrers, der bisher samt Schulgeld nur aus 80 fl (österr. Währung) bestand, zu erhöhen und

3) die Anbaufelder des Lehrers per Robot zu bearbeiten.[31]

Josef Berghofer kehrte aufgrund dieser Bedingungen nach Oberrabnitz zurück. Das Schulhaus wurde bewohnbar hergerichtet und das sogar mit kaiserlicher Unterstützung, wie es in einem Zeitungsartikel 1877 veröffentlicht wurde.

„[…] zum Bau ihres Schulhauses habe Sr. Majestät der Kaiser 100fl der römisch katholischen Kirchengemeinde in Oberrabnitz gespendet“ [32]

Zur Erhöhung des Lehrergehalts wurde im Dezember 1876 ein Nachtrag zur bestehenden Schulurkunde von der Gemeinde ausgestellt und im Jänner 1877 von der Behörde des Bischofskomitats Győr genehmigt:

„Die Gemeinde Oberrabnitz verpflichtet sich, das in Bargeld gezahlte Gehalt des römisch-katholischen Lehrers für alle Zeiten um zwanzig Forint in österreichischer Währung pro Jahr zu erhöhen.“

Die Aufbesserung des Bargehalts erfolgte zunächst relativ regelmäßig. Bereits im zweiten Jahr kam es jedoch zu Spannungen mit den Bauern hinsichtlich der Bewirtschaftung der Felder. Josef Berghofer erstattete daraufhin Anzeige beim Stuhlgericht Mitterpullendorf, zog diese jedoch bald wieder zurück, da ein Ausgleich mit der Gemeinde erzielt wurde. Ein gedeihliches Arbeiten und Leben war für Berghofer und seine Familie in Oberrabnitz dennoch offenbar nicht mehr möglich – 1879 verließ er die Gemeinde endgültig.[33]

Im Jahr 1879 trat der in Unterpetersdorf geborene Lehrer Josef Fröch die Nachfolge von Josef Berghofer in der Volksschule Oberrabnitz an.

Schulstuhlsitzung, Schulstuhlwahl – 1880

Am 27. Juni 1880 fand im Schulhaus Oberrabnitz unter dem Vorsitz des Orts-Stuhlpräses, Pfarrer Friedrich Mayer, eine Schulstuhlsitzung statt. Beschlossen wurde:

„1) Zum Besuch des am 5 Juli in Steinamanger abzuhaltenden Lehrkurses wurden dem Lehre 5 fl (Gulden) Reisegeld bewilligt. Der eingeladene Ortsvorstand fand die 5 fl (Gulden) zuviel.

2) Wurden die 30 kr (Kreuzer) Lehrbücher der umg. Sprache im Preis im Ganzen 15 fl (Gulden) bewilligt, jedoch sollen früher für die Schule 2 Exemplare bestellt werden, damit, wenn sie nicht entsprechen sollten, um die 15 fl (Gulden) ein anderes Lehrbuch der umg. Sprache bestellt werden können. Das Geld für die Bücher wird 10 Tage vor der Eröffnung  der Schule von den Eltern der Kinder eingefordert werden. Sollten diese nicht zahlen, so wird die Gemeinde statt ihre Zahlung leisten. Sollten auch andere Lehrbücher benötigt sein, so wird in ihrer Hinsicht gleiches Verfahren statt finden.

3) Wird das Schuljahr mit 1. Sept. eröffnet werden, doch soll bis 1. Nov. der Unterricht Vormittag von 8 bis 10 für die 6 bis 10 jährigen und Nachmittag von 12 – 2 für alle ertheilt werden. Der Wiederholungsunterricht findet vom 1. Nov. an Samstag und Sonntag statt, bis dorthin ist dieser Unterricht am Sonntag. Die Eltern, welche aus irgend einen Grund ihre Kinder nicht in die Schule schicken, werden an einem Schultag in der Woche in die Schule vorgeladen werden. Die Schulstuhlbeisitzer werden von Woche zu Woche nach alfabetischer Reihe durch den Herrn Lehrer mittels eines Schülers zur Schule geladen werden.“ [34]

1889 wurde ein neuer Schulstuhl gewählt.

„Verzeichnis der neugewählten Schulstuhl Mitglieder

und zwar als ordentliche Mitglieder wurden gewählt:

Franz Hauser: weltlicher Präses, [1866 Haus Nr. 13]; Johann Puhr, [1853 Haus Nr. 7]; Johann Pfneisl, []; Franz Hochschopf, [1840 Haus Nr. 68]; Josef Maschler, [1829 Haus Nr. 24];

Als Ersatzmitglieder:

Albert Kogler, [1852 Haus Nr. 51]; Franz Supper, [Haus Nr. 4];

Ausserordentliche Mitglieder und zwar als Kuratoren:

Stefan Pfneisl Oberkurator, [], Josef Bleier, Vicekurator;

Ob. Rabnitz am 7. April 1889, Josef Fröch, Notär; Johann Krahl, kirchl. Präses“ [35]

Bau eines neuen Schulgebäudes 1893

Der Schullehrer Josef Fröch unterrichtete noch vierzehn Jahre lang im alten Schulgebäude, bis im Jahr 1893 schließlich ein neues Schulhaus errichtet wurde – beinahe genau an derselben Stelle, an der zuvor das alte gestanden hatte.

Anlässlich der Einweihungsfeier lobte Lehrer Fröch die neue Schule in einem Bericht in der Ödenburger Zeitung in rühmenden Worten.

„Felsó-Rámócz 4.September Schuleinweihungs-Feier.

Hier fand gestern die feierliche Schulweihe mit ungewöhnlichen festlichen Gepränge statt. Den kirchlichen Akt vollzog um 9 Uhr Früh der hochwürdige Distrikt-Dechant und Pfarrer aus Császárfalu (Kaisersdorf) mit dem auch verschiedene andere Pfarrer der Nachbarorte hier eintrafen und demselben assistierten. Zuerst wurde ein solennes Hochamt zelebriert, worauf sich die Geistlichen, fast die Gesammtbevölkerung unseres Ortes und eine größere Anzahl zur Feierlichkeit erschienenen Fremden zum neuen Schulgebäude begaben, wo nach bewirkter Einweihung die Besichtigung derselben in allen seinen Räumen stattfand.

Der Gemeinde, welche obgleich nur dürftig bemittelt, dennoch das große Opfer brachte, statt des alten, baufälligen und räumlich viel zu beschränkt gewesenen Schulhauses nun ein neues stattliches Gebäude herstellen zu lassen, gebührt ehrender Dank und die vollste Anerkennung aller Menschenfreunde, denen die sorgfältige Erziehung der Jugend, ein Postulat künftiger nationaler Wohlfahrt ist. Geräumige, lichte und luftige Lehrzimmer sind den Schulkindern ebenso wichtig, als tüchtige Lehrkräfte, den der Geist ist doppelt empfänglich für die Aufnahme des Lehrstoffes, wenn sich der Körper wohl und behaglich fühlt und darum konnte von einem wirklich allen Anforderungen entsprechenden Unterricht im alten Schulhause, wo Lehrer und Kinder wie in einem engen Käfig eingepfercht waren, nicht die Rede sein. Nun aber steht ein Gebäude da, das die Gemeinde zur Zierde, ihrem einträchtigen patriotischen und humanitären Zusammenwirken zur Ehre gereicht und das insbesondere auch ein bleibendes Denkmal für unseren hochwürdigen Herrn Pfarrer bildet, der insbesonders beflißen war die ? eines Schulbaues hier zu realisieren, der selbst dafür namhafte Opfer brachte und die Gemeindemitglieder zwar liebreich, aber eindringlich zur Beisteuer aneiferte. Ja, er ist der eigentliche Urheber dieses Baues, da er als erleuchteter und hochgebildeter Kinderfreund erkannt hatte, dass in der bisherigen, förmlich gesetzwidrig beschaffenen engen Stube, wo seit vierzehn Jahren Schule gehalten wurde, auch bei dem besten Unterricht unmöglich ein entsprechender Fortgang erzielt werden könne. Ein herzhaftes Eljen also unserem geliebten Pfarrer und Schuldirektor! (Johann Krahl) Und gleichzeitig auch inniger Dank den opferwilligen Förderern, Gönnern und Herstellern des Baues!“ [36]

Im selben Jahr wurde vom örtlichen Schulstuhl ein Protokoll verfasst, in dem gemäß einem Dekret des königlich-ungarischen Ministeriums für Religion und Unterricht für den angestellten Lehrer und Kantor József Fröch ein auf die Pension anrechenbares Gehalt von 153 Forint und 72,5 Kreuzer für seine reine Lehrtätigkeit festgelegt wurde.

Unterzeichnet wurde das Protokoll von: „János Krahl, Pfarrer und Vorsitzender des Schulsitzes; József Fröch, Lehrer und Kantor; József Maschler, Richter [Haus Nr. 24]“[37]

Abb. 6: Im Jahr 1893 erbautes Schulgebäude; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Magyarisierung unserer Dorfschule

Im Zuge der Magyarisierung wurde der Ungarisch Unterricht für Schulkinder verstärkt und durch amtliche Inspektionen überprüft. Im Jahr 1895 wurde in der Ödenburger Zeitung über eine öffentliche Schulprüfung an der Volksschule in Oberrabnitz berichtet.

„Felsó-Rámócz 2. Mai Schulprüfung: Die letzte vorgestern hier abgehaltene öffentliche Schulprüfung in der katholischen Volksschule fand im Beisein des Herrn Distriktdechanten Franz Novak statt. Die Kinder antworteten auf alle an sie gerichteten Fragen korrekt und schlagfertig und machten somit der Methode und dem Eifer ihres Lehrers Josef Fröch alle Ehre. Besonders rühmenswert sind die Fortschritte der Kinder in der ungarischen Sprache, worin sie so gute Erfolge nachwiesen, dass die Prüfungskommission sowohl, als auch der Schulstuhl den Lehrer wärmstens belobten und ihm namentlich die Eltern dafür dankten, dass ihre Kleinen sich so sehr durch die vortreffliche Aussprache des Ungarischen und die Korrektheit im schriftlichen Ausdruck desselben ausgezeichnet haben.

Der Schulstuhl stellte Herrn Fröch überdies eine öffentliche Anerkennung seiner so ersprießlichen und erfolgreichen Mühewaltung aus.“ [38]

Abb. 7: Schuljahr 1897, 30 Buben, 24 Mädchen, Lehrer Josef Fröch, Nichte von Lehrer Fröch, Pfarrer Johann Krahl; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Mit dem Schulgesetz von 1907, erlassen vom damaligen ungarischen Unterrichtsminister Apponyi, wurde der Gebrauch der Muttersprache als Unterrichtssprache völlig untersagt.

In der am 27. Februar 1910 abgehaltenen Schulstuhlsitzung in Oberrabnitz informierte der Präses die Mitglieder über die Komitatsverordnung 1721/909, nach der die Schule sozusagen vollständig magyarisiert werden sollte. Dies führte zu einer lebhaften Diskussion.

Die anwesenden Schulstuhlmitglieder erklärten einstimmig, dass sie diese Verordnung ablehnten. Sie begründeten ihre Haltung damit, dass die Kinder bei ausschließlichem Unterricht in magyarischer Sprache weder Ungarisch noch Deutsch richtig erlernen würden. Auf diese Weise würde man ihnen ihre Muttersprache entziehen.

Die Folge sei, dass die Kinder unwissend aus der Schule entlassen würden und nicht einmal imstande seien, einfache Berechnungen vorzunehmen – etwa den Preis von zwanzig Kilogramm Salz bei einem deutschen Kaufmann zu errechnen.

Daraufhin wurde einstimmig beschlossen, dass die Gemeinde bereit sei, das Gehalt des Lehrers aus eigenen Mitteln zu bestreiten, ehe sie ihre Muttersprache verdrängen ließe.

Im April informierte der Präses den Schulstuhl über das Zirkularschreiben, in dem mitgeteilt wurde: Der Schulstuhl solle seine Appellation zurückziehen und beschließen, dass in der römisch-katholischen Volksschule Oberrabnitz die Muttersprache und die Religion ausschließlich in deutscher Sprache unterrichtet werden, während alle übrigen Unterrichtsgegenstände in magyarischer Sprache erteilt würden. Begründet wurde dies damit, dass die rein katholische Schule nach § 27 des Gesetzes von 1907 sonst Gefahr laufe, einer Verstaatlichung zuzuführen.

Der Schulstuhl nahm dies zur Kenntnis und beschloss einstimmig, das Zirkularschreiben anzuerkennen und sich dessen Bestimmungen zu fügen sowie von der Appellation Abstand zu nehmen. Man sah sich dadurch wenigstens in einem Teil der eigenen Rechte bestätigt und bat zugleich das hochwürdige bischöfliche Ordinariat, den Schulstuhl auch künftig in diesem Recht zu unterstützen und ihnen diese Unterstützung als Garantie für die gerechte Sache nicht zu entziehen.

Die Sprachangelegenheit in der Schule wurde dahingehend genehmigt, dass wöchentlich wenigstens zwei Stunden Unterricht in der Muttersprache sowie in der Religionslehre erteilt werden durften und dass während des Unterrichts in den übrigen Fächern die Muttersprache als Aushilfssprache verwendet werden konnte.

Der Schulstuhl wurde außerdem darüber informiert, dass die Schule bis Ende Oktober mit den erforderlichen Apparaten und Lehrmitteln ausgestattet sein müsse. Hinsichtlich des Schulglobus wurde bekanntgegeben, dass dieser, obwohl neu angeschafft, nicht verwendet werden könne und durch ein neues ungarisches Fabrikat ersetzt werden müsse.

Ferner wurde bestimmt, dass die Schulkinder die vom Unterrichtsminister angeordnete Einschreibgebühr von 50 Heller entrichten mussten. Von dieser Abgabe wurden jedoch die fünf angegebenen mittellosen schulpflichtigen Kinder befreit.[39]

Der Erste Weltkrieg –  Rückkehr zur deutschen Sprache

Den Schulprotokollen der römisch-katholischen Volksschule Oberrabnitz aus den Jahren 1908 bis 1924 ist zu entnehmen, dass Buben und Mädchen aller sechs Schulstufen gemeinsam in einem Raum unterrichtet wurden. Für die 13- und 14-Jährigen bestand eine allgemein ausgerichtete Wiederholungsschule, in der vor allem praktische Fragen des Berufs- und Wirtschaftslebens im Mittelpunkt standen.

Magyarisch wurde bereits ab der ersten Schulstufe unterrichtet, wobei die Lernergebnisse als „ausreichend“ bewertet wurden. Dreimal im Jahr gingen die Schüler zur Beichte. Darüber hinaus besuchten sie das ganze Jahr über werktags die Messe und wurden dabei vom Lehrer beaufsichtigt.

Die Unterrichtszeiten der Wochenschule wurden vom Schulstuhl jeweils vor Schulbeginn festgelegt. Für alle schulpflichtigen Kinder fand der Unterricht von Anfang September bis Mitte Oktober von 7 bis 10 Uhr statt. Von Mitte Oktober bis Mitte Mai wurde von 8 bis 11 Uhr sowie von 13 bis 15 Uhr unterrichtet.

Am Tag der Schulschlussprüfung, deren Termin vom Dechant bekannt gegeben wurde, war es üblich, die Kinder mit Kipferln zu beschenken.

Der Wiederholungsunterricht fand sonntags von 12 bis 14 Uhr und in den Wintermonaten zusätzlich mittwochs von 12.30 bis 15.30 Uhr statt.

Als wöchentlicher schulfreier Tag wurde der Samstag festgelegt. Weitere schulfreie Tage waren die Tage Rosalia, Michaelis, Katarina, Josefi und Floriani sowie der Anbetungstag.

Aufgrund der schwierigen Verhältnisse während des Ersten Weltkriegs kam es wiederholt zu Ausnahmeregelungen für den Schulbetrieb, die durch Ministerialverordnungen bekannt gegeben wurden. So wurde im Schuljahr 1914/15 der Wiederholungsunterricht bis auf Weiteres ausgesetzt. Im Schuljahr 1915/16 konnte der Unterricht von Anfang September bis Mitte Oktober nur am Vormittag stattfinden, da die meisten Dorfbewohner in der Landwirtschaft tätig waren. Im Schuljahr 1917/18 wurden die Kinder der vierten, fünften und sechsten Schulstufe im selben Zeitraum vom Unterricht befreit. Auch in den Schuljahren 1918 bis 1922 konnten Schüler der fünften und sechsten Schulstufe wiederholt vom Unterricht befreit werden, wenn sie ihre Eltern bei der landwirtschaftlichen Arbeit unterstützten.

Im November 1918 führte der Schulerhalter die Muttersprache der Kinder wieder als Unterrichtssprache ein. Nachdem sich die damalige Regierung zum Prinzip der Gleichberechtigung der Nationalitäten bekannt hatte, sah der Schulstuhl von Oberrabnitz den Zeitpunkt gekommen, seinen Beschluss vom 27. Februar 1910 umzusetzen. Dieser sah vor, dass die Muttersprache der Kinder, also Deutsch, als Unterrichtssprache verwendet werden sollte. Die rechtliche Grundlage dafür bildete auch ein Telegramm des ungarischen Unterrichtsministers Lovászy an das Bischöfliche Ordinariat, das unter der Zahl 1869/1918 bekannt gegeben wurde. Der Beschluss des Schulstuhls entsprach sowohl dem Wunsch sämtlicher Gemeindebewohner als auch dem Prinzip der Gleichberechtigung der Nationalitäten.

Für das Schuljahr 1919/20 wurde daraufhin beschlossen, dass Deutsch die alleinige Unterrichtssprache sein sollte, während Magyarisch weiterhin als Unterrichtsgegenstand angeboten werden konnte.

Die Schulprüfung für das Schuljahr 1922/23 wurde auf den 19. Juni festgelegt. Da die Anwesenheit des Dechants in seiner Funktion als Distriktschulinspektor mit erheblichen Kosten für die Gemeinde verbunden gewesen wäre, beschloss der Schulstuhl, auf seine Teilnahme zu verzichten und für eine entsprechende Vertretung zu sorgen.[40]

Ein Pionier in der Magyarisierung

Nach 43 Jahren als Schulmeister in Oberrabnitz setzte im Jahr 1921 ein Schlaganfall, bei dem er einen Großteil seines Augenlichts verlor, dem Wirken von Josef Fröch ein Ende. Bis zu seinem Tod im Jahr 1939 lebte er bei seiner Tochter Anna in Karl, die dort mit einem Bäckermeister verheiratet war. Er wurde auf dem Friedhof in Karl beigesetzt.

Josef Wiesinger, einer seiner Nachfolger, erinnerte sich später an ihn. [41]

„Viel erzählte mir der Alte (Lehrer Josef Fröch) von der Schule, wie schwer es früher war, und wie leicht ich es dagegen hätte. Dabei hatte ich auch sechzig Kinder oder mehr im Alter von sechs bis vierzehn Jahren in einer Klasse beisammen. Ja, aber früher kam noch die Zweisprachigkeit dazu, deutsch und ungarisch. Tatsächlich lernten die Kinder ungarisch lesen und rechnen (zählen und das Einmaleins). In den Realien lernten sie ungarische Texte auswendig, die sie auf „Knopfdruck herunterließen“. Aber den Sinn des Gesagten verstanden sie nicht. Kam einmal – alle drei, vier Jahre – der königliche Schulinspektor aus Ödenburg, so galt dessen Kontrolle in erster Linie dem Fortgang der Schüler in der Staatssprache. Voll Stolz erzählte mir der Alte, dass er für diese Pionierarbeit mehrmals eine Prämie von 20 – 25 Gulden erhielt. Dabei versicherten mir Experten, dass er selber das Ungarische nur sehr mangelhaft beherrschte. Was waren die Magyaren doch für Meister in der Umerziehung ihrer Minderheiten, wie verstanden sie es, vor allem die studierende Jugend für das Ungarische zu begeistern, die Heldensöhne ihrer Geschichte als nachahmenswerte Vorbilder hinzustellen. So zeigte es sich im Jahre 1921, als das Burgenland zu Österreich kam, dass die deutschstämmige Intelligenz im Lande wenig Begeisterung für den Anschluß zeigte. Auch unser guter, alter Schullehrer Josef war nicht anders. Sein Radio war meist auf den ungarischen Sender eingestellt, und erst, wenn mittags die Glocke vom Budapester Dom aus dem Lautsprecher erklang, nahm er sein Käppi ab und bekreuzigte sich zum Angelus…

Im Frühjahr 1938, als das große Ungemach über unser Land kam, gingen die Tage des Alten zu Ende. Obwohl ihm eine auskömmliche Pension vom Staat Österreich, dem er nie gedient hatte, einen sorgenfreien Lebensabend sicherte, lebte er in seinen Erinnerungen, Gedanken und Wünschen immer noch in seiner „guten, alten Zeit“, die in Wirklichkeit alles andere als gut war. Jetzt aber fand er sich überhaupt nicht mehr zurecht, an der braunen Welle zerbrach sein Herz.

Die Kunde vom Hinscheiden des alten Schulmeisters erreichte mich rechtzeitig und ich konnte ihm am offenen Grabe ein paar Worte des Abschieds sagen. Als dann die ersten Lehmbrocken auf den schlichten Holzsarg polterten, da ging es mir auf: Hier geht ein Lehrer heim, dessen Leben erfüllt und gezeichnet war von Arbeit und Pflicht, von Nöten und Sorgen, aber auch von Zweifeln und inneren Kämpfen. Sein Lebensweg glich einer Gratwanderung zwischen zwei Völkern, zwei Welten. Es war eben ein Leben an der Grenze.“

Verschiedene Schriftstücke – etwa Feldpostbriefe von den Kriegsschauplätzen, Postkarten aus Ausbildungs- und Arbeitsstätten oder amtliche Dokumente – zeigen, dass die schulische Bildung unserer Vorfahren damals eine Mischform aus deutscher und ungarischer Sprache hervorgebracht hatte.[42]

Die 1920er Jahre

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im Jahr 1918 wurden auf Grundlage internationaler Verträge die westlichen Teile der ungarischen Komitate Moson (Wieselburg), Sopron (Ödenburg) und Vas (Eisenburg), in denen mehrheitlich Deutsch gesprochen wurde, im Jahr 1921 als neuntes Bundesland unter dem Namen ‚Burgenland‘ an Österreich angeschlossen. Die natürliche Hauptstadt dieses neuen Bundeslandes – die Komitatshauptstadt Sopron (Ödenburg) – verblieb jedoch nach einer dort abgehaltenen Volksabstimmung bei Ungarn. Von da an war Deutsch Amts- und Unterrichtssprache.[43]

Im Jahr 1922 reichte der Schulstuhlvorsitzende, Pfarrer Johann Krahl, die von der Schulbehörde geforderte Grundskizze der Volksschule Oberrabnitz ein.

Abb. 8: Von Pfarrer Krahl angefertigte Skizze im Jahr 1922; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien

Nach dem plötzlichen Ausfall des Lehrers Josef Fröch konnte das Schuljahr 1922/23 nicht wie geplant im September, sondern erst im November 1922 beginnen, nachdem ein Nachfolger gefunden worden war. Die Stelle übernahm der junge Kantorlehrer Johann Gesellmann.

Doch aus persönlichen Gründen wollte Johann Gesellmann Oberrabnitz bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen. Der Schulstuhl des Ortes ließ daraufhin die Kantor-Lehrerstelle im Landesgesetzblatt ausschreiben. Um die Stelle bewarb sich der junge Klassenlehrer Franz Hoditsch aus Schattendorf, der neben einem sehr guten Befähigungszeugnis auch eine für den Schulstuhl zufriedenstellende Gesangs- und Orgelprobe ablegte. Als der Schulstuhl unter dem Vorsitz seines Präses, Pfarrer Johann Krahl, beim Bezirksschulinspektorat um die Genehmigung der Stellenbesetzung ansuchte, lautete die Antwort:

„[…] Von einer sofortigen Besetzung der Stelle durch den neuberufenen Kantorlehrer kann keine Rede sein, da die Durchführung der Bestätigung immerhin einige Zeit erfordert. Gesellman wird daher vorläufig auf seinen Posten zu verbleiben haben.“ [44]

Im Jänner 1923 regte der Bezirksschulinspektor die Einstellung einer Handarbeitslehrerin an. Der Schulrat unterstützte diesen Vorschlag und sprach sich dafür aus, einen eigenen Sprengel einzurichten, in dem eine Fachkraft den Handarbeitsunterricht für Mädchen übernehmen sollte. Da sich im Ort selbst keine geeignete Person fand, erschien die im Nachbarort Schwendgraben tätige Handarbeitslehrerin als beste Lösung.

Auf Grundlage eines Beschlusses vom April 1923 wurde das Wappenbild des Burgenlandes für das Schulzimmer angeschafft.

Im Juli 1924 stellte der Schulleiter Johann Gesellmann den Antrag, den für ihn aus der Gemeindekasse vorgesehenen Betrag von 110 Kronen angesichts der veränderten Geldverhältnisse in valorisierter Höhe auszuzahlen. Dabei entsprach eine Goldkrone 14.400 österreichischen Kronen. Die Mitglieder erkannten, dass das ursprünglich festgesetzte Gehalt in keinem Verhältnis mehr zum damaligen Geldwert stand, und beschlossen einstimmig, dem Antrag stattzugeben. [45]

Abb. 9: Schuljahr 1924/25, 24 Buben, 25 Mädchen, Lehrer Johann Gesellmann, Pfarrer Johann Krahl, 17 Vorschulkinder; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Im September 1926 erfolgte die Auswahl eines neuen Kantorlehrers unter dem Vorsitz des neuen kirchlichen Präses Johann M. Sallaberger. Dieser hatte die Nachfolge von Johann Krahl angetreten, der in den Ruhestand gegangen war. Nachdem die Stelle vorschriftsmäßig ausgeschrieben worden war, gingen die Gesuche von acht Bewerbern ein. In einer geheimen Wahl entschied sich der Schulstuhl mit vier zu zwei Stimmen für den jungen Lehrer Josef Wiesinger aus dem niederösterreichischen Waldviertel als neuen Kantorlehrer.[46]

Das Schulgebäude befand sich in einem schlechten Zustand. So fehlten beispielsweise zeitgemäße Pissoirs, der Fußboden im Klassenzimmer musste erneuert und der Ofen repariert werden. Die Raumtemperatur betrug lediglich 15 Grad Celsius. Als Schulbänke standen ausschließlich Fünfsitzer zur Verfügung. Die vorhandenen Landkarten und Wandbilder trugen noch magyarische Aufschriften und waren daher für den Unterricht nicht mehr brauchbar. Auch die Ausstattung mit Büchern – insgesamt nur elf Stück – und weiteren Lehrmitteln war äußerst dürftig und zudem veraltet.

Trotz der zahlreichen Mängel arbeitete Lehrer Wiesinger mit großem Fleiß und Engagement und führte die Amtsschrift gewissenhaft. Von seinen Schülern forderte er Leistungsbereitschaft und legte großen Wert auf Ordnung. Gleichzeitig unternahm er mit ihnen zahlreiche erlebnisreiche Ausflüge. Darüber hinaus gründete er einen Kirchenchor, der weit über die Dorfgrenzen hinaus Anerkennung und Bewunderung fand. An hohen Feiertagen lockte der Chor zahlreiche Besucher aus der Umgebung in die Oberrabnitzer Kirche, wie einem Zeitungsbericht zu entnehmen ist: [47]

„(Kirchenmusik) Am Christi-Himmelfahrts-Tag wurde vom Oberrabnitzer Kirchenchor unter seinem unermüdlichen Leiter Schulleiter Josef Wiesinger die Missa, op. 35 von Karl Kempter, ein Tantum ergo, op. 45, von Franz Schubert, Ascendit Deus von Josef Grumbeck mustergültig zu Gehör gebracht. Es ist mit dieser vorzüglichen kirchenmusikalischen Aufführung Schulleiter Wiesinger, der mit Liebe diese Tonschöpfungen in sachgemäßer Kleinarbeit herausarbeitet, eine in jeder Hinsicht anerkennenswerte, künstlerische Leistung gelungen. Lehrer Josef Grumbeck – Kobersdorf an der Orgel, der sangeskundige Kirchenchor und das feindifferenzierende Orchester machten ihrem begabten Dirigent alle Ehre.“ [48]

Lehrer Josef Wiesinger engagierte sich auch als Vereinsobmann bei der Freiwilligen Feuerwehr Oberrabnitz und der Musikkapelle. Zudem leitete er die Ortssparkasse vorbildlich und stand den Menschen mit Rat und Tat zur Seite. So gewann er rasch das Vertrauen der Bevölkerung und wurde allgemein geschätzt.

Aus dem Mai 1927 liegt ein Inspektionsbericht des Amtes der burgenländischen Landesregierung mit Sitz in Sauerbrunn an die Apostolische Administration des Burgenlandes in Wien vor. Der Bericht bezieht sich auf den Besuch des Bezirksschulinspektors in der römisch-katholischen Volksschule Oberrabnitz im Rahmen einer Inspektion im Oberpullendorf. Darin werden zahlreiche Mängel angeführt.[49]

Im Dezember 1927 ließ der Kreisarzt Dr. Bauzauner wegen zahlreicher Masernfälle unter den Schulkindern die Schule für vierzehn Tage schließen.

Vom Bezirksschulinspektor wurde im Jahr 1928 vorgeschlagen, anstelle einer Sanierung des desolaten Schulgebäudes eine gemeinsame Schule für die beiden Ortschaften Oberrabnitz und Karl zu errichten.

In der gemeinsamen Schulstuhlsitzung im April der beiden Gemeinden wurde dieser Inspektionsbericht, der den Bau einer Gemeinschaftsschule empfahl, besprochen. Der Antrag, eine gemeinsame Schule zu erbauen, wurde einstimmig abgelehnt.[50]

Im Winter 1928/29 herrschten extreme Temperaturen von unter minus 20 Grad Celsius. Aufgrund einer behördlichen Verfügung aus Eisenstadt wurde der Schulbetrieb vorübergehend eingestellt. Selbst der große Kachelofen in der Schulstube hielt der wochenlangen Dauerbelastung – Tag und Nacht in Betrieb – nicht stand und brach schließlich im Inneren zusammen.[51]

Zur Schulstuhlsitzung im Oktober 1929 war auch die Handarbeitslehrerin Frl. Isabella Knapp eingeladen worden. Frl. Knapp beschwerte sich über die ungebührliche Einmischung der Eltern der Schulkinder in die unter ihrer Leitung angefertigten Handarbeiten. Sie verteidigte sich und erklärte, dass sie nach ihrem Lehrplan vorgehe. Der Vorsitzende, der Herr Pfarrer, erklärte, dass bei eventuellen Beschwerden der gesetzmäßige Weg eingehalten werde. Es wurde auch beschlossen, dass in Zukunft, bei Beschwerden, von welcher Seite sie auch kommen mögen, der richtige Weg eingehalten werde.

Einen Monat später wurde in dieser Angelegenheit von Frl. Knapp eine Sitzung des Schulstuhls erbeten, die im Pfarrhaus abgehalten wurde. Frl. Knapp berichtete von ihrem schweren Anfang und verlas schließlich ein von ihr zusammengestelltes Protokoll, in dem sie die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatte, darlegte. Herr Pfarrer Sallaberger verlas daraufhin die Bestimmungen aus der Schul- und Unterrichtsordnung betreffend den Handarbeitsunterricht und den Lehrplan.

Daraufhin wurde die Debatte eröffnet – den Eltern sei die Arbeitsleistung zu gering. Sie verlangten das Erlernen des Stopfens. Die Hemden seien nicht zweckentsprechend, das Maß sei zu hoch gegriffen und nichts sei passend. Sie forderten ortsübliche, zeitgemäß gearbeitete Wäschestücke. Frl. Knapp wurde schließlich nahegelegt, sich den Wünschen der Eltern zu fügen beziehungsweise ihnen entgegenzukommen. Sie erklärte sich daraufhin bereit, den Wünschen der Eltern zu entsprechen.[52]

Im Jahr 1935 regelte der Schulstuhl die Bezüge des Kantorlehrers neu: Anstelle von Naturalien sollte dieser fortan einen Geldbetrag erhalten. Um der Gemeinde entgegenzukommen, unterbreitete der Kantor ein Angebot über eine Ablösungssumme in Höhe von 600 Schilling zuzüglich 16 Raummetern gemischten Brennholzes (Lieferung frei Haus) oder alternativ 800 Schilling ohne Holz. Laut der am 21. September 1935 geschlossenen Vereinbarung erhielt der Kantorlehrer schließlich 750 Schilling in bar, zahlbar in vierteljährlichen Raten zu je 187,50 Schilling, und verzichtete im Gegenzug auf das Brennholz.[53]

Abb. 10: Schuljahr 1935/36, 27 Buben, 35 Mädchen, Lehrer Josef Wiesinger, Pfarrer Johann Sallaberger; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Krieg und Nachkriegszeit

Als Obmann der Vaterländischen Front musste Lehrer Josef Wiesinger im Jahr 1938 nach zwölfjähriger Tätigkeit das Dorf verlassen. Er übersiedelte nach Pilgersdorf, setzte jedoch seine Tätigkeit bei der Ortssparkasse, die im Schulgebäude in Oberrabnitz untergebracht war, fort. Jeden Sonntag kehrte er hierher zurück, um die Bankgeschäfte zu erledigen.[54]

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 kam es zu zahlreichen Lehrerwechseln, da die jungen männlichen Lehrkräfte jahrgangsweise zur Deutschen Wehrmacht eingezogen wurden. Im Schuljahr 1938/39 kam Oberlehrer Hans Wieder an die Schule.

Im November 1940 richtete sich der Kirchenrat mit einer Beschwerde an das Schulinspektorat Oberpullendorf:

„Mit großer Bestürzung müssen wir feststellen, dass unser Oberlehrer Johann Wieder trotz wiederholter Aufforderung das Kreuz in der Schulklasse nicht wieder angebracht hat. Da wir ein solches Verhalten als klaren Verstoß gegen unsere heilige christliche Religion empfinden, können wir dieses Ärgernis nicht schweigend hinnehmen. Wir ersuchen das Schulinspektorat daher höflich, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, damit das Kreuz in der Klasse wieder sichtbar angebracht wird – zum Zeichen der christlichen Prägung unserer Schule und zum religiösen Vorbild für die Kinder.

Der Kirchenrat Oberrabnitz: Dr. Ludwig Glöggler Pfarrer, Andreas Bleier, Fabian Liebentritt, Josef Senft, Johann Seidl, Albert Puhr, Franz Schrammel, Peter Brandl, Stefan Liebentritt, Johann Liebentritt, Josef Bleier, Franz Pfneisl, Josef Seidl, Franz Gmeiner“ [55]

Vermerk des Landrats des Kreises Oberpullendorf:

„Dem Pfarrer wurde im Rahmen der Vereidigung zum Konfessionsunterricht mitgeteilt, dass er das Kruzifix während der Religionsstunde im Klassenraum aufhängen darf – es danach jedoch wieder selbst entfernen muss.“ [56]

1941 erhielt die Leitung der Volksschule Oberrabnitz ein Schreiben von der Schulabteilung des Landrates des Kreises Oberpullendorf:

„Betreff: Dr. Ludwig Glöggler – Erlaubnis zur Erteilung des Religionsunterrichts; Pfarrer Dr. Ludwig Glöggler hat den vorgeschriebenen Ariernachweis bislang nur unvollständig vorgelegt. Aus diesem Grund darf ihm gemäß dem Erlass des Herrn Reichsstatthalters in Niederdonau keine Bewilligung zur Erteilung des Konfessionsunterrichts erteilt werden, solange der vollständige Nachweis nicht vorliegt. Daher ist es Dr. Glöggler ab sofort nicht gestattet, in irgendeiner Form Konfessionsunterricht zu erteilen. Der bisher von ihm abgehaltene Religionsunterricht ist unverzüglich einzustellen. Falls er dennoch versuchen sollte, nicht genehmigten Unterricht durchzuführen, sind sowohl die Kinder als auch ihre Eltern darüber zu informieren, dass die Teilnahme an solchen Veranstaltungen disziplinarrechtliche Folgen haben kann. In einem solchen Fall ist unverzüglich Meldung an die Behörde zu erstatten. Der beiliegende Bescheid ist Dr. Glöggler nachweislich zuzustellen.“ [57]

Aus den Jahren 1940 bis 1945 liegen keinerlei Eintragungen zu schulischen Belangen der Volksschule Oberrabnitz vor.

Im Schuljahr 1941/42 besuchten 29 Kinder die Volksschule – 15 Knaben und 14 Mädchen. Erstmals wird vermerkt, dass zwölf Kinder die Hauptschule besuchten. In den folgenden Jahren finden sich immer wieder Einträge über Kinder, die die Hauptschule in Kirchschlag besuchten.

Die Hauptschule Kirchschlag war eine Internatsschule mit gutem Ruf und weithin bekannt, sodass Schüler aus Wien, dem nördlichen Burgenland und der Steiermark anreisten. Der monatliche Kostenbeitrag von 100 Schilling war jedoch nicht für alle Familien leistbar. [58]

Aufgrund des Kriegsendes am 8. Mai 1945, der damit verbundenen Besetzung des Landes durch sowjetische Truppen sowie der allgemeinen Wirren jener Zeit fiel der Unterricht von Ende April bis zum 6. November 1945 vollständig aus.

Am 6. November 1945 übernahm Stefan Pfneisl aus Oberrabnitz die Leitung der einklassigen Volksschule mit 35 Kindern, in der er zugleich als Klassenlehrer tätig war. Bereits in den Jahren 1936/37 hatte er als unbezahlter Probelehrer gearbeitet.

Um den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten, war eine Sanierung dringend erforderlich, wie Stefan Pfneisl in seinem Jahresprotokoll festhielt. 

„[…] Das Schulgebäude hat während den Kriegsjahren keinen Schaden erlitten, allerdings gingen die gesamten Lehrmittel sowie Tisch und Schränke verloren. Das Gebäude an sich befindet sich in einen äußerst schlechten Zustand. Die Schule und Dienstwohnung sind sehr nass. Das Gebäude liegt hart an der Straße, sodass das Wasser von der Straße zur Schule fließt und an den Mauern hochsteigt. Fenster und Türen schließen schlecht, dadurch dringt Straßenstaub in die Klasse. Ferner ist das Dach schadhaft, so dass bei Regen das Wasser durch die Zimmerdecke dringt. Die Gemeinde ist nicht in der Lage die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Eine Unterstützung wäre dringend erforderlich.“

Daraufhin wurde das Schulgebäude notdürftig instand gesetzt und einfach ausgestattet. Die wichtigsten Lehrmittel konnten angeschafft und in ausgeborgten Kleiderschränken untergebracht werden. [59]

Infolge des NS-Gesetzes wurden ab dem 1. September 1946 alle Lehrer, die Parteimitglieder waren, außer Dienst gestellt. Davon betroffen waren Stefan Pfneisl aus Oberrabnitz und Alois Holzer aus Karl. Für beide Schulen wurde der 19-jährige Franz Baumgartner, ein gebürtiger Karler, angestellt. Er kam direkt aus dem Lehrerseminar. Weil sie jedoch als minderbelastet galten, wurden Stefan Pfneisl und Alois Holzer ab dem 1. Dezember 1946 wieder provisorisch eingestellt.

Abb. 11: Schuljahr 1946/47, Lehrer Stefan Pfneisl; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

In den Schuljahren 1946/47 und 1947/48 wurden die Kinder von Stefan Pfneisl und dem aus Karl stammenden Franz Baumgartner unterrichtet. Ab dem Schuljahr 1948/49 übernahm Stefan Pfneisl erneut allein die Leitung der einklassigen Schule und war zugleich als Klassenlehrer tätig. . Den Religionsunterricht erteilte – wie bereits während der Kriegsjahre – Pfarrer Ludwig Glöggler. Für den Handarbeitsunterricht war Maria Pauer zuständig. Eine schulärztliche Betreuung bestand zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Stefan Pfneisl engagierte sich stark im kirchlichen Leben, insbesondere durch die Leitung des Chors. Auch für Theateraufführungen konnte er die Jugend begeistern und aktiv einbinden. [60]

Abb. 12: Stefan Pfneisel dirigiert bei der Glockenweihe 1952 das Lied: „Die Himmel rühmen“ - Ludwig van Beethoven; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Im Schuljahr 1952/53 wurde Pfarrer Ludwig Glöggler als Religionslehrer von Pfarrer Stefan Schmidt abgelöst. Auch im Handarbeitsunterricht gab es einen Wechsel: Maria Pauer wurde durch Maria Schieber ersetzt. Aufgrund einer Mumps- und Grippewelle musste der Schulbetrieb vom 23. Februar bis zum 7. März 1953 eingestellt werden.

Für das Schuljahr 1953/54 legte Schulleiter Stefan Pfneisl der Gemeinde Oberrabnitz einen Kostenvoranschlag in Höhe von 14.800 Schilling vor. Im Mittelpunkt standen erneut notwendige Reparaturen am Schulgebäude sowie die Instandsetzung der Dienstwohnung. Weitere Posten betrafen die Beschaffung von Heizmaterial, die Neueindeckung des Ziegeldachs an den Wirtschaftsgebäuden, ein neues Tor und ein Zaun entlang der Gassenfront sowie eine Schotterauflage für den Schulhof.

Zu Beginn des Schuljahres 1953/54 trat der 1929 in Pilgersdorf geborene Eduard Beck als provisorischer Schulleiter seinen Dienst an der Volksschule Oberrabnitz an. Er löste damit Schulleiter Stefan Pfneisl ab, der an die Hauptschule nach Lockenhaus wechselte. Im Protokoll vom 2. September 1953 wurde Eduard Beck die Übernahme der Schule sowie die Führung der Leitungsgeschäfte offiziell bestätigt.[61]

Sprengelarbeitsgemeinschaft Rabnitztal

In den folgenden Jahren hielt die bereits seit einiger Zeit bestehende Sprengelarbeitsgemeinschaft „Rabnitztal“ regelmäßig pädagogische Konferenzen ab. Mitglieder dieser Gemeinschaft waren: Volksschuldirektor Franz Wagner (Schwendgraben), Volksschuldirektor Alois Holzer (Karl), Volksschulleiter Eduard Beck (Oberrabnitz), Volksschulleiter Franz Baumgartner (Unterrabnitz), Volksschulleiter Josef Schütz (Hochstraß) sowie ab dem Jahr 1955 die provisorische Volksschulleiterin Rosina Fraller aus Oberrabnitz (Hausnummer 68), die nicht im Bild zu sehen ist.[62]

Abb. 13: Sprengelarbeitsgemeinschaft Rabnitztal von li. nach re. Alois Holzer; Eduard Beck; Franz Baumgartner; Franz Wagner; Gisela Beck; Josef Schütz; Quelle: Privatbesitz von Norbert Beck, Pilgersdorf

Die Beteiligten trafen einander abwechselnd in den jeweiligen Volksschulen, um verschiedene Themen – insbesondere solche, die die einklassigen Volksschulen betrafen – gemeinsam zu erörtern.

Es standen zahlreiche Themen auf der Tagesordnung, über die von den Beteiligten referiert wurde und die anschließend ausführlich diskutiert wurden. Dazu gehörten unter anderem: Gesanggestaltung in der einklassigen Schule, Lehrmittelausstattung der Volksschule, Heimatkundeunterricht von der 1. bis zur 3. Schulstufe, ästhetische Erziehung, leichtathletische Dreikämpfe, äußere Gestaltung der Schulen, Behandlung der Linkshänder, Unterrichtsmethoden in der Leibeserziehung, die immerwährende Neutralität der Republik Österreich, nervöse Störungen bei Schulkindern, Blockflöte, Zeitgeschichte und Gegenwartskunde, „Wirtschaft geht jeden an“, Satz- und Wortanalyse sowie die Gestaltung eines Elternabends.

„An die Ausführungen schloss eine erschöpfende Diskussion, an der alle Teilnehmer mit Interesse teilnahmen […]“,

wie es der Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Franz Wagner, im Protokoll festhielt.

Besonders hervorgehoben wurde von den Anwesenden die vorbildlich geführte Lehrmittelsammlung von Direktor Holzer in der Volksschule Karl, die aufgrund des Raummangels an den übrigen Schulen leider nicht in vergleichbarer Weise übersichtlich untergebracht werden konnte.

Uneinigkeit herrschte hingegen, als Volksschulleiter Eduard Beck das Thema – „Linkshänder – ihre Behandlung in der Schule“ zur Sprache brachte und seine Meinung dazu äußerte.

„[…] Schulneulinge dürfen auf keinen Fall gewaltsam zum Schreiben mit der rechten Hand gezwungen werden.“

Direktor Alois Holzer entgegnete,

„[…] dass ihm in seiner langjährigen Dienstzeit des Öfteren Linkshänder untergekommen sind. Es ist ihm bis jetzt – in kürzerer oder längerer Zeit – immer gelungen, diese eingeschulten Linkshänder durch fleißiges Üben zum Gebrauch der rechten Hand zu erziehen.“

Auch die musikalische Gestaltung des Gesangsunterrichts in der einklassigen Volksschule war wiederholt Thema der Konferenzen, insbesondere seit dem Erlass „Unterricht im Singen an Volksschulen“, der 1951 vom Bezirksschulinspektor herausgegeben wurde. Der Beschluss der Konferenz lautete:

„[…] der Musikreferent unseres Sprengels wird beauftragt, eine Auswahl von zwei- und dreistimmigen Liedern zu treffen, die bei gegebenen Anlässen, von den Kindern unseres Sprengels gemeinsam gesungen werden können. Das Jugendsingen 1951, wird für den 31. Mai in Unterrabnitz festgelegt.“

Franz Baumgartner, der Leiter der Volksschule Unterrabnitz, vertrat die Ansicht:

„[…] die Arbeit ist manchmal schwierig, aber nicht erfolglos. Wir werden dann Kinder heranbilden, die zwar keine Künstler und Opernsänger sind, aber vom Singen und von der Musik etwas verstehen.“ [63]

Herausforderung steigende Schülerzahl

Die Schulleiter waren verpflichtet, jährlich einen umfangreichen Bericht an die Schulabteilung der Bezirkshauptmannschaft Oberpullendorf zu übermitteln. Hinsichtlich der Förderung des Unterrichtserfolges hieß es darin:

„[…] es fehlen noch eine Reihe grundlegender Lehrmittel, auch Anschauungsmaterial ist in ungenügenden Masse vorhanden.“

Auch auf den Zustand des Schulgebäudes und dessen Einrichtung wurde immer wieder hingewiesen:

„[…] dringende Reparatur des Daches, Renovierung bzw. Erneuerung der Schornsteine, Herstellung einer Abflussrinne für Dachtropfen und Brunnen; Tafel und Lehrertisch seien in einem schlechten Zustand.“

In den Jahren 1953 bis 1959 wurde die einklassige Volksschule (Schulstufen 1 bis 8) im Durchschnitt von 26 Kindern besucht; im Jahr 1960 stieg die Schülerzahl bereits auf 37 und 1961 auf 40 an. Der Unterricht wurde von einem Lehrer – Eduard Beck mit 25 Wochenstunden –, einer Handarbeitslehrerin – Emma Stifter mit vier Wochenstunden – sowie einem Religionslehrer erteilt. Den Religionsunterricht erteilte bis 1958 Pfarrer Stefan Schmidt. Anschließend übernahm Pfarrer Georg Fennes diese Aufgabe, ebenfalls mit vier Wochenstunden.

Zur gezielten Förderung des Unterrichtserfolgs konnten in diesen Jahren immer wieder neue Lehrmittel und Ausstattungsgegenstände angeschafft werden. Dazu zählten unter anderem ein Relief des Bezirks Oberpullendorf, ein Kleinbildwerfer Wica III mit Diaglasbildern, eine Kulturkarte des Burgenlandes, eine neue Schultafel, eine Nähmaschine der Marke Rast & Gasser, ein Filmapparat Eumig PS 26, ein Lehrertisch mit Sessel, eine „russische“ Rechenmaschine mit Kugeln, ein Projektionstisch III samt Leinwand, die Bildserie Der Mensch sowie eine Werkzeuggarnitur für den Knabenhandarbeitsunterricht – um nur einige Beispiele zu nennen.

Abb. 14: Schuljahr 1961/62, 18 Buben, 22 Mädchen, Lehrer Eduard Beck; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Aufgrund der steigenden Schülerzahl begann das Schuljahr 1962/63 mit 42 Kindern im zweiklassigen Betrieb. Da nur ein Klassenraum zur Verfügung stand, wurden beide Klassen im sogenannten Wechselunterricht von Montag bis Samstag zwischen 7 und 17 bzw. 18 Uhr unterrichtet. Zur Unterstützung wurde die Aushilfslehrerin Rosemarie Bogner eingestellt. Die räumlichen und organisatorischen Bedingungen waren jedoch alles andere als zufriedenstellend, wie im Protokoll des Schuljahres festgehalten wurde:

„[…] obwohl die Gemeinde das Allernotwendigste für die Schule besorgt bleibt doch noch sehr viel zu wünschen übrig – an der meldenden Schule haben im abgelaufenen Schuljahr zwei Lehrkräfte in einem Klassenraum unterrichtet – die Zustande Bringung eines zweiten Klassenraumes gehört momentan zur dringendsten Aufgabe der Gemeinde – daneben wäre die Ausstattung des zu adaptierenden Raumes mit einer Tafel und einem Lehrertisch dringend erforderlich.“

Für das darauffolgende Schuljahr 1963/64, in dem bereits 45 Kinder die Schule besuchten, richtete die Gemeinde ein zweites Klassenzimmer in einem alten, nicht mehr bewohnten Gemeindehaus ein. Der Raum hatte eine Fläche von lediglich 30 m². Dort wurde die II. Klasse, bestehend aus den Schulstufen 4 bis 8, untergebracht und von Lehrer Herbert Leitner unterrichtet, der Rosemarie Bogner abgelöst hatte. Die Kritik an den unzureichenden räumlichen Verhältnissen verstummte jedoch nicht.

„[…] der Unterricht wurde in zwei Gebäuden erteilt die ungefähr 200m voneinander entfernt sind – die zweite Klasse (4.-8.Stufe) ist in der Wohnung des ehemaligen Gemeindedieners untergebracht – im gleichen Hause werden auch die beiden Gemeindestiere beherbergt – das ist ein Zustand der sich auf die Dauer nicht halten kann – im eigentlichen Schulgebäude in dem sich auch die Leiterwohnung befindet herrschen auch untragbare Zustände – die Wände sind triefnass die Wohnung ist sehr ungesund und man kann es einer Familie mit kleinen Kindern nicht zumuten hier noch länger zu wohnen. Es sind Freiluft-Klosettanlagen vorhanden, die sich in einem desolaten Zustand befinden. Durch den raschen Bau der Verbandsschule Oberrabnitz-Karl könnte dieses Übel beseitigt werden.“

In den beiden darauffolgenden Schuljahren blieben die unzureichenden Zustände bestehen. Die Kritik seitens der Schulleitung wurde zunehmend schärfer – auch mit dem Ziel, den Druck auf die beiden Gemeinden zu erhöhen, endlich den Bau der geplanten Gemeinschaftsschule Oberrabnitz-Karl zu beschließen.

Abb. 15: Schuljahr 1964/65, Schulstufe 1-3, Lehrer Eduard Beck; Quelle: Privatbesitz von Norbert Beck, Pilgersdorf

Mit 1. Jänner 1966 wurde Vertretungslehrer Herbert Leitner zum Präsenzdienst eingezogen. In der Folge wurde Heinz Hoffman der Volksschule Oberrabnitz bis zum Schulschluss desselben Jahres zugewiesen.

Mit Beginn des Schuljahres 1966/67 wurde beschlossen, die Kinder der Gemeinden Oberrabnitz und Karl gemeinsam nach Schulstufen zu unterrichten und auf die Volksschulen beider Ortschaften aufzuteilen. Die I. Klasse (Unterstufen 1 bis 3) wurde in der Volksschule Oberrabnitz von Eduard Beck unterrichtet, während die II. Klasse (Oberstufen 4 bis 8) in der Volksschule Karl unter der Leitung von Alois Holzer stand. Mit Ende des Jahres wurde Alois Holzer in den Ruhestand versetzt. Ihm folgten in der II. Klasse der Volksschule Karl im Schuljahr 1967/68 Hubert Mohl, im Schuljahr 1968/69 Franz Kummer und im ersten Halbjahr des Schuljahres 1969/70 Helmut Friedrich.

Abb. 16: Schuljahr 1968/69, Klassenzimmer VS_Oberrabnitz, Schulstufe 1-3, Lehrer Eduard Beck; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien
Abb. 17: Schuljahr 1968/69, Schulstufe 5-8, Klassenzimmer VS-Karl, Lehrer Franz Kummer; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Letzter Jahresbericht über die Volksschulen in den Gemeinden Oberrabnitz und Karl:

„Beide Schulgebäude – sowohl in Oberrabnitz als auch in Karl – sind an die 100 Jahre alt, weisen unzählbare Mängel auf und sind als Unterrichtsanstalten für heutige Verhältnisse unbrauchbar. Sämtliche Einrichtungsgegenstände entsprechen nicht mehr den Anforderungen der Schule. Oberrabnitz ist seit dem Jahre 1965, Karl seit dem Jahre 1968 dem Wasserverband Lockenhaus angeschlossen. In Klassenraum Oberrabnitz befindet sich eine Waschmuschel. Im Schulgebäude von Karl ist auf dem Gang ein Abflusshahn. Es sind Freiluft-Klosettanlagen vorhanden, die sich in einem desolaten Zustand befinden. Im Hinblick auf die Errichtung der neuen gemeinsamen Schule wurde mit der Gemeindeverwaltung von Oberrabnitz und Karl vereinbart, bis zur Fertigstellung des Baues keine zusätzlichen Lehrmittel und Einrichtungsgegenstände anzuschaffen. In den kommenden Monaten Juli, August, September und Oktober dieses Jahres müssten alle Anstrengungen unternommen werden, damit endlich zu Beginn der Heizperiode 1969/70 das neue Schulgebäude in Verwendung genommen werden kann.“ [64]

Bau der VS Oberrabnitz-Karl 1967

Im Oktober 1965 erwarben die Gemeinden Oberrabnitz und Karl zu gleichen Teilen mehrere Parzellen in der Bachstatt – einer Flur im Ortsteil Oberrabnitz, gelegen zwischen beiden Ortschaften – als Baugrund für die gemeinschaftliche Volksschule. Im Dezember 1966 lagen die Pläne und Kostenvoranschläge für den Neubau vor, und im Juli 1967 begannen die ersten Bauarbeiten.

Abb. 18: Baustelle der neuen Volksschule Oberrabnitz-Karl; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Gegen Ende des Jahres 1969 war die neue Gemeinschaftsschule Oberrabnitz-Karl bezugsfertig, wie im Schulbericht dokumentiert wurde.

„[…] Am 15. Dezember 1969 wurde die neue gemeinsame Volksschule Oberrabnitz-Karl in Betrieb genommen. Die Schule verfügte über zwei Klassenzimmer mit 62m2 und 50m2, einem Konferenz- und Leermittelzimmer, sowie einen Turnsaal, Spielplatz, Schulhof und Schulgarten – jeweils in ausreichender Größe. In jeder Klasse und in jedem WC Raum befindet sich eine Waschmuschel. Außerdem ist die Schule mit einen Duschraum (fünf Brausen) ausgestattet. Die komplette Einrichtung wurde neu angeschafft.“

Mit Beginn des zweiten Halbjahres 1969/70 konnten die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 3) der Volksschule Oberrabnitz und die II. Klasse (Schulstufen 4 bis 8) der Volksschule Karl – insgesamt 53 Kinder – in die neu errichtete gemeinsame Volksschule Oberrabnitz-Karl übersiedeln. Die I. Klasse wurde von Schulleiter Eduard Beck mit 23 Wochenstunden unterrichtet, die II. Klasse von Klassenlehrer Helmut Friedrich mit 25 Wochenstunden. Alle Abgängerinnen und Abgänger der 4. Schulstufe wechselten anschließend entweder in eine Hauptschule oder ein Gymnasium. Mit dem Schuljahr 1971/72 endeten die Oberstufen (Stufen 5 bis 8), von da an umfasste die Volksschule nur mehr die Schulstufen 1 bis 4.

Die Schulleitung äußerte sich durchwegs positiv über die neue Schule.

„[…] wenn die Außenanlagen um das Schulgebäude und um das Wohnhaus – an denen zurzeit gearbeitet wird – bis zum Schulbeginn 1970/71 fertiggestellt sind, bleibt kein Wunsch mehr offen.“

Mit diesem Satz beendete der Leiter der Schule Eduard Beck seinen Jahresbericht vom 9. Juli 1970.[65]

Chorgesang

Mit großer Hingabe widmete sich Volksschuldirektor Eduard Beck dem Fach Chorgesang. Mit einem Auswahlchor der Volksschule Oberrabnitz-Karl nahm er im Rahmen des Österreichischen Jugendsingens am Bezirkssingen teil – am 10. Mai 1965 in Lockenhaus sowie am 8. Mai 1968, am 7. Mai 1971 und am 27. April 1977 in Mannersdorf an der Rabnitz.

Abb. 19: Bezirkssingen am 7. Mai 1971 in Mannersdorf a.d.R.; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
Abb. 20: Gruppe vor der Abfahrt zum Bezirkssingen am 7. Mai 1971; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Auch bei örtlichen Veranstaltungen und kirchlichen Festen bot sich dem Chor immer wieder die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen.[66]

Stetig sinkende Schülerzahl

Die stetig sinkenden Schülerzahlen Mitte der 1970er-Jahre, bedingt durch das Fehlen der Oberstufen und die rückläufigen Geburtsraten, führten bei Schuldirektor Eduard Beck zu wachsender Sorge. Er beendete seine Jahresberichte immer wieder mit dem Satz

„Möge diese wunderbare Schule noch viele Jahre ihre Eigenständigkeit behalten.[67]

Abb. 21: Schuljahr 1976/77, Schulstufe 1-4, Klassenzimmer VS-Karl, Lehrer Eduard Beck; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Im Januar 1979 musste Volksschuldirektor Eduard Beck nach einem schweren Unfall, der eine Querschnittlähmung zur Folge hatte, den Schuldienst aufgeben. Bis zum Ende des Schuljahres übernahm Maria Supper die Leitung der Volksschule.

(Beitrag wird noch vervollständigt!)

Schuljahr 1978/79 mit 29 Kinder – Die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 4) wurde vom 08.01.1979 bis 29.06.1979 von Maria Supper geb. Schlögl unterrichtet.

Schuljahr 1979/80 mit 35 Kinder – Die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 4) wurde von Josef L. aus Unterrabnitz unterrichtet.

Schuljahr 1980/81 bis zum Schuljahr 1983/84 wurde die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 2) von Gertrude P. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Josef L. unterrichtet.

Schuljahr 1984/85 wurde die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 2) von ? und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Annemarie R. unterrichtet.

Schuljahr 1985/86 mit 27 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 2) von Theresia F. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Annemarie R. unterrichtet.

Schuljahr 1986/87 mit 21 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufen 1 bis 2) von Theresia F. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Emmerich R. unterrichtet.

Schuljahr 1987/88 mit 17 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufen 2 bis 2) von Annemarie R. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Emmerich R. unterrichtet.

Schuljahr 1988/89 mit 20 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufe 1) von Annemarie R. und die II. Klasse (Schulstufen 2 bis 4) von Theresia F. unterrichtet.

Schuljahr 1989/90 mit 18 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 2) von Annemarie R. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Theresia F. unterrichtet.

Schuljahr 1990/91 mit 22 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 2) von Annemarie R. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Gerda D. unterrichtet.

Schuljahr 1991/92 mit 20 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 2) von Annemarie R. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Theresia F. unterrichtet.

Schuljahr 1992/93 bis Schuljahr 1997/98 wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 4) von Annemarie R. unterrichtet.

Schuljahr 1998/99 mit 25 Kindern wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 2) von Elisabeth Sch. und die II. Klasse (Schulstufen 3 bis 4) von Annemarie R. unterrichtet.

Schuljahr 1999/00 bis Schuljahr 2005/06 wurde die I. Klasse (Schulstufe 1 bis 4) von Annemarie R. unterrichtet.

Unterrichtet wurden im Schuljahr 2004/05  15 Kinder und im Schuljahr 2005/06 14 Kinder.

Mit Ende Schuljahr 2005/06 wurde die Schule mangels genügend Schüler geschlossen.[68]

Anmerkungen

[1] Paul, Hans: Die Volksschule in Westungarn, Historische Entwicklung, In: Burgenländische Forschung, Heft 74, Die Volksschule im burgenländisch-westungarischen Raum 1849-1860, Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.), Eisenstadt: 1991, S 5 f.
[2] Vgl. ebd. S 7 f.
[3] Kunnert, Heinrich: Im Ungarischen Nationalstaat, In: Burgenland Landeskunde, Burgenländische Landesregierung (Hrsg.), Wien: 1951, S. 334 f.
[4] Buzas, Josef: Archidiakonat Lutzmannsburg 1674, In: Burgenländische Forschung, Heft 54, Kanonische Visitation der Diözese Raab aus dem 17Jh III. Teil, Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.), Eisenstadt: 1968, S. 157.
[5] Vgl. ebd. S. 329
[6] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[7] BLA, MF492 P150
[8] Pfarre Oberrabnitz, Pfarrmatriken 1772-1920
[9] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[10] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[11] BLA, MF297 P112
[12] A Győri Egyházmegyei Levéltár kiadványai, Iskolai Levéltár,
[13] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[14] BLA, I/K 1830/1857
[15] BLA, I/K 1830/1857
[16] A Győri Egyházmegyei Levéltár kiadványai, Iskolai Levéltár,
[17] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[18] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[19] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[20] BLA, I/K 1830/1857
[21] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[22] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[23] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[24] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[25] BLA, MF150 P108
[26] EPA, DD, 1860, 4503
[27] EPA,
[28] BLA, MF150 P108
[29] A Győri Egyházmegyei Levéltár kiadványai, Iskolai Levéltár,
[30] EPA, Prot. 3805 (Urbarial 1872)
[31] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[32] Troppauer Zeitung Oktober 1877
[33] Troppauer Zeitung Oktober 1877
[34] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[35] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[36] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[37] A Győri Egyházmegyei Levéltár kiadványai, Iskolai Levéltár,
[38] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[39] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[40] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[41] Wiesinger, Josef: Ein Dorfschullehrer erzählt aus seinem Leben, Nachlass, Pilgersdorf 1992
[42] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[43] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[44] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[45] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[46] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[47] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[48] Österreichische Nationalbibliothek, blf, 19700625
[49] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[50] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[51] Wiesinger, Josef: Ein Dorfschullehrer erzählt aus seinem Leben, Nachlass, Pilgersdorf 1992
[52] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[53] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[54] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[55] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[56] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[57] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[58] Ehemaliger Schüler, Kogler Gorrfried
[59] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[60] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[61] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[62] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[63] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[64] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[65] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[66] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[67] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien
[68] PA Fraller, Oberrabnitz, Schularchivalien

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