Geschichte
Landwirtschaft
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Noch lange Zeit nach der Bauernbefreiung von 1848 spielte die Landwirtschaft die überragende Rolle in unserem Dorf. Sie war nur auf Selbstversorgung ausgerichtet und es konnte gerade so viel produziert werden, wie man für das tägliche Leben benötigte. Mit den vorhandenen Techniken konnte dem Grund und Boden nur das Allernotwendigste abgerungen werden.
Die Feldarbeit war weit beschwerlicher als heute. Einfache Werkzeuge, wie Pflug und Egge, Sichel, Sense, Dreschflegel u. s. w. waren die einzigen Arbeitshilfen.
Einnahmequellen waren bis auf ganz wenige Ausnahmen so gut wie nicht vorhanden. Lediglich Eier, Butter oder ein Stück Vieh, das verkauft wurde, und hie und da brachte die Holzarbeit etwas Bargeld ins Haus. Im Anbau und in der Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte musste man vielfältig sein. Neben den Feldfrüchten Getreide, Weizen, Gerste und Hafer wurden Kartoffeln, Rüben, Mais, Mohn und Gemüse angebaut, so wie auch Flachs für die Leinwandgewinnung. Schaf- und Ziegenzucht waren allgemein, ebenso Schweine- und Bienenzucht. Jeder Bauer benötigte Rinder als Zugtiere die zugleich auch willkommene Lieferanten von Milch waren.
Aus der Milch wurden Rahm, Topfen, Butter und Käse hergestellt. Sogar Essig und Öl wurden in manchen Häusern aus eigenen Produkten gewonnen.
Die verschiedenen Obstsorten, die in unserer Gegend gediehen, waren einerseits die nötigen Vitaminlieferanten, andererseits konnte ein Teil des Obstes auch gedörrt werden und auf diese Weise für den Winter haltbar gemacht werden. Mit dem Obst wurden auch Getränke wie Most, Schnaps oder Holundersaft für besondere Anlässe hergestellt.
Einmal im Jahr, selten auch zweimal, konnte eine Bauernfamilie aus ihrer eigenen Mastung auch ein Schwein schlachten. Da Kühltruhen fehlten, wurde ein Teil des Fleisches von der Hausschlachtung in Gläsern eingedünstet oder in der Dese in Schmalz eingelegt. Der andere Teil wurde zusammen mit selbsthergestellten Würsten, Blunzen und Speck geselcht und so haltbar gemacht.
Stroh, heute schon fast ein Abfallprodukt, hatte damals mannigfache Verwendung. Häuser wurden damit gedeckt, auf Strohsäcken schlief man, Backsimperl und Bienenkörbe wurden daraus gefertigt und auch als Streu im Stall war es unverzichtbar. [1]
Ackerbau
Der Ackerbau konzentrierte sich größtenteils auf die Getreideproduktion und zwar wurde bei uns hier Brotgetreide und Futtergetreide gebaut, wobei Weizen und Hafer als Hauptgetreidearten galten. In der Erntezeit begann man zuerst mit dem Abmähen von Roggen und Weizen, dann folgte die Gerste und mit Abstand danach der Hafer. [2]
Anbauarbeiten bis Ende des 19. Jahrhunderts
Bis ins 18. Jahrhundert wurde der Boden in unserem Gebiet im Rahmen der Dreifelderwirtschaft bebaut. Dabei wurde das landwirtschaftlich nutzbare Ackerland unter Berücksichtigung von Lage und Bodengüte in drei große Riede, sogenannte Gewanne, eingeteilt. In jedem dieser Gewanne erhielt jeder Bauer eine Parzelle; die Bewirtschaftung erfolgte nach einer gemeinsamen Anbauvereinbarung.
In einem Ried wurde Wintergetreide angebaut, darunter Weizen, Roggen sowie das Halbtraid – eine Mischung aus beiden. Im anderen wurde Sommergetreide kultiviert, etwa Gerste, Hafer, Hirse und Buchweizen. Zudem baute man auch Flachs und Hanf zur Herstellung von Stoffen und Leinen an.
Das dritte Gewann blieb brach, und diente zugleich als gemeinsame Viehweide. Die jährliche Wechselfolge, für die Flurzwang bestand, garantierte dadurch die Erholung des Bodens und die natürliche Düngung durch das Weidevieh. [3]
Danach kamen auch Hackfrüchte hinzu, wobei sich insbesondere die Erdäpfel gegenüber Rüben und Mais stark verbreiteten. Der Ernteertrag betrug im Durchschnitt das Zwei- bis Zweieinhalbfache, höchstens jedoch das Dreifache des Saatgutes, und stieg in der Folgezeit auf das Vier- bis Fünffache. [4]
In den Aufzeichnungen der Herrschaft Landsee aus dem Jahr 1554, 1559 und 1560 erfahren wir, dass in Oberrabnitz sechs Getreidearten angebaut wurden. Dazu angeführt wird auch die Zehent Abgabe in Schober und Garbe der jeweiligen Sorte, die die Bauern an die Herrschaft abliefern musste. Ein Schober wurde mit 18 Garben gerechnet – für Schober gilt auch die Bezeichnung Mandel oder Häufel. Der durchschnittliche Ertrag bei Getreide nach einem Schober kann mit 0,49 Metzen gerechnet werden In der entsprechenden Zeit war im westungarischen Bereich der Günser Metzen zu 83,2 Liter verbreitet.
1554: Weizen – 16 Schober / 10 Garben, Halbkorn – 10 Schober, Roggen – 37 Schober / 5 Garben, Gerste – 2 Schober / 2 Garben, Hafer – 39 Schober / 7 Garben.
1559: Weizen – 12/16, Halbkorn – 3/16, Roggen – 12/4, Gerste – 3/7, Hafer – 41/11.
1560: Weizen – 23/10, Halbkorn – 4/0, Roggen – 31/12, Gerste – 0/5, Hafer – 34/0.
Über die Hirse gibt es keine Angabe, da diese Summarisch für die ganze Herrschaft angegeben wurde. Der vermehrte Haferanbau gegenüber der Gerste als Futtergetreide wird wegen den hohen Pferdebestand in den Kriegszeiten begründet. Die in Schober zusammengetragene Getreideernte wurde in den Wintermonaten nicht immer restlos ausgedroschen sondern ein Teil davon wurde für schlechtere Zeiten in der Tenne gelagert. [5]
In den Jahren 1617 und 1618 ist die Produktion an Gerste und Hafer zurückgegangen, hingegen nahm der Roggen stark zu und Weizen ist in etwa gleich geblieben. Halbkorn wurde nur mehr in sehr geringen Mengen angebaut. Der Rückgang der Haferproduktion könnte auf die eingetreten Friedenszeit (1605 Friedensvertrag Zsitvatorok – Türkenkrieg zwischen dem Habsburgerreich und dem Osmanischen Reich.) zurückzuführen sein.
Aus dem Jahr 1634 (18. August) liegt uns der Getreidezehent von Oberrabnitz vor, wobei der Ertrag vom Hafer hier fehlt, da er zu dem Zeitpunkt noch nicht gemäht war: Weizen – 10 Schober /16 Garben, Halbkorn – 25 Schober / 7 Garben, Korn – 36 Schober / 4 Garben, Gerste – 8 Garben. [6]
Kraut und Rüben sowie Hanf wurden seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nachweislich angebaut, zunächst jedoch nur vereinzelt erwähnt. Die für die zweite Hälfte des 18. und die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts vorliegenden Daten zeigen, dass das Brotgetreide im Jahr 1778 beziehungsweise 1845 weiterhin führend im Getreideanbau war. Allerdings stand hier beim Verringern der Anbaumengen das Korn mit 150 Preßburger Metzen im Jahr 1778 beziehungsweise mit 40 Metzen im Jahr 1845 an erster Stelle, gefolgt vom Weizen mit 75 beziehungsweise 19 Metzen.
Die Produktion von Gerste und Hafer war demgegenüber vergleichsweise unbedeutend. Vom Hafer wurden im Jahr 1778 immerhin 50 Preßburger Metzen und 1845 noch 19 Metzen geerntet; für die Gerste liegen hingegen keine entsprechenden Angaben vor. Bemerkenswert ist schließlich die Entwicklung des Kartoffelanbaus: Während dieser im Jahr 1778 noch nicht verzeichnet ist, übertraf er 1845 mit einer Erntemenge von 351 Preßburger Metzen sogar die beiden wichtigsten Brotgetreidearten Korn und Weizen. [7]
Bei der Bewirtschaftung von Grund und Boden wurde der Mensch ausschließlich von der Tierkraft unterstütz. In einer Verlassenschaft Abhandlung aus dem Jahr 1779 ist zu entnehmen, dass die bäuerliche Gerätschaft aus einem Wagen, Pflug und Egge bestand und als Zugtier ein Paar Ochsen zum Einsatz kam. [8]
Die Viehstandstabelle vom 31. Oktober 1857 weist einen Stand von 78 Kühen, 95 Ochsen, 50 Kälber, 68 Schafe, 18 Ziegen, 128 Schweine, 7 Wallachen und 2 Fohlen aus. Auf das Alter der Tiere wurde dabei nicht Rücksicht genommen. [9]
Die Landwirtschaftsstatistik von 1895 liefert detaillierte Angaben zur Agrarstruktur und insbesondere zur Bodennutzung. Von den insgesamt 1.497 Katastraljoch des Gemeindehotters entfielen 660 Joch auf Ackerland, 13 Joch auf Gärten, 77 Joch auf Wiesen, 66 Joch auf Hutweiden sowie 633 Joch auf Waldungen. Weitere 48 Joch wurden landwirtschaftlich nicht genutzt und galten somit als unproduktive Flächen.
Die Zahlen verdeutlichen die weiterhin dominante Stellung des Ackerbaus, zugleich aber auch die große Bedeutung der Waldflächen, die mehr als zwei Fünftel des gesamten Hotters einnahmen.
Die Bauernwirtschaften waren im Durchschnitt 4,5 Joch Acker groß. Die Zersplitterung und damit in Verbindung die Verkleinerung des bäuerlichen Besitzes erreichte ihren Höhepunkt. [10]
Die Landwirtschaftsstatistik von 1895 gibt darüber hinaus Einblick in die Arbeitsweise der bäuerlichen Betriebe. Die Feldarbeiten im Dorf wurden mit fünf einspännigen und drei zweispännigen Pferdegespannen, vier zweispännigen Ochsengespannen sowie insgesamt fünfzig zweispännigen Kuhgespannen verrichtet, was die weiterhin große Bedeutung der Rinder als Zugtiere erkennen lässt.
Der Viehbestand umfasste insgesamt 286 Rinder, darunter 130 Tiere unter vier Jahren, ferner 23 Pferde, von denen 12 jünger als vier Jahre waren, sieben Ziegen, 226 Schweine und vier Schafe. Darüber hinaus wurden 1.103 Stück Geflügel sowie 39 Bienenstöcke gezählt.
Aus derselben Quelle erfahren wir auch Näheres über den Obstbau. Insgesamt wurden 1.556 Obstbäume von elf verschiedenen Arten verzeichnet. Den größten Anteil bildeten mit 640 Bäumen die Zwetschken, gefolgt von 399 Apfelbäumen und 287 Birnbäumen. Weiteres wurden 163 Kirschbäume, 33 Nussbäume und 11 Weichselbäume gezählt. Darüber hinaus gab es 10 Marillenbäume, 2 Kastanienbäume sowie 11 Maulbeerbäume.
Die insgesamt 633 Joch umfassenden Waldungen befanden sich im Besitz der Esterházyschen Verwaltung. [11]
Mit der Grundentlastung von 1848 wurden die Bauern zu rechtmäßigen Eigentümern der von ihnen bewirtschafteten Flächen. Da bedeutende industrielle Erwerbsmöglichkeiten weitgehend fehlten, blieb die Landwirtschaft für einen Großteil der Bevölkerung die wichtigste Existenzgrundlage. Dies führte dazu, dass landwirtschaftliche Grundstücke im Zuge von Erbteilungen unter den Kindern aufgeteilt wurden.
Durch diese Realteilung entstanden zahlreiche schmale und langgestreckte Parzellen, sogenannte Riemenparzellen, wodurch die ohnehin klein strukturierten Wirtschaften zunehmend zerstückelt wurden und sich eine Vielzahl von Kleinstbetrieben herausbildete. Für viele bäuerliche Familien war damit eine ausreichende Existenzsicherung nicht mehr gewährleistet. Auch die teilweise Abwanderung der Bevölkerung vermochte diese Entwicklung nicht wesentlich zu entschärfen, sodass der Landhunger innerhalb der Agrarbevölkerung weiter zunahm.
In der Zwischenkriegszeit blieb die Landwirtschaft im Burgenland der dominierende Wirtschaftssektor, der jedoch weiterhin von strukturellen Problemen wie der Zersplitterung des Grundbesitzes und der Überbevölkerung des ländlichen Raumes geprägt war. [12]
Schnitt
Der Getreideschnitt wurde ursprünglich mit einer einfachen Sichel durchgeführt. Dabei wurden die Halme mit dieser abgehackt und niedergelegt. Diese Schnittersicheln waren etwas größer als die Grassicheln und es gab auch welche mit Zähne an der Schneidseite. [13]
Im Lauf der Entwicklung der bäuerlichen Geräte wurde die Sichel von der Sense abgelöst. Die einfache Sense war aus Holz mit einem Stiel, zwei Griffe und einem Stahlmesser. Die beiden rundgeformten Griffe – „langes und kurzes Mindl“ wie sie genannt wurden, waren eigentlich organisch aus dem kantigen Ansatzbrett gewachsen. [14]
Die älteste Sense mit der man das Getreide zu mähen begann, war eine Grassense, die zu einer Fruchtsense umgestaltet wurde. Dabei wurde ein Holzbogen mit leiterartigen Verstrebungen angebracht – auch „Gramperl“ genannt, mit dem die geschnittenen Fruchthalme zur Seite geworfen wurden. [15]
Nach dem zweiten Weltkrieg kam eine andere Art der Fruchtsense, das „Waderl“, bei der rechtwinkelig zum Sensenblatt ein Haselstab herumgebogen und mit Leinwand oder Drahtgeflecht bespannt wurde. Mit dem „Waderl“ konnte umgefallene oder geknickte Frucht sowie auch der Buchweizen, der meistens etwas kürzer blieb, vorteilhafter gemäht werden.
Eine weitere, in der Anwendung sehr verbreitete Sense war der „Sengstrechl“ oder auch „Krampn“ genannt. Bei dieser Fruchtsense war ein Rechen mit langen, zugespitzten Holzstäben angebracht, die gleichlaufend und gleich lang wie das Sensenblatt waren. Dadurch wurden beim Mähen die geschnitten Getreidehalme stets ordentlich auf die linke Seite geschlagen. Damit beim Mähen keine Körner aus den Ähren fielen, durfte das Getreide nicht überreif sein. [16]
Auch wenn die Sichel in ihrer Funktion von der Sense abgelöst wurde, war sie nach wie vor ein wichtiges Werkzeug bei der Feldarbeit. Den hinter dem Schnitter, der in der Regel ein Mann war, musste ein Mädchen oder eine Frau die von der Fruchtsense nach links geworfenen Getreidehalme aufklauben und in „Wellen“ – Schüppeln – schütter auseinanderlegen. Bei diesem Aufklauben der Getreidehalme leistete die Sichel der sogenannten „Aufklauberin“ gute Dienste. Diese brauchte dadurch nicht mit der bloßen Hand durch die scharfstehende Distel fahren. [17]
Vor jedem Getreideschnitt mussten die Sichel und auch die Sense mit dem Dengelhammer auf dem Dengelstuhl gedengelt – also scharfgehämmert werden. Der Dengelstuhl war ein dreibeiniger Schemel mit einem auf der Vorderseite erhöhten angebrachten Dengelstock aus Eisen. Gedengelt wurde in der Regel am Vortag vor den Mähen und zwar im Hof oder in der „Schupfn“ (Schuppen). Um eine gute „Schneid“ der Sichel und Sense zu erhalten, mussten sie während der Mäharbeit öfters mit dem „Wetzstein“ geschärft, also „gewetzt“ werden. Dazu band sich der Bauer mit einer Schnur den „Kumpf“ (Wetzsteinbehälter) mit etwas Wasser gefüllt um die Hüfte damit er den Wetzstein immer bei der Hand hatte. Der Kumpf war anfangs aus Rinderhorn oder aus Holz gedrechselt und wurde später dann auch aus Blech gefertigt. [18]
Ende der 1950iger Jahre folgte auf Sichel und Sense der motorisierte Balkenmäher, bei dem die Schneidevorrichtung auf einen Balken angebracht war. Das Getreide wurde hier im Scherenprinzip durch auswechselbare dreiecksförmige Messerklingen, die sich oszillierend in einer Schiene bewegten, geschnitten. Eine zweite Person musste dabei mit einem Rechen die geschnittenen Halme zur Seite wegschieben. [19]
Der Zeitpunkt der Getreideernte wurde nach dem Reifegrad der Körner bestimmt. Dazu begutachtete der Bauer die Ähren von jedem Getreidefeld und verglich sie untereinander auf ihre Vollreife. Je nach Witterung und Reife der Körner begann der Schnitt in der Regel Mitte Juli und konnte auch manchmal bis Ende August andauern.
Als erstes wurde das „Troad“ (Korn) geschnitten, dann folgte der Weizen, Gerste und Hafer. Dabei wurden die geschnitten Halme, unabhängig von der Mähmetode, in Wellen auf dem Felde aufgelegt und blieben solange liegen, bis sie ganz dürr und trocken waren. Denn das feuchte Getreide erschwerte ihre weitere Verarbeitung in der Tenne und barg obendrein noch die Gefahr einer Selbstzündung. Bei regnerischem Wetter mussten die Wellen sooft ,,umdraht“ (gewendet) werden, bis sie vollständig trocken waren, damit sie zu Garben gebunden werden konnten. [20]
Zum Binden der Garben verwendete man „Bandln“ aus „Troadstroh“, die man bei Schlechtwetter herstellte. Dazu wurden zwei Schüppel Stroh fest zusammengedreht und in der Mitte durch einen Knoten verbunden. Vor dem „Bindengehn“ hat man sie noch mit Wasser genetzt damit sie weicher wurden und leichter um die Garben gewunden werden konnten. [21]
Vom Gabenbinder wurden im Durchschnitt sechs Wellen zu einer Garbe auf einem „Strohbandl“ zusammengelegt und deren Enden ein paarmal verdreht. Danach steckte er den Knebel – „Knewl“, ein runder nach vorne gespitzten Holzstab, durch das Strohband und straffte dieses durch zwei bis dreimal herumdrehen. [22]
Aus Platzmangel in der Tenne ließ man das „Troad“ länger am Felde und führte die anderen Getreidearten früher ein. Dazu wurden am Ackerrain die Garben zusammengestellt, weil gleich nach der Ernte umgeackert und Buchweizen und Rüben angebaut wurden. Die anderen Getreidegarben wurden kreuzweise am Boden aufgelegt und baldigst mit dem Leiterwagen heimgeführt. [23]
Das Abrechen – „Orecha“, der nach den Garbenbinden liegengebliebenen Halme wurde mit einem Holzrechen gemacht, der eine besonders lange Rechenbank mit vielen Zähnen hatte. Mit diesem großen Rechen konnte man das ganze Stoppelfeld verhältnismäßig schnell zusammenrechen. Die dadurch entstanden Strohhaufen wurden den Hühnern als Futter – „Hiahnafuida“ vorgeworfen. [24]
Als weitere Technisierung in der Getreideernte kam der Mähbinder zum Einsatz, der sowohl das Mähen des Getreides sowie das Bündeln und Binden der Garben übernahm. Der Antrieb des Mähbinders erfolgte durch ein Rad am Fahrwerk mit einem besonders griffigen Eisenprofil. Die Zugkraft wurde zuerst von Kühen und später dann von einem Traktor aufgebracht. Über ein Haspel wurde das Getreide in den Mähbalken gedrückt um nach dem Schnitt geordnet auf einen Transportteppich abgelegt zu werden. Durch eine Mechanik wurden die Halme gebündelt, mit einer Schnur zu Garben gebunden und auf dem Feld abgelegt. [25]
Beim Einbringen der Ernte hob der Bauer die Garben mit einer zweizinkigen Gabel aus Eisen mit langen Stiel auf den Leiterwagen wo sie von einer weiteren Person „gfoßt“ (geschlichtet) wurden. Die Garben wurden bis zur Leiterhöhe mit den Halmenden vorne und rückwärts nach außen und mit den Ähren zur Wagenmitte reihenweise aufgelegt. Über den Leitern kamen die Garben links und rechts mit den Halmenden nach außen zu liegen. Je nachdem wie beschwerlich bzw. abschüssig die Felder und Wege waren, wurden zumeist drei bis vier Schichten übereinander gelegt. Mit dem „Wiesbam“, eine ca. 5m lange Holzstange, wurde die Fuhr noch vor der Heimfahrt mit Ketten und Seil niedergespannt. [26]
Gedroschen wurde in der Regel in der Tenne wo man vor dem Drusch noch den lehmgestampften Boden glättete. Das älteste Gerät für das Dreschen war der „Drischl“ – Dreschflegel, ein Handgerät zum Herausklopfen oder Ausdreschen von Körnerfrüchten. Der „Drischl“ bestand aus zwei Teilen: dem Handstock oder Stiel und dem Flegel oder Schlegel (Klöppel). Der Stiel war meist aus Hartholz und musste ganz glatt sein, damit er in der Hand leichter rutschte. Der Flegel war durch Lederbänder am Stiel beweglich befestigt und mit Eisenringen versehen, die die Festigkeit erhöhten. [27]
Zum Dreschen wurden Teile von den Getreidegarben in zwei Reihen so aufgelegt, dass die Ähren zueinander schauten. In den Zeiten wo man noch Deckstroh für die Dächer oder Stroh zum Korbflechten benötigte, musste darauf geachtet werden, dass man mit dem Drischl hauptsächlich auf die Ähren schlug und das Stroh dabei unverletzt blieb. [28]
Das dreschen mit dem „Drischl“ wurde später von einer handbetriebenen Stiften Dreschmaschine abgelöst. Auf einer drehbaren Trommel und auf deren Deckel waren Eisenstiften angebracht, die durch die Drehbewegung die Körner aus den Ähren streiften. Angetrieben wurde sie von „Treibern“ für die entsprechen Kurbeln angebracht waren. Ein „Einleger“ fütterte die losen Garben in die Maschine. Das Stroh, Spreu und Getreidekörner wurden an der Vorderseite, durcheinandergemischt, auf den Tennenboden ausgeworfen. Wenn man den Deckel mit den Eisenstiften aufklappte und die Öffnung mit einem passenden Brett abdeckt, wurden viele Halme des durchlaufenden Getreides nicht gequetscht und es konnte somit, wenn notwendig, auch Deckstroh gewonnen werden. [29]
Eine wesentliche Erleichterung beim Dreschvorgang brachte der Antrieb der Maschine über einen Göpel. Dieser bestand aus einer Gusseisernen Zahnradübersetzung war mit einer auf dem Boden liegende Welle (Göpelstange) mit Dreschmaschine verbunden und wurde über eine Deichsel von in Kreis gehenden Zugtieren in Drehbewegung gesetzt. Als Zugtier wurden meistens Kühe eingesetzt, die von Kinder angetrieben und beaufsichtigt wurden. Man benötigte dafür keine eigene Dreschmaschine, sondern die zuvor handbetriebene konnte dabei so umgebaut werden, dass sie an einen Göpel angeschlossen werden konnte. [30]
Sowohl beim Dreschen mit den „Drischl“ als auch mit der Dreschmaschine wurde das ausgedroschene Stroh mit einer Heugabel durchgebeutelt und beiseite geschafft. Je nach verfügbaren Platz wurde es entweder zuerst im Garten vor der Tenne geschobert oder gleich auf das „Grist“, einem Bretterboden über der Tenne oder auch auf dem Stalldachboden gelagert. [31]
Das am Tennenboden liegengeblieben Material wurden mit der „Ähnreita“, ein aus gespaltenen Haselnussruten geflochtenes Sieb, geschüttelt und geschwungen, so dass die Körner und Spreu durch das grobe Sieb gefallen sind. [32]
Zu den frühesten und bemerkenswertesten technischen Fortschritt zählte die Getreidewinde. Sie war älter als die Dreschmaschine und für die Arbeitserleichterung auf dem Bauernhof nicht mehr wegzudenken. Mit einer Getreidereinigungs- oder Putzmaschine – „Windmühl oder Windn“ wie man sie auch nannte, wurden dann die Getreidekörner von der Spreu getrennt. Mit einer Kurbel wurde über Antriebsräder das Windrad in einer geschlossenen Holztrommel in eine schnell rotierende Bewegung versetzt. Das über die „Aufschütt“ eingebrachte Material gerät dabei in den durch das Windrad erzeugten Luftstrom. Während die schweren Körner dabei durch eine Reite nach unten fallen und über ein Rutschbrett auf den Boden gleiten, wird die leichtere Spreu vom Luftstrom etwas mitgetragen und fällt dann auf eine etwas weiter hinten angebrachte Querrinne und rutscht von dieser als Abfall in einen darunter gestellten Strohkorb. [33]
Eine weitere Erleichterung beim Dreschen brachte die Anschaffung einer Dreschgarnitur mit Sackfüllern. In dieser Garnitur wurden alle erforderlichen Vorgänge vereint. Dabei wurden die reinen Getreidekörner seitlich in Säcke abgefüllt , dass lose Stroh wurde an der hinteren Öffnung der Garnitur ausgestoßen und die Ahm wurde über eine Rohrleitung in die an der Rückseite der Tenne angebaute „Ahmkammer“ eingeblasen. Später wurde dann noch eine Strohpresse mit Bindevorrichtung angeschafft, die man an die Dreschgarnitur hinten anreihte und antriebsmäßig über einen Riemen an die Dreschgarnitur hängte. [34]
Während die Dreschgarnitur nach wie vor in Verwendung blieb, änderte sich aber deren Antriebstechnik. Zuerst wurde der Göpel durch einen Benzin Antriebsmotor und später durch einen Elektromotor ersetzt. [35]
Gegen Ende der 1960iger Jahre kamen die ersten Mähdrescher nach Oberrabnitz. Einer der großen war die Familie Rasner aus dem Ort Stang im benachbarten Niederösterreich. [36]
Schon der Mähbinder, der in einem Arbeitsgang das Getreide mähen und in Garben ablegen konnte, hat die Mäharbeit bei der Getreideernte wesentlich erleichtert. Der Mähdrescher hat indessen Mahder, Sichel und Sensen endgültig vom Getreidefeld verdrängt, denn mit diesem motorisierten Gerät schafft ein Mann in wenigen Stunden die Arbeit, für die einst viele kräftige Hände einige Tage fleißig zugreifen mussten – ein Triumpf des Fortschrittes, ein Stück vergessener bäuerlicher Arbeitskultur. [37]
Graswirtschaft
Heumahd
Der erste Wiesenschnitt im Jahr war die Heumahd und wurde anfangs Juni, also im Frühsommer durchgeführt. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Blumen ausgeblüht haben, denn erst dann fiel der Samen aus und es wuchsen am darauffolgenden Jahr wieder frische Gräser und Blumen. Der natürliche Kreislauf für die Wiese aber auch für die Insekten war damit gewährleistet. [38]
In solchen Tagen verspürte man eine gewisse Spannung unter den Leuten im Dorf. Der Grund dafür war die Ungewissheit, wann man denn mit der Heumahd beginnen sollte, da das Wetter diese Entscheidung nicht immer leicht machte. [39]
Sobald man aber eines Nachmittags die ersten Dengelschläge in den Höfen hörte, wusste man, dass es am nächsten Tag losgehen wird.
Den Umstand, dass man die Mahd „vor Togs“ – also vor Tagesanbruch begann, hatte damit zu tun, dass die Sense bei Tau das Gras leichter schneidet. Aber auch wegen der Hitze, denn kam mal die Sonne, dann wurde einem bald schon ganz heiß bei der Arbeit. [40]
War man der erste beim Mähen, so musste man vorher den „Ruan“ „oschriatn“, also durch das niedertreten des Grases, die Grenze zu den Nachbarn ersichtlich machen. Denn eine halbe Mahd (ca. 65cm) zu weit in die Nachbarwiese gemäht, war schon „a Malheur“. [41]
Wenn die Schneid nachließ, stellte der Mäher die Sense mit dem Griffende zu Boden, zog den Wetzstein aus dem Kumpf, den er sich mit einer Schnur um die Lenden gehängt hatte und vollführte mit raschen Bewegungen aus dem Handgelenk das Schleifen des Sensenblattes. Ein guter Schnitt sparte Kraft und beschleunigte den Fortgang. [42]
Bei anhaltenden Schönwetter, wurde am dritten Tag nach der Mahd „umdraht“, das heißt, das halbtrockene Heu musste mit der Heugabel umgedreht werden. Dies geschah am Vormittag nachdem der Tau von der Sonne aufgetrocknet war. Für diese Arbeit und alle nachfolgenden Arbeitsschritte waren immer alle drei im Haus lebenden Generationen aufgefordert sich zu beteiligen und es gab dabei für jeden eine passende Aufgabe. Viele Hände – schnelles Ende, den das Wetter machte mitunter Druck. [43]
Nach dem „Umdrehen“ wurde noch am selben Tag am Nachmittag „ghäuflt“. Dabei wurde das Heu mit Rechen vom Rand in die Mitte gezogen und je nach Breite der Wiese ein oder zwei Zeilen gebildet. Anschließend wurde das Heu mit einer Gabel stückweise zusammengeschoben und zu einem Haufen gemacht. Das „häufln“ hatte den Sinn, dass Heu vor Tau und Regen besser zu schützen. [44]
Bei schönen Wetter wurden am darauffolgenden Tag die Heuhaufen „zschitt“ – also mit einer Gabel auseinander gebeutelt und für den Heimtransport aufbereitet. Dazu wurde die Menge aus jeweils drei bis vier Heuhaufen zu einer rechteckigen Fläche ausgebreitet. Sobald der Leiterwagen kam wurden diese ausgebreiteten Flächen mit einer Gabel so weit auseinander geteilt, das dieser zum Beladen in der Mitte durchfahren konnte. [45]
Während eine Person das Heu mit einer Gabel auf den Wagen reichte, hat eine weitere Person „gfoßt“ und „tretn“ – stand also auf dem Wagen und nahm die Gabelladung entgegen, schlichtete sie und musste das Heu auch festtreten. Geladen wurde zuerst auf den Ecken und dann nach innen hin ausgefüllt. Dabei musste man die Heuschüppel richtig platzieren damit die Ladung nicht zum auseinanderfallen drohte. Es war also eine Verantwortungsvolle Arbeit [46]
Das Fuhrwerk war anfangs der Leiterwagen mit Kuhgespann. Zum stückweise weiterfahren während dem Beladen, wurden die Kühe von einem älteren Kind „gweist“, also geführt. Eine weitere Person musste das vom Auflader zurückgelassene Heu nachrechen damit es mitaufgeladen werden konnte. [47]
War die Ladung einmal voll, wurde oben drauf in der Längsrichtung der „Wiesbam“ aufgelegt. Dieser war ein fast bis zu 6m langer Baum, der am vorderen Ende einen Einschnitt hatte, damit die Kette, die zum Niederhängen der Ladung verwendet wurde, nicht abgleiten konnte. Auf der Hinterseite wurde er mit einem Seil niedergespannt. Vor der Heimfahrt wurde die Ladung rundherum mit dem Rechen noch abgekämmt, damit während der Fahrt nichts verloren ging. [48]
Schon bei geringsten Anzeichen eines Gewitters legte man an Tempo zu um das „Fartl“ trocken unter Dach zu bringen.
Wenn es aber während der verschiedenen Arbeitsvorgänge mal regnete, mussten die Arbeitsschritte zum Trocknen des Heues wiederholt werden. Immer wieder kam es auch schlimmer, wenn sich der Fluss Rabnitz bei Starkregen über die Ufer hinaus ausbreitete. Der Großteil der Bauern war davon betroffen, weil die meisten Wiesen links und rechts am Ufer der Rabnitz lagen. Der Schaden war groß, da das Material nicht mehr zu gebrauchen war. [49]
Der Abschluss eines Heuerntetages konnte mitunter noch sehr anstrengend sein – das Einlagern in den Heustadel oder auf den Heuboden. Bei drückender Hitze und starker Staubentwicklung musste das stachelige und kratzende Heu verteilt und niedergetreten werden. Eine Anstrengung, die den Buben nicht erspart blieb und anschließend nur durch einen Sprung in die kühle Rabnitz einigermaßen ausgeglichen wurde. [50]
Nach dem ersten Weltkrieg kam es auch bei uns im Dorf nach und nach zu einer Technisierung der Arbeitsabläufe. Auf die Sense folgte der motorisierte Zweirad Balkenmäher. Dabei war der Einsatz der gleiche wie bei der Getreideernte. Die weiteren Arbeitsschritte waren dann die gleichen wie beim Mähen mit der Sense. [51]
Anfang der 1960iger Jahre wurde das Kuhgespann von den ersten Traktoren abgelöst. In unserm Dorf war es der 15er Steyr den man auch mit einer hydraulischen Hebevorrichtung und einem abnehmbaren Mähwerk ausstatten konnte. Das auf der rechten Seite zwischen dem Vorder- und Hinterrad montierte Mähwerk war von der Funktion dem Zweirad Mähbalken gleich und musste für den Mäheinsatz nur seitlich weggekippt werden. Somit war man beim Mähen und beim Einführen vom Heu motorisiert. Alles andere war nach wie vor händisch zu machen. [52]
Bald darauf kam der Heuwender zum Einsatz. Wie der Name schon sagt konnte man ihm das Heu wenden – also „umdrahn“. [53]
Grummet
Die Grummet Ernte war der zweite Wiesenschnitt im Jahr und in der Arbeit etwas leichter als die Heumahd. Das Gras stand nicht mehr so dicht und war auch nicht mehr so hoch. Es war dadurch auch leichter zu mähen und trocknete auch schneller, da die Schüppel nicht mehr so dick waren. Im Unterschied zum Heumahd enthält das Grummet mehr Kräuter und Nährstoffe. Die Ernte verlief gleich wie bei der Heumahd. [54]
Flachsarbeit
Früher trugen die Menschen Wäsche und Kleidung aus Hausleinen. Um den dafür notwendigen Bedarf zu decken, wurde auch Flachs angebaut.
Im August, nachdem sich die Blüten vom Blau ins Braune verfärbt hatten, war es Zeit zum Raufen. Dabei wurde der Flachs samt den Wurzeln aus der Erde gezogen und zum Trocknen auf dem Feld liegen gelassen. Nach der Trockenzeit wurde er in Bündeln nach Hause gebracht.
Zu Hause wurden auf der Riffelbank die Samenkapseln entfernt. Zwei Personen saßen einander auf dieser Bank gegenüber. Sie schlugen jeweils ein Bündel Flachs auf die Zähne der Riffel und zogen es hindurch. Dabei blieben die Samenkapseln an den Zähnen hängen und wurden von den Stängeln abgerissen.
Sobald die Feldarbeiten vorüber waren, begann man im Herbst mit dem „Brecheln“. Dazu wurde der Flachs zum Dörren in den Backofen gelegt. Dies geschah grundsätzlich nach dem Brotbacken, wenn der Ofen die dafür geeignete Temperatur hatte. Anschließend wurden die getrockneten Stängel gebrochen und geknickt, wodurch die holzigen Teile absprangen.
Als Nächstes folgte das Hecheln. Dabei wurden die Fasern der Länge nach getrennt, indem man die Faserbüschel durch eine Nagelrosette, die sogenannte Hechel, zog. Die kurzen und ungleich langen Fasern wurden dabei als Werg herausgekämmt. Für diese Arbeit waren viel Erfahrung und Geschick notwendig.
Man unterschied drei Qualitäten: das Habige, auch das Schöne genannt, war die beste Qualität; das Rumpfige bezeichnete die mittlere und das Grobe die schlechteste Qualität.
Besonderes Geschick erforderte auch das Spinnen. Wer nicht gut spinnen konnte, erzeugte einen zu dicken und damit unbrauchbaren Faden, der wieder eingesponnen werden musste.
Das gesponnene Garn wurde mit einer Haspel zu Strähnen abgewickelt, in Aschenlauge ausgekocht, gewaschen und zum Bleichen im Freien aufgehängt.
Das fertige Garn wurde vom Weber zu Leinen verarbeitet. Die fertige Leinwand musste danach mehrmals ausgekocht – „gesecht“ – und gewaschen werden.
Beim Sechten legte man über das „Sechtschaffl“ ein großes Tuch und bestreute dieses mit Asche. Anschließend wurde es mit siedendem Wasser, das zuvor im Dämpfer erhitzt worden war, übergossen. Die dabei entstehende Aschenlauge sickerte durch das Tuch auf das Leinen im „Sechtschaffl“. Dieser Vorgang wurde mehrmals wiederholt.
Danach wurde das Leinen gewaschen, gründlich geschwemmt und zum Trocknen aufgehängt. Sobald es vollständig getrocknet war, konnte es zusammengelegt und bis zur weiteren Verwendung aufbewahrt werden.
Waldarbeit
Neben dem Erwerb in der Landwirtschaft hatte auch die Waldarbeit eine große wirtschaftliche Bedeutung, denn der Holzverkauf gehörte zu den wenigen Möglichkeiten, Bargeld zu verdienen. In den Wald zum „Holz machen“ gingen die Bauern vor allem in der Winterzeit, wenn es in der Landwirtschaft ruhiger wurde. Zur Waldarbeit rückte man meist am frühen Vormittag aus und trachtete danach, vor Einbruch der Dunkelheit wieder zu Hause zu sein. Vorrangig galt es, den Bedarf an Brennholz zu decken. Das Holz, das man an den Holzhändler verkaufte, wurde meist zu Faserholz verarbeitet.
Waldarbeit war keine leichte, aber auch keine ungefährliche Tätigkeit. Zuerst stand das Fällen des Baumes an. Dazu wurde in Fallrichtung eine Fallkerbe angebracht. Von der anderen Seite setzte man mit einer Zugsäge, die von zwei Männern gezogen wurde, den eigentlichen Schnitt. Damit es nicht zum Klemmen der Säge kam, wurde ein Keil in die Schnittkerbe eingeschlagen. Um den Baum in die richtige Richtung zu Fall zu bringen, war viel Erfahrung nötig.
Sobald der Baum am Boden lag, begann man mit dem „Ausschnoatn“. Dabei wurden die Äste mit einer Hacke vom Stamm abgetrennt. Um möglichst viel zu verwerten, wurden selbst die Äste noch „ausgschnoat“. Das übrig gebliebene Kleinmaterial, das „Grassa“, wurde zu Haufen zusammengetragen und an Ort und Stelle verheizt. Dadurch ergab sich auch die Möglichkeit, in der Mittagsrast ein Stück Speck über das Feuer zu halten und sich etwas aufzuwärmen.
Das dürre Holz sowie der Großteil der Äste und „Gipfel“ wurden als Brennholz verwertet. Die Stämme wurden zu Meterstücken zugeschnitten, mit Keilen der Länge nach gespalten und zum Trocknen aufgestapelt. Die Äste wurden in ihrer vollen Länge an einem geeigneten Platz gelagert.
Vor Beginn der Heizsaison wurde sowohl vom getrockneten Meterholz als auch von den Ästen eine ausreichende Menge in 33 cm lange Stücke geschnitten und im Holzschuppen eingelagert. Die für den Backofen bestimmten Scheiter mit einer Länge von 50 cm wurden gesondert gelagert.
Die Holzstämme, die als Faserholz zum Verkauf bestimmt waren, wurden zu einem geeigneten Platz geschleift. Dort wurde mit dem „Rinteleisen“ die Rinde abgeschält. Nach dem „Rinteln“ wurden die Stämme zu Meterscheitern geschnitten, aufgestapelt und für die Abholung durch den Holzhändler bereitgelegt.
Im Laufe der Zeit veränderten sich auch die bei der Holzarbeit verwendeten Werkzeuge. Eine wesentliche Erleichterung brachte der Einsatz der Motorsäge. Hacke, Keile und Rintler blieben weiterhin in Gebrauch und wurden durch den Sappel ergänzt, der das Rangieren der Stämme erleichterte. Das Pferde- oder Kuhgespann, das zum Schleifen und Abtransport des Holzes eingesetzt wurde, wurde schließlich durch den Traktor ersetzt.
Pechen
Eine Waldarbeit, die heute in unserer Region weitgehend in Vergessenheit geraten ist, war das sogenannte „Pechen“, also die Gewinnung von Harz aus Bäumen. In der Landwirtschaft wurde dieses als „Saupech“ zum Enthaaren geschlachteter Schweine verwendet oder als „Riemenpech“, um die Haftung der Lederriemen, die dem Antrieb von Maschinen dienten, auf den Riemenscheiben zu verbessern.
Das Pech wurde von Bäumen gewonnen, die in absehbarer Zeit geschlägert werden sollten. Dazu brachte man mit einem speziellen Hobel seitlich verlaufende, parallele Rillen an, die schräg von oben nach unten in V-Form eingeschnitten wurden. Am unteren Ende der Kerbe wurde ein Tongefäß befestigt, in dem das austretende Harz aufgefangen wurde.
Streurechen
Bei der bäuerlichen Arbeit war das „Streurechen“ einst nicht wegzudenken. Dass sich die Entnahme der Waldstreu aus heutiger Sicht als nachteilig für die Waldnutzung erwies, spielte damals nur eine untergeordnete Rolle. Stroh war einerseits ein unverzichtbares Futtermittel, andererseits aber auch ein wichtiger Rohstoff für zahlreiche Erzeugnisse auf dem Bauernhof.
Da die Felder nur geringe Erträge brachten und ganzjährig ausreichend Einstreu für den Stall benötigt wurde, wurde im Frühjahr und Herbst die Bodenstreu im Wald gerecht und als Stallstreu verwendet.
Arbeiten zur Winterszeit
In der Zeit der Wegwerfgesellschaft und der Automatisierung sucht man schon fast vergebens nach bodenständiger Handarbeit, die in früheren Jahren in vielen Häusern gepflogen wurde. Abgesehen von selbstgestrickten Westen, Pullovern oder Socken findet man niemanden mehr, der den Buckelkorb oder das „Zistel“ herstellen könnte.
Buckelkorb-Flechten
Einer der am häufigsten verwendete unter den Körben, war der Buckelkorb und wie der Name schon sagt, auf dem Rücken getragen wurde. Für seinen optimalen Einsatz wurde er in verschiedenen Größen und teilweise auch in verschiedenen Formen, hergestellt. Seine Verwendung fand er im Wald beim Streurechen, zu Hause um das Futter vom Stadel in den Stall zubringen, zum Holen von Grünfutter, um die Utensilien zur Feldarbeit mitzunehmen, oder eben kleiner Körbe mit denen Kinder kleinere Lasten tragen konnten.
Der wichtigste Werkstoff dafür war die gerade gewachsene Haselstaude, die im Herbst oder Winter geschnitten wurden. Diese wurden beim sogenannten „Zerkliam“ aufgespalten. Daraus gewann man die „Zualn“, schmale Holzstreifen, die anschließend mit dem Messer dünn und geschmeidig gemacht wurden.
Das Korbgestell bestand teilweise aus Hartholz. Das sogenannte „Keabhulz“, eine Vierkantleiste, die Bogen, Mittelsteg und Zuge trug, wurde aus Eiche oder Buche gefertigt und auf der „Hoanzlbank“ zugerichtet. Die notwendigen Krümmungen des Holzes wurden mithilfe von Dampf hergestellt.
Das Flechten begann beim Korbboden. Dafür verwendete man etwas breitere Holzstreifen, sogenannte Schindeln. Diese wurden am Rand hochgebogen und bildeten zugleich die Steher für die Korbwand. Den Abschluss bildete der Korbkranz, der fest mit der Korbwand verbunden wurde.
Zisterl-Flechten
Der Klassiker unter den „Zisterln“ war bei uns der sogenannte „Schwinger“, der vielseitig verwendet wurde. Bei der Obst- und Hackfruchternte diente er zum Transport der Ernte, beim „Erdäpfelausnehmen“ wurden die Erdäpfel darin gesammelt und anschließend in Säcke geleert.
Zu Hause brachte man damit gehäckseltes Futter zu den Tieren oder verwendete ihn beim alltäglichen Holz -„uitrogn“, also das Holz zum Küchenherd zu bringen. Seinen Namen verdankte der Schwinger vermutlich seiner Tragweise: Er konnte bequem von zwei Personen getragen werden und man neigte dabei leicht, mit ihm zu schwingen.
Hergestellt wurde er aus ungeschälten, besonders biegsamen Felber- oder Weidenruten, die entlang von Wegen und Bachufern wuchsen. Am besten ließen sich frisch geschnittene Ruten verarbeiten.
Das Flechten begann beim Boden mit der sogenannten „Spinne“, einem kreuzförmigen Grundgerüst aus mehreren Ruten. Von der Mitte aus wurde der Boden spiralförmig geflochten. War die gewünschte Größe erreicht, wurden die überstehenden Ruten hochgebogen und bildeten die Steher für die Korbwand. Ein zopfartig geflochtener Kranz festigte den Bodenrand. Ein weiterer solcher Kranz bildete den oberen Abschluss. Zuletzt wurden an beiden Seiten kräftige, aus mehreren Ruten gedrehte Henkel eingeflochten.
Flechten-Flechten
Als Flechten – die Flechten – bezeichnete man einen aus Ruten geflochtenen Wagenkorb, der so geformt war, dass er auf einem üblichen Leiterwagen aufgesetzt werden konnte. Dadurch konnte dieser mit wenigen Handgriffen zu einem Transportmittel für Rüben, Erdäpfel, Klee und anderes, was sonst durch die Latten gefallen wäre, umgerüstet werden. Als Flechtmaterial wurden ausschließlich Weidenruten verwendet.
Besen-Binden
Federnschleißen
Früher gab es bei uns in jedem Bauerhaus Gänse die sich tagsüber die meiste Zeit irgendwo auf einem Dorfplatz aufhielten. Einer davon war das „Gamsplatzl“, jener Platz an der Straßenverzweigung im Graben wo die Gänse der umliegenden Bauernhäuser ihr treiben hatten.
Die Bauern habe früher ihr Bettzeug selber hergestellt. Dazu wurden die Gänse ein- bis zweimal jährlich gerupft und ihre Federn in Säcken gesammelt und aufbewahrt. In den langen Wintermonaten bot sich dann die Zeit zum „Fedanschleißn“. Dabei hatte man sich mit den Nachbarn zeitlich abgestimmt, damit möglichst viele von Ihnen teilnehmen konnten. Gerne folgte man dieser Einladung, denn dabei konnte man viele Neuigkeiten erfahren, die sich im Dorf zugetragen hatten. Die Arbeit verlangte viel Geduld und wurde vorzüglich von den Frauen und Mädchen gemacht. Der Arbeitstisch wurde mittig in der Küche aufgestellt, damit man rundherum Platz nehmen konnte. Bei der Arbeit selbst durfte nicht gehustet werden und Türen mussten vorsichtig geöffnet und geschlossen werden um die Federn nicht auffliegen zu lassen.
Um genug Daunen für Bettzeugs Füllungen zu bekommen, wurde diese Geduldsarbeit auf mehrere Tage aufgeteilt. Als Abschluss gab es dann am letzten Tag den sogenannten Federnzipf. Dabei wurden Kompott von gedörrten Zwetschken oder getrockneten Äpfelspalten aufgetischt. Mitte der 1960 Jahre wurden dann Köstlichkeit wie Striezel, Strudel sowie verschieden Mehlspeisen und Tee serviert.
Anmerkungen
[1] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[2] Deák, Ernő (1969): Die Geschichte der Herrschaft Landsee-Lackenbach im 16. und 17. Jahrhundert, Unveröffentlichte Dissertation an der Universität Wien, S. 255, 268.
[3] Huber, Hugo: Siedlungsauabau und Siedlungsentwicklung im Mittelalter, in: Historischer Atlas Burgenland, Gert Polster (Hrsg.),Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland WAB Band 141, Eisenstadt: 2022, S. 182 f.
[4] Deák, Ernő: Wirtschaftliche Entwicklung, in: 800 Jahre Markt St. Martin, 2022, S. 163.
[5] Deák, Ernő (1969): Die Geschichte der Herrschaft Landsee-Lackenbach im 16. und 17. Jahrhundert, Unveröffentlichte Dissertation an der Universität Wien, S. 256 f.
[6] Deák, Ernő (1969): Die Geschichte der Herrschaft Landsee-Lackenbach im 16. und 17. Jahrhundert, Unveröffentlichte Dissertation an der Universität Wien, S. 273-275.
[7] Zoltän Horväth, A jobbägyviläg alkonya Sopron megyelen [Untergang der Untertanenwelt im Komitat Odenburg], Budapest 1976, S. 108.
[8] EPA, Prot. 253 (Waisenbuch)
[9] MNL Győr-Moson-Sopron Vármegye, Soproni Levéltára, IV. Megyei
[10] A magyar korona orszägainak mezögazdasägi statisztikäja (Landwirtschaftliche Statistik der Länder der ungarischen Krone), Band 1, Budapest 1897, S. 186 f.
[11] Vgl. ebd.
[12] Brettl, Herbert: Landwirtschaft vor 1945, in: Historischer Atlas Burgenland, Gert Polster (Hrsg.),Wissenschaftliche Arbeiten aus dem Burgenland WAB Band 141, Eisenstadt: 2022, S. 108 f.
[13] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 290.
[14] Vgl. ebd. S. 292.
[15] Vgl. ebd. S. 292.
[16] Vgl. ebd. S. 294.
[17] Vgl. ebd. S. 290.
[18] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[19] Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Balkenm%C3%A4her [21.01.2026]
[20] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[21] Vgl. ebd.
[22] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 300.
[23] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[24] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 304.
[25] Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Balkenm%C3%A4her [21.01.2026]
[26] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[27] Vgl. ebd.
[28] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 302.
[29] Vgl. ebd. S. 316.
[30] Vgl. ebd. S. 321.
[31] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[32] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 304.
[33] Vgl. ebd. S. 322.
[34] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[35] Burgenländische Landwirtschaftskammer (Hrsg.): Das Buch des Burgenländischen Bauern. Eisenstadt: Selbstverlag der Burgenländischen Landwirtschaftskammer, 1954.
[36] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[37] Pöttler, Viktor Herbert: Bäuerliche Fahrzeug und Arbeitsgeräte, Österreichisches Freilichtmuseum Stübing 1997, S. 103.
[38] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[39] Bauer, Kurt (Hrsg.): Bauernleben. Vom alten Leben auf dem Land. Jubiläumsausgabe. 3. Aufl., Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2000, S. 66.
[40] Vgl. ebd. S. 68.
[41] Fraller, Josef: Die Heumahd Wie es in unserem Dorf einmal war, in: Volk u. Heimat, Heft 43, 1988, S. 20 f.
[42] Bauer, Kurt (Hrsg.): Bauernleben. Vom alten Leben auf dem Land. Jubiläumsausgabe. 3. Aufl., Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2000, S. 68.
[43] Vgl. ebd.
[44] Vgl. ebd.
[45] Fraller, Josef: Die Heumahd Wie es in unserem Dorf einmal war, in: Volk u. Heimat, Heft 43, 1988, S. 20 f.
[46] Bauer, Kurt (Hrsg.): Bauernleben. Vom alten Leben auf dem Land. Jubiläumsausgabe. 3. Aufl., Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 2000, S. 70.
[47] Fraller, Josef: Die Heumahd Wie es in unserem Dorf einmal war, in: Volk u. Heimat, Heft 43, 1988, S. 20 f.
[48] Simon, Franz: Bäuerliche Bauten im Südburgenland, Ein Bilderbuch über bäuerliches Bauen von einst im Heanzenland. Oberschützen 1974, S. 380.
[49] Fraller, Josef: Die Heumahd Wie es in unserem Dorf einmal war, in: Volk u. Heimat, Heft 43, 1988, S. 20 f.
[50] Vgl. ebd.
[51] Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Balkenm%C3%A4her [21.01.2026]
[52] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[53] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[54] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien