Oberrabnitz

Geschichte

Flurnamen

Feld und Flur bezeichnen – im Gegensatz zum Wald – im weiteren Sinn das freie, offene Land. Im landwirtschaftlichen Sinn hingegen handelt es sich dabei um die landwirtschaftlich genutzten Flächen einer Dorfgemeinde. [1]

Die Benennung der Dorffluren

Nachdem nach und nach Teile unseres Hotters (Gemeindegebiets) gerodet wurden, um Ackerland zu gewinnen, begann man, die neu entstandenen Flächen nach dem Gewannsystem zu verteilen. Da die Grundstücke eines Bauern häufig über verschiedene Gewanne (Riede) verstreut lagen, war es notwendig, sie durch eigene Namen zu unterscheiden. Diese Namen bezogen sich auf Lage, Form, Größe, Nutzungsart (Kulturgattung), Bodenbeschaffenheit oder andere auffällige Besonderheiten. Besonders tief eingeschnittene Gräben, die markante Merkmale in der Landschaft bildeten, wurden meist zuerst benannt – und nach ihnen die angrenzenden Kulturflächen.

Da die Feldeinteilung und das landwirtschaftliche System im Wesentlichen unverändert geblieben sind, haben sich auch die Flurnamen – abgesehen von lautgesetzlichen Entwicklungen und volksetymologischen Umdeutungen – von ihrer Entstehungszeit bis in die Gegenwart erhalten.[2]

„Wenn die uralte Zeit noch irgendwo haftet in der neuen, so ist es in der Benennung der Dorffluren, weil der einfache Landmann lange Jahrhunderte hindurch kein Bedürfnis fühlte, sie zu ändern [Jakob Grimm, Sprach- und Volkstum- Forscher]“ [3]

Einige Flurnamen sind jedoch auch bei uns im Laufe der Jahrhunderte – infolge veränderter Kulturverhältnisse oder anderer Ursachen – verschwunden; an ihre Stelle sind neue Bezeichnungen getreten.[4]

Es ist anzunehmen, dass Flurnamen meist nur mündlich überliefert oder direkt von den Bauern erfragt wurden und deren Ausdrucksweise nicht immer eindeutig war. Was schließlich zu Papier gebracht wurde, hing oft vom jeweiligen Beamten ab. Dieser über mehrere Generationen hinweg stattgefundene Sprachwandel lässt sich gut anhand von Waisenbüchern, Abgabenscheinen und Hotterkarten nachvollziehen.

Auszug aus Waisenbücher:[5]

„1681: Item mer ein Wissenorth in Gärtl Dienst in Dazler [Tatzger] 3f [Gulden]; Item mer ein Wissenorth in Gärtl Dienst in Dopplern [Töpler] 1f 50x;
1646: Item 2 Tagw. Ackher beym Kolhergrabn [Köhlergraben];
1663: Item ain dritl Joch Ackher in Artgraben [Ortgraben], neben Georg Zaigh [Zeug] ligent;
1690: Item mer 1 Dagwerk auf der Ardgrab [Ortgraben] ist geschazt worden…;
1714: Item ain Tagwerk Ackher auf dem Kreyd [Kreiten] per 10f;“

Die älteste Hotterkarte von Oberrabnitz in der Riednamen eingetragen sind, stammt aus dem Jahr 1782. Darauf zu finden sind Bezeichnungen wie: „Art oder Nord Graben, Strasz, Kreitten, Berg, Kirch Feld, Schmied Feld, Maria Feld, Kirch Aecker, Gefang, Laub Berg, Wieszen ober der Kirche, Wieszen unter der Kirche, Hinter dem Marct Weg, Gräntzl, Töpler;“ Weiteres sind noch eingetragen: „Gemein Wießen, Mola, Hof Wieszen, Kirchen Wieszen.“ [6]

Abb. 1: Hotterkarte 1782 mit Riedbezeichnung; Quelle: HU-MNL-OL-S 16-137.

Die Flur und ihre Besitzkategorie

Während der feudalen Zeit war jede Flur bzw. jedes Ried in unserem Dorf einer bestimmten Besitzkategorie zugeordnet.

Wald und Weide

Wald und Weide war die vom Grundherrn und den Untertanen gemeinschaftlich genutzte Flächen. Dazu zählten […]

Der „Kirigrom“ (Kirchengraben) ist ein Entwässerungsgraben von landwirtschaftlichen Flächen. Er liegt an der Seite des heutigen Güterwegs und beginnt beim Kreuz, verläuft durch den Ortsteil „Am Graben“, führt als Kirchenbach an der Kirche vorbei und mündet schließlich in den Fluss Rabnitz. Einst gehörte ein Teil dieses Grabens zum Draßmarkter Revier – wie der Waldmeister Fröhlich vom Waldamt Lackenbach im Jahr 1858 berichtete, als der Familie Brandl dort ein Hausplatz (Hausnummer 42) zugewiesen wurde:

„Der zur Revir Draszmarkt gehörige Waldtheil Kirchen-Graben in der Ob. Rabnitzer Steuergrenze gelegen hat eine isolierte Lage und stosst an das Ort Ob. Rabnitz an. Es führen durch diesen mehrere ohnverwindliche Weege und Viehtriften, darum derelbe niemahls gehörig bewirtschaftet werden konnte […]“[7]

Beim Urbarialvergleich von 1872 wurde der Kirche, der Schule, dem Lehrer, dem Pfarrer sowie den Urbarialisten im Bereich des Kirchengrabens ein Weideplatz zugeteilt. [8]

Der „Laugrom“ (Laugraben) ist ebenfalls ein Entwässerungsgraben von landwirtschaftlichen Flächen. Er beginnt im Marienfeld und bahnt sich seinen Weg bis zum Fluss Rabnitz. („Lau – Loh bzw. Lauh“ – sumpfige Stelle) [9]

Die „Hutwad“ (Hutweide), auf der Hotterkarte als „Unterer Dick Wald“ bezeichnet, liegt diese ehemalige Weidefläche entlang der Landesstraße nach Schwendgraben und steigt zum Höhweg an, der die Grenze zum Karl Hotter bildet. In der feudalen Zeit wurde sie als Gemeinschaftsweide genutzt – das Vieh wurde dort von Grundherrschaft und Untertanen gemeinsam gehütet. Beim Urbarialvergleich wurde die Fläche aufgeteilt, und jeder Urbarialist erhielt eine eigene Parzelle. Heute ist das Gebiet vollständig von Wald bedeckt. (Hutwad – Hut-weide, die Hut – das Hüten des Viehes) [10]

Die „Dick“ (Dick), auf der Hotterkarte als „Obere Dick“ bezeichnet, erstreckt sich dieses Gebiet von der Mühle bis zum Kranzler und grenzt am Höhweg an den Karler Hotter. In der feudalen Zeit diente die Obere Dick als Waldgebiet, aus dem die Bauern ihr Brenn- und Bauholz beziehen durften. Im Gegenzug mussten sie für die Grundherrschaft Holz in Robot hacken. Beim Urbarialvergleich wurde diese Fläche den Bauern zugeteilt und als Gemeinschaftsfläche ausgewiesen. Bis heute ist sie als sogenannter Urbarialwald erhalten geblieben. (Dick – Dickicht – dichtes Gebüsch, Unterholz) [11]

Herrschaftlicher Wald

Der „Schmidgrom“ (Schmiedgraben) ist ein Entwässerungsgraben, der sowohl Wald- als auch landwirtschaftliche Flächen entwässert und seinen Lauf zum Fluss Rabnitz nimmt. Die angrenzende, ausgedehnte Waldfläche war seit jeher im Besitz des Fürsten Esterházy und gilt bis heute als Herrschaftswald. Der „Schmied“, nach dem diese Flur benannt wurde, benötigte für sein Handwerk ausreichend Holzkohle. Zu deren Herstellung wurde ihm daher ein eigener Waldanteil zugewiesen. (Schmid – Handwerk Schmied)[12]

Der „Streitwold“ (Streitwald) – Auf der Hotterkarte aus dem Jahr 1782 wird ein Abschnitt des Herrschaftswaldes als „Silva Controversia“ (Streitwald) bezeichnet. Dieses Gebiet erstreckte sich von der Bildeiche entlang des Kranichgrabens, zwischen dem Draßmarkter und dem Piringsdorfer Hotter, bis an die Grenze zum Dörfler Hotter. Um diesen Wald stritten die Grundherrschaften Esterházy und Inkey – ein Konflikt, den auch ihre Untertanen teils handgreiflich austrugen, da sie das umstrittene Nutzungsrecht für sich in Anspruch nahmen.

Im Jahr 1767 kam es zu einem gewaltsamen Vorfall: Ein Draßmarkter Förster traf den aus Oberrabnitz stammenden Inkey’schen Untertan Senft beim Holzhacken an. Als dieser sich mit der Hacke wehren wollte, griff der Förster zur Flinte worauf der Bauer die Flucht ergriff. Der Förster schoss ihm nach und verletzte ihn mit einer Ladung Hasenschrot an den Füßen. In einem Bericht empfahl der herrschaftliche Verwalter, den Förster zu versetzen, da weithin zu hören sei, der Verwundete werde jede Gelegenheit nutzen, sich an ihm zu rächen.[13]

Laut dem Urbarium von 1767 besaß Fürst Esterházy in Oberrabnitz 32 Häuser, während der Besitz vom Baron Inkey (Unterrabnitz) 12 Häuser umfasste. In Schwendgraben und Unterrabnitz hingegen war Inkey der dominierende Grundherr, während Esterházy nur wenige Häuser gehörten. Draßmarkt wiederum war zur Gänze im Besitz Esterházy. Im Jahr 1793 bzw. 1801 erwarb Esterházy schließlich den gesamten Inkey’schen Besitz – womit auch die langjährigen Streitigkeiten ein Ende fanden.[14]

Mit der Abschaffung der Untertänigkeit wurde den Bauern das Nutzungsrecht im Wald entzogen, und der Name „Streitwald“ verschwand allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis der Dorfbevölkerung. [15]

Der „Marigrom / Morigrom“ (Mariengraben) ist ebenfalls ein Entwässerungsgraben, der Waldflächen im Herrschaftsgebiet entwässert. Er verläuft entlang der Hottergrenze zu Schwendgraben und mündet in den Fluss Rabnitz. In einer alten Hotterkarte wird er als „Mary Graben“ bezeichnet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit geht dieser Name auf das mittelhochdeutsche Wort „Mark“ zurück, das eine Grenze bezeichnete. Im Laufe des Sprachwandels wurde daraus vermutlich „Mari“ oder „Mary“, womit der ursprüngliche Bedeutungszusammenhang – Mark / March = Grenze – allmählich verloren ging. [16]

Rottgründe

Rottgründe waren jene Flächen, die von den Untertanen nur mit Zustimmung des Grundherrn gerodete werden durften. Sie waren nicht mit Robotleistungen belastet, sondern unterlagen Abgaben auf Grundlage privater Übereinkünfte. Sie lagen meist weiter entfernter vom Ortskern. Im Gegensatz zu den Urbarialgründen durften diese unter den Hinterbliebenen aufgeteilt werden.[17]

Der „Ortgram“ (Ortgraben) liegt an der Hottergrenze zu Weingraben und Draßmarkt. Der zuständige Beamte war sich bei der Benennung zunächst unsicher und schrieb auf die Hotterkarte 1782 „Art oder Nord Graben“, da sie im Norden des Hotters liegt. Der Begriff „Ort“ kann jedoch auch im Sinne von Rand oder Ende verstanden werden – wie in der Redewendung „an allen Orten und Enden“. Letztlich setzte sich der Name Ortgraben durch und ist bis heute gebräuchlich.[18]

Die „Kreitn“ (Greuten / Kreiten) liegt an der rechten Seite des heutigen Güterwegs und reicht bis zur Hottergrenze Draßmarkt. Es handelt sich um eine Ackerflur, die durch vollständiges Ausstocken der Bäume samt Wurzeln gewonnen wurde. Im Zuge des Urbarialvergleichs von 1872 fiel diese Fläche im Rahmen des sogenannten „Ein-Drittel-Anteils an Rottgründen“ an den Grundherrn Esterházy zurück, der sie teilweise wieder aufforsten ließ. (Kreut bzw. Greut bezeichnet das Roden einer Waldfläche – insbesondere das Ausstocken der Bäume samt Wurzeln.) [19]

Der „Kölagrom“ (Köhlergraben) liegt in der heutigen Ried Kreuten, und verweist auf ein Handwerk, das längst aus dem Bewusstsein der Dorfbevölkerung verschwunden ist. Laut den Aufzeichnungen des „Rentamtes Lackenbach“ (Esterházy) wurde hier über ein Jahrhundert lang – bis in die 1840er-Jahre – von den Oberrabnitzer Untertanen Holzkohle erzeugt. Abnehmer war die Herrschaft Landsee-Lackenbach. Die Quellen lassen darauf schließen, dass es sich um ein gut florierendes Gewerbe handelte. Auf der Hotterkarte von 1861 wird diese Flur noch als Kohler-Graben bezeichnet. Auf heutigen Karten ist diese Ried irrtümlicherweise auf der gegenüberliegenden Seite im Ried Ortgraben platziert. (Köhler – Kohlstatt – Kohlenbrennen) [20]

Die „Strouß“ (Straß /Straßäcker) liegt an der rechten Seite des Güterwegs in Richtung Draßmarkt. Am Rand dieser Äcker – auf der Kuppe – verläuft ein Weg (eine frühere Straße), der sich auf der einen Seite bis nach Dörfl und auf der anderen Seite über Weingraben bis nach Landsee verfolgen lässt. In der feudalen Zeit wurde dieser Weg von den Untertanen für die sogenannte Zugrobot genutzt – eine fahrende Dienstleistung, die mit einem Ochsengespann zu verrichten war, etwa für den Transport von Brennholz oder Baumaterialien von und zur Herrschaft Landsee. [21]

Der „Schneidaboun“ (Schneiderboden) – Diese kleine Flur wurde vor der Aufforstung als Wiese genutzt und liegt am Fuß des Lauberges, zwischen dem Fluss Rabnitz und dem herrschaftlichen Wald an der Hottergrenze zu Schwendgraben. Schneiderboden ist ein mündlich überlieferter Name, hat jedoch keinen Bezug zum Schneiderhandwerk. Auf einer Hotterkarte findet sich dort auch der Eintrag „Kirchenwieszen“. Über diese Flur verlief einst der sogenannte Kirchenweg, der von Oberrabnitz über Schwendgraben nach Unterrabnitz führte. (Schneida  – sneitan – aushauen, geschlagener Weg; -boun – bodam – kleine Ebene an einem Berg) [22]

Die „Wuigarthee“ (Weingarthöhe) befindet sich am Hang zwischen der Landesstraße nach Karl und dem sogenannten „Berg“. Ihr Name weist auf die Kulturpflanze „Wein“ hin, die hier einst angebaut wurde. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde der Weinbau, vermutlich wegen mangelhafter Qualität, schon früh aufgegeben und die Fläche in Ackerland umgewandelt. In späteren Quellen, insbesondere in den Waisenbüchern, die es schon seit 1650 gibt, zählt sie zu den Rottgründen und es ist nur noch von Weingartäckern bzw. Weingartgestripp die Rede.[23]

Der „Deybl“ (Töpler) ist heute ein Waldstück, das zwischen dem Oberen und dem Unteren Dickwald liegt. Die Fläche wurde einst von den Untertanen gerodet und in Ackerland umgewandelt wie es auf der Hotterkarte von 1780 noch zu erkennen ist. Durch seine ungünstige Lage mit teilweise tiefen Gräben wurde die landwirtschaftliche Nutzung des Töplers bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufgegeben. Seither hat sich der Wald die Fläche zurückerobert. Aufgrund seiner damaligen landwirtschaftlichen Nutzung war diese Ried parzelliert und wurde daher auch nicht Teil des Urbarialwalds (Tobel – eine Vertiefung im Gelände). [24]

Der „Kranzla“ (Kranzler) ist eine Flur, die an den Karler Hotter grenzt. Da die Gemeinde Karl im Mittelalter zum Besitz des Klosters Marienberg zählte und damit einer anderen Herrschaft angehörte, wurde diese Grenze besonders betont. Auf der Hotterkarte 1782 wird sie als „Gräntzl“ bezeichnet – ein Name, der die Grenzlage unterstreicht. Bis ins ausgehende Mittelalter dürfte hier auch Weinbau betrieben worden sein. Zumindest findet sich ein entsprechender Hinweis in der Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1279, die im 16. Jahrhundert frei ins Deutsche übersetzt wurde. Die betreffende Passage lautet: „khumbt man in ein weingartten“. [25] In den Urbaren der Herrschaft Landsee-Lackenbach – das älteste stammt aus dem Jahr 1627 – findet sich jedoch kein Hinweis mehr auf Weinbau. Die zeitgleichen Waisenbücher deuten hingegen darauf hin, dass der Kranzler zu den Rottgründen gehörte. [26]

Urbarialgründe

Urbarialgründe, auch als äußere Feldgründe bezeichnet, lagen vorwiegend in der Nähe vom Ortskern. Sie waren in der damaligen feudalen Zeit untrennbar mit der jeweiligen Hofstelle verbunden und konnten nur gemeinsam mit dieser weitergegeben werden. Der Untertan bewirtschaftete diese Flächen im Rahmen eines Lehensverhältnisses und war dafür zu Abgaben und bestimmten Leistungen verpflichtet.

Das „Mariföld“ (Marienfeld/Marchfeld) ist eine der größten Gewannfluren im Hotter. Seinen Namen erhielt es vom angrenzenden Morigrobm – der mundartlichen Bezeichnung für den Mariengraben. [27]

Der „Lauberg“ (Lauberg) grenzt an den Laugraben, von dem diese Ried auch ihren Namen erhielt. Auf alten Hotterkarten wird sie auch als „Laubberg“ bezeichnet. Sie liegt hinter dem Friedhof, angrenzend an den Laugraben und reicht bis zum Herrschaftswald Schmiedgraben. [28]

Die „Lingau“ (Lengau) ist ein mündlich überlieferter Flurname und wird in früheren Hotterkarten auch als „Untere Auwiese“ geführt. Die Flur liegt in Richtung Schwendgraben, zwischen der Landesstraße und dem Fluss Rabnitz. Aufgrund ihrer schmalen langgestreckten Form und der Lage an der Flussaue dürfte sie den Namen Lengau erhalten haben. [29]

Streitwiese: [30] 

Das „Schmiedföld“ (Schmiedfeld) – grenzt mit ihrer Längsseite an den Schmiedgraben, von dem sie auch ihren Namen erhielt. Diese Flur liegt hinter den Hausgärten der langen Häuserzeile und erstreckte sich früher bis zur Ried Greuten.[31]

Das „Kiriföld“ (Kirchfeld) grenzt an den Kirchengraben von dem es auch seinen Namen erhielt und erstreckt sich hinter der Rechte Häuserzeile im Fuchsgraben (heute – Berggasse) bis zum Kreuz am Güterweg [32]

Der Berg „Berg“ ist eine Gewannflur, die ihren Namen der leichten Erhöhung im Gelände verdankt. Sie liegt ausgehend vom Fuchsgraben am Weg in Richtung Weingraben. [33]

Kleinere Fluren und Plätze innerhalb von Rieden

Die zuvor beschriebenen, sogenannten amtlichen Riede umfassen aus Zweckmäßigkeitsgründen mitunter auch kleinere Gewanne oder Nebenrieden. Deren Namen wurden nicht amtlich erfasst, sondern leben ausschließlich durch mündliche Überlieferung in der Bevölkerung weiter. [34]

Der „Zwickl“ bezeichnete eine kleine, keilförmige Flur innerhalb des Riedes Ortgraben, gelegen an einer Weggabelung – einem sogenannten „Zwickel“. Im Zuge der Kommassierung im Jahr 1995 wurde diese Flur aufgelöst.

Die „Sauhold“ (Viehweide) war eine Weidefläche im Ried Kirchengraben, die von den Urbarialisten noch bis in die Mitte des 20. Jahrhundert als Gemeinschaftsweide genutzt wurde. Danach wurde sie von der Urbarialgemeinschaft teileweise verpachtet. Auch der ortsansässige Tischlermeister Franz Glurdowatz Haus Nr. 49 pachtete einen Teil als Holzlagerplatz.   

Der „Ziaglgrom“ (Ziegelgraben) liegt in der Weggabelung Güterweg / Außersgraben. Um 1900 befand sich hier im Graben eine Ziegelbrennerei, die bis in die 1960er-Jahre betrieben wurde. Nach deren Auflösung wurde die Hanglage als Mistgstetten – also Müllablagerungsplatz – genutzt. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Rückhaltebecken, und an der oberen Hangseite ist die örtliche Müllsammelstelle angelegt.

Die „Wirr“ (Wasserwehr) war am Rabnitzluss gelegen und diente als Abzweigung des Mühlbaches vom Hauptfluss. Sie regelte die Wasserzufuhr für den Betrieb der Mühle. Heute existieren an dieser Stelle nur mehr die Wirr-Brücke über den Rabnitzluss und der anschließende Wirr-Weg, der bis zur Landstraße Oberrabnitz-Karl führt. [35]

Der Ortskern

Der Ortskern wird durch die inneren Hausgründe – die sogenannten Haus- und Hofparzellen – gebildet. Zur besseren Orientierung der Dorfbevölkerung wurde dieser Bereich bereits frühzeitig unterteilt und mit eigenen Bezeichnungen versehen.

Die „Gossn“ (Gasse) – heutige Hauptstraße, wurde früher jener Bereich bezeichnet, in dem den Häusern der „Langen Zeile“ die Häuser der „Kurzen Zeile“ gegenüberstehen – also der Weg zwischen den Häuserzeilen – die Gasse. Im Grundbuch aus dem Jahr 1875 wurde sie als „Gasse im Ort“ bezeichnet.[36]

Der „Fuxgrom“ (Fuchsgraben) – der vom Grom (Am Graben) abzweigt und durch den ein Weg über den Berg Richtung Weingraben führt, wurde um 1870 herum besiedelt. Bevor sich jedoch die Menschen in diesem Gebiet ansiedelten, hatten Füchse in den beidseitig liegenden Geländemulden ihre Höhlen angelegt.

Der „Grom“ (Graben) – verläuft von der Kirche bis zur Abzweigung des Fuchsgrom und liegt im sogenannten Kirchengraben, durch den auch der Kirchenbach fließt.

Der „Ziipf“ (Zipf) – bezeichnet man die Häuser im oberen Teil der Langen Zeile, denen keine anderen Häuser gegenüber standen. (oberes Ende vom Ort – Obere Zipf)

Das „Intererdl“ – bezeichnet man die Häuser im unteren Teil der Langen Zeile, denen ebenfalls keine anderen Häuser gegenüber standen. (Untere Ort – an Ort und Enden – unteres Ende vom Ort)

Das „Gamsplatzl“ (Gänseplatz) – war jener Platz in der heutigen Weggabelung Am Graben / Berggasse. Hier hielten sich einst die Gänse der umliegenden Bauernhäuser auf – ein belebter Ort im dörflichen Alltag.

„Hinta di Gatta“ – werden die (Obst) Gärten hinter der langen Häuserzeile bezeichnet. (Gatter / Zaun – hinter den Zäunen)

Abb. 2: Ortskern im Jahr 1875; Quelle: BLA, Karten- und Plansammlung (A/XIX), Op 44/1a 1875 (mit eigenen Markierungen)

Durch Änderung der Agrarstruktur, Zersiedelung der Landschaft aber auch Verlust der Mundart sind Flurnamen heute vielfach bedroht. Bäuerliche Betriebe mussten aufgegeben oder umstrukturiert werden. Durch eine Flurbereinigung wurden ganze Gebiete umgeformt. Das Verhältnis der Landwirte zu dem Land, das sie bebauen änderte sich mit zunehmender Mechanisierung. Für seine großen Flächen, die er selbst rationell und maschinell bewirtschaftet, genügen wenige Namen. Doch für viele Menschen sind die Flurnamen ein Teil ihres Heimatgefühles und sind daher auch schützenswerte Denkmäler der Geschichte und Sprache.[37]

Anmerkungen

[1] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926, S. 5.
[2] Vgl. ebd. S. 8 f.
[3] Vgl. ebd. S. 8 f.
[4] GIS Burgenland
[5] EPA, Prot. 18, 252 (Waisenbuch)
[6] MNL, OL, S 16-137
[7] EPA, DD, 1858, 4544
[8] EPA, Prot. 3805 (Urbarial 1872)
[9] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926, S. 32.
[10] Vgl. ebd. S. 44.
[11] Vgl. ebd. S. 44.
[12] Vgl. ebd. S. 53.
[13] BLA, MF488 P150
[14] EPA, Prot. 717 (Urbarium 1767)
[15] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926, S. 52.
[16] Vgl. ebd. S. 45, S. 48.
[17] Seedoch, Hans: Zur Urbarialregulierung nach 1848 im Burgenländischen Raum, in: Festschrift für Heinrich Kunnert, Burgenländisches Landesarchiv (Hrsg.), Burgenländische Forschungen, Sonderheft II, Eisenstadt: 1969, S. 187.
[18] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926, S. 48.
[19] Vgl. ebd. S. 38.
[20] Vgl. ebd. S. 53.
[21] Vgl. ebd. S. 55.
[22] Vgl. ebd. S. 19, S. 39.
[23] Vgl. ebd. S. 41.
[24] Vgl. ebd. S. 22.
[25] Lindeck-Pozza, Irmtraut: Die Urkunden von 1271 bis 1301, In: Urkundenbuch des Burgenlandes, Publikationen des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung, 2. Band, Graz/Köln: 1965, S. 127.
[26] EPA, Prot. 18 (Waisenbuch)
[27] Siehe „Morigrobm“
[28] Siehe „Laugraben“
[29] Mündliche Überlieferung
[30] Mündliche Überlieferung
[31] Siehe „Schmiedgraben“
[32] Siehe „Kirchgraben“
[33] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926, S. 19.
[34] Ulbrich, Karl: Siedlungsformen des Burgenlandes, II. Teil Mittelburgenland, in: Burgenländische Heimatblätter, Jg. 4, Heft 3, 1935, S. 147.
[35] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[36] EPA, Prot. 1257
[37] Vollmann Remigius: Flurnamen Sammlung 4. Aufl, München 1926.

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