Geschichte
Musik
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Die Geschichte des Musiklebens in Oberrabnitz erzählt von Menschen, die über Generationen hinweg mit Leidenschaft und persönlichem Engagement eine lebendige musikalische Tradition geschaffen und bewahrt haben. Trotz Kriegen, gesellschaftlicher Umbrüche und großer Veränderungen blieb die Musik ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens und ein Ausdruck von Gemeinschaft und Zusammenhalt.
Eng mit dieser Entwicklung verbunden sind insbesondere die Familien Pfneisl und Kogler sowie Josef Gmeiner. Eine wichtige Grundlage für das örtliche Musikleben schuf dabei ein Brüderpaar der Familie Pfneisl, das sein musikalisches Wissen in das Dorf brachte und damit wesentlich zum Aufbau einer örtlichen Musiktradition beitrug.
Auch Mitglieder der Familie Kogler wirkten über mehrere Generationen hinweg als Musiker, Kantoren, Organisatoren und Ausbildner. Mit Josef Kogler, einem ausgebildeten Kapellenmeister, kamen weitere musikalische Impulse hinzu. Josef Gmeiner führte diese Entwicklung durch seine Mitwirkung in verschiedenen Formationen und die Gründung neuer Ensembles fort.
Von der Tanzkapelle und der Blasmusik Oberrabnitz über die weit über die Region hinaus erfolgreiche Formation Fantasy bis hin zur heute noch aktiven Gruppe Old Fantasy reicht die vielfältige Geschichte des Oberrabnitzer Musiklebens. Die beteiligten Musiker machten das musikalische Schaffen Oberrabnitz’ weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt.
Einen besonderen musikalischen Weg schlug Franz Supper ein. Seine Anfänge lagen im Kirchenchor und in der örtlichen Blasmusikkapelle. Nach einer professionellen Gesangsausbildung begann er eine erfolgreiche Laufbahn als Sänger und gehörte mehr als 35 Jahre dem Ensemble des Salzburger Landestheaters an. Im Jahr 2019 wurde ihm der Berufstitel „Kammersänger“ verliehen. Damit trug auch Franz Supper die musikalische Tradition seines Heimatortes weit über dessen Grenzen hinaus.
Mit der Auflösung der Blasmusik Oberrabnitz im Jahr 2015 ging eine lange Ära zu Ende. Trotz der Unterstützung durch auswärtige Musikerinnen und Musiker konnte der Mangel an aktiven Musikanten schließlich nicht mehr ausgeglichen werden.
Josef Gmeiner hielt seine Erinnerungen und sein umfangreiches Wissen über die musikalische Vergangenheit Oberrabnitz’ in einem Buch fest und bewahrte damit ein wertvolles Stück Dorfgeschichte für kommende Generationen.
Anhand von Auszügen aus diesem Werk zeichnet die vorliegende Chronik die Entwicklung des Oberrabnitzer Musiklebens von seinen Anfängen bis in die jüngste Vergangenheit nach. Sie erinnert an jene Menschen, die mit Begeisterung und persönlichem Einsatz das musikalische Leben des Ortes geprägt und damit eine Tradition geschaffen haben, die Oberrabnitz über Generationen hinweg kulturell und gesellschaftlich bereichert hat.
Geschichtliche Entwicklung
Wechselhaft wie die Geschichte des Landes verlief auch die Entwicklung der Blasmusik im Burgenland. Trotz der oft schwierigen Bedingungen bewahrte sich die Bevölkerung ihre Liebe zur Musik und zur Geselligkeit. Die Geschichte der Blasmusikkapellen spiegelt daher in vieler Hinsicht die Landesgeschichte wider.
Bereits ab dem 17. Jahrhundert sind im heutigen Burgenland zivile Bläserensembles nachweisbar. Einen entscheidenden Aufschwung erlebte das Musikleben nach dem Vereinsgesetz von 1852, das die Gründung von Vereinen ermöglichte. Bis etwa 1870 entstanden zahlreiche, meist nach ihrem Kapellmeister benannte Privatkapellen. Das Musizieren diente vor allem als Erwerbsquelle und erfolgte gegen Bezahlung bei Hochzeiten, Kirtagen, Begräbnissen und anderen Feierlichkeiten.
Während der Österreichisch-Ungarischen Monarchie prägten Militärmusiker aus den Garnisonen in Sopron und Szombathely das zivile Blasmusikwesen nachhaltig. Bis zum Ersten Weltkrieg war die Zahl der Musikkapellen auf rund 70 angewachsen. Der Krieg und die politischen Umbrüche nach 1918 führten jedoch zum Niedergang vieler Ensembles.
Mit dem Anschluss des Burgenlandes an Österreich im Jahr 1921 setzte erneut ein Aufschwung ein. Bis zum Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Kapellen auf rund 220. Für viele Musiker war das Musizieren ein wichtiger Nebenverdienst oder sogar die Haupteinnahmequelle. Während der Zeit des Nationalsozialismus führten Krieg, Einberufungen und politische Eingriffe erneut zur Auflösung zahlreicher Kapellen.
Nach 1945 begann der Wiederaufbau des burgenländischen Blasmusikwesens. Trotz des Verlustes vieler Musiker, Instrumente und Notensammlungen entstanden mit großem persönlichem Einsatz wieder neue Kapellen. Die Sehnsucht der Bevölkerung nach Musik, Tanz und Geselligkeit trug wesentlich dazu bei, dass das musikalische Leben im Burgenland rasch wieder aufblühte.
Anfänge der Musik in Oberrabnitz
Kompaniemusik für die neugegründete Ortsfeuerwehr
Mit der Neugründung der Freiwilligen Feuerwehr 1890 entwickelte sich eine engere Verbindung zwischen Feuerwehr und Musikkapelle, da die Feuerwehr eine sogenannte „Kompaniemusik“ benötigte. Diese bestand damals aus einer gemischten Blech- und Streichkapelle.
Unbestritten ist, dass sich die Schullehrer Josef Berghofer, Josef Fröch und später auch Josef Wiesinger große Verdienste um das örtliche Musikleben – sowohl in der Kirchenmusik als auch im weltlichen Bereich – erwarben. Inwieweit sie bei der Ausbildung der Musiker dieser gemischten Streich- und Blaskapelle beteiligt waren, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachvollziehen.
Es ist jedoch anzunehmen, dass viele Jugendliche zunächst von älteren Musikanten unterrichtet wurden. Darüber hinaus brachten vor allem ehemalige Militärmusiker wertvolle musikalische Kenntnisse und Erfahrungen mit, die sie an die nächste Generation weitergaben. Besonders hervorzuheben sind die Brüder Johann und Stefan Pfneisl. Als Angehörige des Ungarischen k. k. Infanterieregiments Nr. 76 in Sopron (Ödenburg) erhielten sie eine vierjährige musikalische Ausbildung. Mit ihrem Wissen prägten sie das Musikleben in Oberrabnitz nachhaltig und führten die örtliche Musiktradition entscheidend weiter.
Musikalische Unterrichtsmaterialien
Ein bedeutendes Unterrichtswerk der Klarinettenausbildung war die Klarinettenschule von Robert Kietzer. Generationen von Musikern erlernten damit das Klarinettenspiel. Das Lehrwerk erschien bereits vor dem Ersten Weltkrieg, wurde weltweit in Millionenauflage verbreitet und an Konservatorien, Musikschulen sowie im Privatunterricht verwendet.
Die Schule vermittelt die Grundlagen des Klarinettenspiels und behandelt neben der Spieltechnik auch musiktheoretische Inhalte sowie das Instrument selbst. Ergänzt wird sie durch Grifftabellen für das am weitesten verbreitetet Boehm-System, mit mehr Griffkombinationen und das deutsche Griffsystem, mit weniger Klappen und daher einer kürzeren Tabelle.
Von Lehrwerken für andere Blasinstrumente sind keine Unterlagen erhalten. Vermutlich erfolgte deren Ausbildung mit ähnlichen Schulen, vielfach aber auch in der Praxis, indem erfahrene Musikanten ihr Wissen an die jüngere Generation weitergaben.
Musiker im Ungarischen Infanterieregiment Nr. 76
Die Militärmusikkapelle des k. k. Infanterieregiments Nr. 76, stationiert in Esztergom, blickte auf eine lange Tradition zurück. Die Militärmusiker erhielten eine vierjährige Ausbildung, bei der sie neben einem Blasinstrument auch ein Streichinstrument erlernen mussten. Auch die Brüder Johann und Stefan Pfneisl absolvierten diese Ausbildung. Johann erlernte Helikon und Bassgeige, Stefan Posaune und Violine. Mit ihren erworbenen Kenntnissen leisteten beide einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Musiklebens in Oberrabnitz.
In der Donaumonarchie gewann die Militärmusik zunehmend auch als Unterhaltung für Soldaten und Zivilbevölkerung an Bedeutung. Aus den Musikkorps bildeten sich kleinere Ensembles, die als Streichorchester oder Kammermusikformationen auftraten. Besonders begabte Militärmusiker wie auch Kapellmeister konnten durch private Engagements ihren Sold aufbessern. Der oftmals angestrebte Wechsel zwischen den Regimentern förderte zudem den musikalischen Austausch und trug wesentlich zur Steigerung der musikalischen Qualität bei.
Zu den bedeutendsten Militärkapellmeistern der Donaumonarchie zählte Carl Michael Ziehrer (*1843 +1922). Von 1875 bis 1878 wirkte er als Militärkapellmeister des k. k. Infanterieregiments Nr. 76 und prägte die altösterreichische Militärmusik nachhaltig.
Am 1. Mai 1878 folgte ihm Anton Rosenkranz (*1827 +1888) als Kapellmeister des Regiments nach. Im selben Jahr wurde das Regiment im Zuge des Okkupationsfeldzuges nach Bosnien-Herzegowina verlegt und war später unter anderem in Sarajewo, Graz und Sopron (Ödenburg) stationiert. Rosenkranz blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1888 Kapellmeister des Regiments.
Sein bekanntestes Werk ist der „76er Regimentsmarsch“, der bis heute Traditionsmarsch des Militärkommandos Burgenland ist. Ursprünglich als „76er Regimentssignal“ komponiert und zeitweise auch „Ödenburger Marsch“ genannt, setzte sich später die heutige Bezeichnung durch.
Wie umfangreich das Repertoire der k. k. Infanterieregimentskapellen war, zeigt ein Marschbuch für Es-Klarinette von Franz Kogler, das sich heute im Besitz von Gottfried Kogler sen. befindet. Eine handschriftliche Widmung mit dem Vermerk „Ödenburg 1895“ beim Marsch „Warum?“ deutet darauf hin, dass die Brüder Johann und Stefan Pfneisl das Marschbuch nach ihrer Entlassung aus dem k. k. Infanterieregiment Nr. 76 am Ende des Ersten Weltkrieges nach Oberrabnitz mitbrachten.
Die darin enthaltenen Märsche geben einen Eindruck vom umfangreichen Repertoire der Militärmusiker, die eine Vielzahl an Werken beherrschten und jederzeit aufführen konnten.
Zu den im Marschbuch enthaltenen Kompositionen zählen unter anderem:
„Kriegskammer-Marsch“, „Jessas na!“, „Castaldo-Marsch“, „Margaretha-Marsch“, „Unter dem Doppeladler“, „Cordier-Marsch“, „Österreichs Söhne soll man ehren“, „Promenade-Marsch“, „73er Regimentsmarsch“, „Fanfaren-Marsch“, „Der schmucke Leutnant“, „Der alte Soldat“, „Parade-Defiliermarsch“, „Marine-Marsch“, „Der Kaiser kommt“, „Günser Manövermarsch“, „Radetzky-Marsch“, „Warum?“, „Regimentssignal-Marsch“, „Mein Österreich“, „Prinz Eugen-Marsch“, „Hoch Habsburg“, „49er Regimentsmarsch“, „Der kleine Korporal“, „Erzherzog Leopold Ferdinand-Marsch“, „Aller Ehren ist Österreich“ sowie der „Deutschmeister-Marsch“ und der „Tiroler Kaiserjäger-Defiliermarsch“.
Die österreichischen Militärmärsche unterschieden sich von jenen anderer Staaten durch Einflüsse der deutschen, böhmischen, ungarischen und slowakischen Musiktradition. Ihr charakteristischer leichter, schwungvoller Stil prägte auch die Militärkapellen der nach 1918 entstandenen Nachfolgestaaten der Donaumonarchie. Neben dem musikalischen Stil wurden vielfach auch Besetzung und Aufführungspraxis übernommen.
Vor dem Beginn eines Marsches gab der „kleine Tambour“ das Signal. Im siebenten Takt setzten große Trommel und Tschinellen (Becken) ein, ehe im folgenden Takt die gesamte Kapelle zu spielen begann.
Auch die Marschordnung folgte festen Grundsätzen: Vorne marschierten die Melodieinstrumente, dahinter Trompeten, Hörner und Posaunen. Den rechten Flügel bildeten Tenorinstrumente, Euphonien und Bässe, den Abschluss die Schlaginstrumente.
Die Militärmusik profitierte im 19. Jahrhundert von den technischen Fortschritten im Instrumentenbau, insbesondere von der Einführung der Ventiltechnik. Gleichzeitig erlebten Walzer und Polka einen großen Aufschwung und prägten auch das Repertoire der Militärkapellen.
Bereits ab den 1820er-Jahren traten Militärkapellen neben ihren militärischen Aufgaben auch bei Konzerten, Bällen und anderen Veranstaltungen auf. Sie musizierten je nach Anlass als Blas- oder Streichorchester, und viele Militärkapellmeister komponierten neben Märschen auch Walzer, Polkas und andere Tanzmusik.
Nach ihrer Entlassung gründeten zahlreiche Militärmusiker private Musikkapellen, die sich in Besetzung, Repertoire und Aufführungspraxis an der Militärmusik orientierten. Auch die Marschtradition blieb erhalten: Nach dem Trommelsignal („Einschlagen zum Marsch“) spielt zunächst die kleine Trommel, anschließend setzen große Trommel und Becken ein, bevor die gesamte Kapelle mit dem Marsch beginnt.
Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kehrten die zum Kriegsdienst eingerückten Musiker nach und nach in ihre Heimatorte zurück. Gemeinsam mit den älteren Musikanten bauten sie bestehende Musikkapellen wieder auf oder gründeten neue Ensembles.
In Oberrabnitz übernahm Stefan Pfneisl, der wie sein Bruder Johann seine musikalische Ausbildung bei der Militärmusik in Sopron (Ödenburg) erhalten hatte, die Leitung der Ortskapelle. Er prägte das musikalische Leben des Ortes und stand der Kapelle bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als Kapellmeister vor.
Streicher und Bläser in der Zwischenkriegszeit
Ortskapelle
1935 erwarb Stefan Pfneisl den Kapellmeisterberechtigungsschein, der zur gewerbsmäßigen Ausübung der Tätigkeit als Kapellmeister berechtigte. Dem Antrag bei der Kapellmeisterunion Österreichs waren unter anderem Nachweise über die fachliche Befähigung, die bisherige Tätigkeit, eine Bestätigung der Wohngemeinde sowie ein Leumundszeugnis beizulegen.
Eine Verordnung der Bundesregierung vom 28. Dezember 1933 sah bei Verstößen empfindliche Strafen vor:
„[…] Wer nach dem 1. Mai diese Tätigkeit, wenn er dafür in irgendeiner Form entlohnt wird, ohne Berechtigungsschein ausübt, ebenso aber, wer Kapellmeister beschäftigt, die nicht im Besitze eines Berechtigungsscheines sind, wird mit Geld bis zu 1.000 Schilling oder mit Arrest bis zu zwei Wochen bestraft.“
Mit dem Berechtigungsschein erfüllte Stefan Pfneisl die gesetzliche Voraussetzung, die Musikkapelle Oberrabnitz bis 1938 offiziell zu leiten.
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurden zahlreiche Ortskapellen aufgelöst. Andere durften ihre Tätigkeit, die durch den sogenannten Stillhaltekommissar gestattet wurde unter bestimmten Auflagen fortsetzen. Voraussetzung waren der Beitritt zur Reichsmusikkammer sowie die Übernahme nationalsozialistischer Organisations- und Führungsprinzipien in die Vereinsstatuten.
Auch die Ortskapelle Oberrabnitz unter der Leitung von Stefan Pfneisl gehörte zu diesen „freigestellten“ Kapellen und konnte zunächst weiterbestehen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 musste sie ihren Proben- und Spielbetrieb jedoch einstellen, da mehrere Musiker zur Deutschen Wehrmacht eingezogen wurden.
Während die Ortskapelle infolge der Einberufung zahlreicher Musiker zum Kriegsdienst ihren Spielbetrieb einstellen musste, trat Franz Hauser weiterhin als Alleinunterhalter auf. Bereits von 1931 bis 1934 besaß er eine Gewerbeberechtigung für das Musikgewerbe.
Vor allem die Dorfjugend engagierte ihn zur musikalischen Umrahmung von Theateraufführungen und anderen Veranstaltungen. Seine Gage bestand häufig aus Naturalien wie Speisen und Getränken. Auch bei den Gastwirten war Franz Hauser ein geschätzter Musikant und erhielt als Anerkennung für seine Darbietungen nicht selten ein „Achterl“ Wein.
Musiker in der Deutschen Wehrmacht
Gottfried Kogler sen. berichtet im Interview über seinen Vater Franz Kogler (*1906 +1976) und dessen musikalischen Werdegang während des Zweiten Weltkrieges:
„Mein Vater war Klarinettist bei der Ortskapelle Oberrabnitz und auch bei kirchlichen Anlässen engagiert. So hätte er auch im Jahr 1939 die Prozession zu Fronleichnam leiten sollen. Diese wurde jedoch vom damaligen Ortsleiter der NSDAP untersagt und mein Vater wurde kurz vor dem Fronleichnamstag zur Wehrmacht eingezogen, normalerweise wäre er gar nicht drangekommen zum Einrücken.
Er ist dann nach Lundenburg – drüber Hainburg – gekommen, wo er ein halbes Jahr lang eigentlich nichts machen musste. Danach kam er nach Berlin und das war ein Glück für ihn. Dort musste ein gewisser Rameis (hat Märsche geschrieben) eine Musikkapelle für militärische Empfänge aufstellen. Kapellmeister Rameis suchte einen Es-Klarinettisten und das war das Glück für meinen Vater. Er absolvierte das Probespielen und wurde aufgenommen. Als Besatzungssoldat kam er dann nach Norwegen, Finnland bis zum Polarkreis. Nach der Zeit in Berlin kam er nach St. Petersburg und war dann auch in den Krieg involviert.“
Tanz- und Marschmusik nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten die Musiker der Ortskapelle nach und nach aus den Kriegsgebieten und der Kriegsgefangenschaft in ihre Heimat zurück. Bald nahmen sie ihre Instrumente wieder zur Hand und begannen, das musikalische Leben im Ort neu aufzubauen.
Eine der ersten Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren bot 1946 die Doppelhochzeit von Josef Pfneisl Haus Nr. 53 („Hagl Pep“) und Franz Kogler Haus Nr. 73. Josef Pfneisl heiratete die Schwester von Franz Kogler, während Franz Kogler Theresia Seidl Haus Nr. 69 heiratete.
Das Hochzeitsfoto dokumentiert zugleich den Generationenwechsel innerhalb der Ortskapelle. Johann und Stefan Pfneisl sind darauf rechts neben dem Bräutigam zu sehen. Vermutlich wirkten beide in den folgenden Jahren noch bei der Marschmusik mit, gehörten jedoch nicht mehr der Tanzmusikformation an. Josef Pfneisl („Schweinzer Sepp“) fehlt auf dem Foto, da er erst 1947 aus dem Krieg heimkehrte.
Abb. 12: linkes Brautpaar: Seidl Theresia und Franz Kogler; rechtes Brautpaar: Kogler Maria und Pfneisl Josef; rechts vom Bräutigam sein Vater Johann Pfneisl mit seiner Frau und seinem Onkel Stefan Pfneisl; Musikanten von links nach rechts: Fraller Johann, Haus Nr. 14, Jg. 1913 (Bassgeige); Seidl Johann, Haus Nr. 12, Jg. 1923 (Banjo); Hettlinger Stefan, Haus Nr. 8, Jg. 1908 (Klarinette, Saxofon); Franz Wagner, Schwendgraben (Akkordeon); Kogler Franz, Haus Nr. 51, Jg. 1906 (Klarinette, Saxofon); Fraller Franz, Haus Nr. 68, Jg. 1924 (Trommel); Quelle: Privatarchivalien Oberrabnitz, Konvolut
Verfügte eine Musikkapelle über eine Blas- und eine Streichbesetzung, wurde bei Tanzveranstaltungen meist die Streichmusik bevorzugt. So war es auch in Oberrabnitz. Das Spiel auf Streichinstrumenten war über längere Zeit weniger anstrengend, während zur Abwechslung einzelne Stücke zwischendurch in Blasorchesterbesetzung gespielt wurden.
Besonders bei den Kirtagen zeigte sich dieser Wechsel: Im Freien spielte die Kapelle als Blasorchester, zum Tanz im Saal wechselte sie zur Streichmusik. Beim traditionellen „Nachhausespielen“ begleitete schließlich wieder die Blasmusik.
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg gestaltete die Ortskapelle kirchliche Feierlichkeiten wie Fronleichnamsprozessionen, Hochämter, Feldmessen, Fahnen- und Glockenweihen sowie Firmungen musikalisch mit. Johann und Stefan Pfneisl hatten sich inzwischen aus der Tanzmusik zurückgezogen und wirkten nur noch einige Jahre bei der Marschmusik mit, bevor sie ihr aktives Musikerleben beendeten.
Inzwischen hatte sich auch die Tanzbesetzung der Ortskapelle Oberrabnitz neu formiert.
Abb. 14: Die neuformierte Musikkapelle Oberrabnitz um 1950: von links nach rechts: Thaddäus Soltis (Schlagzeug); Johann Seidl (Gitarre); Josef Pfneisl, Haus Nr. 53, Jg. 1920 (Posaune); Josef Pfneisl, Haus Nr. 58, Jg. 1907 (Violine); Franz Kogler (Es-Saxophon); hintere Reihe: Josef Kogler, Haus Nr. 69, Jg. 1931 (Ziehharmonika); Johann Fraller, Haus Nr. 14, Jg. 1913 (Bassgeige); Stefan Hettlinger (B-Saxophon); Quelle: Privatbesitz der Familie Kogler
Um öffentlich musizieren zu dürfen, benötigten Musikkapellen eine behördliche Bewilligung. Franz Kogler beantragte diese ab 1953 und ließ sie jährlich erneuern.
Für die Erteilung der „Produktionslizenz zur Führung einer Musikkapelle“ waren fachliche Voraussetzungen nachzuweisen. Wer vor 1938 keine Kapellmeisterberechtigung besessen oder nicht mindestens zehn Jahre eine Musikkapelle geleitet hatte, musste eine Prüfung ablegen. Diese umfasste Musiklehre, Instrumentalspiel, Instrumentenkunde, Harmonielehre, Instrumentierung, Literaturkenntnisse sowie die praktische Leitung einer Musikkapelle.
Der ausgestellte Bescheid war stets mitzuführen und den Behörden auf Verlangen vorzuweisen. Neuaufnahmen von Kapellenmitgliedern mussten innerhalb von zwei Wochen gemeldet werden.
Zu den häufigsten Spielanlässen der Ortskapelle zählten Kirtage, Feuerwehrbälle, Geburtstagsfeiern und Hochzeiten. Der Oberrabnitzer Kirtag wurde traditionell zu Christi Himmelfahrt gefeiert. Die Kapelle begleitete die Burschen zur Kirche und spielte sie anschließend mit Marschmusik zum Gasthaus, wo zunächst ein Platzkonzert und danach Tanzmusik erklang.
Besonders gesellig waren der „Nachkirtag“ und der „Nachball“. Letzteres war sehr beliebt, da traditionell von den örtlichen Jägern gespendetes Wildgulasch serviert wurde.
Auch bei Geburtstagsfeiern musizierte die Ortskapelle mit einigen „Gassenstückln“ vor dem Haus des Jubilars. Besonders geschätzte Spielanlässe waren auch Hochzeiten.
Eine weitere feste Tradition der Ortskapelle war das „Neujahrsspiel“. Nach der Silvestertanzveranstaltung – etwa dem Bauern- oder Arbeiterball – zogen die Musikanten in den frühen Morgenstunden musizierend durch das Dorf, überbrachten den Bewohnern ihre Neujahrswünsche und sangen das ortstypische „Neujahrslied“.
Das Oberrabnitzer Neujahrslied:
„Wir fangen an mit uns´ren Stimmen – weil ein Jahr zu Ende geht.
Drum höret an was wir euch wünschen – wir wünschen ein glückselig´s Neues Jahr!
Danket alle noch in diesem Jahre – dem lieben Gott für seine vielen Gab´,
ll: Ja es ist wahr was wir euch wünschen – ein glückselig´s Neues Jahr!“ :ll
Auch die Faschingszeit nach dem Jahreswechsel wurde ausgiebig gefeiert und bot zahlreiche Gelegenheiten für die Ortskapelle bei Faschingsumzügen mitzuwirken – später vor allem bei Kinderfaschingsumzügen.
Um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, war die Ortskapelle immer wieder auf Aushilfsmusiker angewiesen. Besonders häufig wechselte die Besetzung der Trommler. In solchen Fällen sprangen Musiker aus dem Ort ein, darunter Stefan Brandl und Franz Fraller. Aus Dörfl wirkte zudem wiederholt Franz Laschitz mit.
Auch auswärtige Ziehharmonikaspieler unterstützten die Oberrabnitzer Musiker, darunter Franz Schrödl aus Stoob. Dank dieser Zusammenarbeit konnte der Spielbetrieb trotz personeller Engpässe ohne größere Unterbrechungen fortgeführt werden.
In den 1950er- und 1960er-Jahren vollzog sich innerhalb der Musikkapelle ein weiterer Generationenwechsel. Während erfahrene Musiker wie Franz Kogler, Josef Pfneisl („Schweinzer Sepp“), Josef Pfneisl („Hagl Pep“) und Johann Fraller weiterhin aktiv blieben, schieden langjährige Mitglieder wie Stefan Hettlinger, Josef Kogler, Johann Seidl und Thaddäus Soltis aus.
Gleichzeitig rückte eine neue Musikergeneration nach. Gottfried Kogler übernahm nach dem tragischen Unfalltod seines Bruders Josef dessen Platz am Akkordeon. Stefan Hettlingers Sohn Ernst trat dessen Nachfolge an und spielte Saxofon und Klarinette. Für die Marschmusik kam Horst Supper als Trompeter hinzu. Nach mehreren, teils auswärtigen Trommlern übernahm schließlich Ernst Kogler diese Aufgabe. Später spielte er ebenso in der Tanzmusik wie Johann Fraller jun., der B- und Es-Saxofon sowie Klarinette spielte, und Franz Gmeiner am Bass.
Tanzmusik in den 60er und 70er Jahren
Die personellen Veränderungen setzten sich in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre fort. Horst Supper spielte nun auch in der Tanzmusik, Gottfried Puhr verstärkte die Kapelle an Es-Saxofon und Klarinette, während Josef Fraller die E-Gitarre übernahm. Später wurde er von Josef Gmeiner „Wipf“ abgelöst.
So entstand jene Formation, die unter der Leitung von Gottfried Kogler als „Tanzkapelle Oberrabnitz“ weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt wurde.
Tanzkapelle Oberrabnitz
Über mehr als ein Jahrzehnt prägte die „Tanzkapelle Oberrabnitz“ das gesellschaftliche und kulturelle Leben weit über die Bezirksgrenzen hinaus. Kaum eine Ortschaft der Umgebung blieb unbespielt – ob bei Hochzeiten, Bällen, Zelt- und Oktoberfesten oder anderen festlichen Anlässen. Rückblickend kann diese Zeit als Glanzperiode der Kapelle bezeichnet werden.
Auch die Besetzung passte sich den musikalischen Entwicklungen an und wurde zunehmend moderner. Mit drei Saxofonisten, die zugleich Klarinette spielten, einem Trompeter, einem Keyboarder beziehungsweise Akkordeonisten, Schlagzeug, Bassgitarre beziehungsweise Euphonium sowie E-Gitarre war die Tanzkapelle bestens aufgestellt, um zeitgemäße Tanzmusik zu spielen. Mit dieser Besetzung gelang es der Tanzkapelle, das zeitgenössische Repertoire überzeugend umzusetzen und sich weit über die Region hinaus einen ausgezeichneten Ruf zu erarbeiten.
Nach mehreren personellen Veränderungen begann 1969 jene Zeit, die als Blütezeit der Tanzkapelle Oberrabnitz in Erinnerung geblieben ist. Trotz der eingespielten Besetzung fielen einzelne Musiker, etwa während ihres Präsenzdienstes beim Bundesheer, vorübergehend aus. Für Ersatz wurde jedoch stets gesorgt, damit die vereinbarten Engagements – in der Regel mit acht Musikern – verlässlich erfüllt werden konnten.
Wie damals üblich, galten auch mündliche Vereinbarungen als verbindlich. Meist hielt man die wichtigsten Abmachungen jedoch schriftlich auf einem einfachen Blatt Papier fest.
Bis sich die Bezeichnung „Tanzkapelle Oberrabnitz“ allgemein durchgesetzt hatte, wurde die Gruppe auf gedruckten Einladungen häufig noch als „Kapelle Kogler“ angekündigt. Dies unterstreicht die enge Verbindung zur Familie Kogler, die das musikalische Leben in Oberrabnitz über Jahrzehnte maßgeblich prägte.
Ab 1969 war die Tanzkapelle Oberrabnitz fast ein Jahrzehnt lang auf unzähligen Veranstaltungen im Einsatz. Wie schon ihre Vorgänger spielte sie bei Kirtagen, Hochzeiten, Bällen, Zeltfesten und vielen weiteren gesellschaftlichen Anlässen. Daneben zählten auch mehrere Großveranstaltungen zu den Höhepunkten ihrer musikalischen Tätigkeit.
Dazu gehörte das 1968 ins Leben gerufene Oktoberfest mit Burgenlandschau in Markt St. Martin. Rund 70 Betriebe aus Industrie, Handel und Gewerbe präsentierten sich in Ausstellungshallen und auf einem weitläufigen Freigelände. Im Bierzelt mit rund 1.400 Sitzplätzen wurde die Atmosphäre des Münchner Oktoberfestes nachempfunden, während im benachbarten Weinzelt burgenländische Weine und regionale Spezialitäten angeboten wurden. Für die musikalische Unterhaltung sorgten täglich verschiedene Kapellen. Während im Bierzelt unter anderem die damals bekannten „Linzer Buam“ auftraten, spielte im Weinzelt die Tanzkapelle Oberrabnitz.
Veranstaltet wurde das Fest unter Bürgermeister Karl Gabriel, der zahlreiche politische Persönlichkeiten, Vertreter des Rundfunks und bekannte Sportler nach Markt St. Martin brachte. Zu den Attraktionen zählte auch die Versteigerung eines ausgestellten Rolls-Royce. Bereits die erste Burgenlandschau mit Oktoberfest zog trotz wechselhafter Witterung rund 20.000 Besucher an.
Die Veranstaltung fand von 1968 bis 1982 statt. Auch die Oberrabnitzer Musikanten waren mehrfach zu Gast und traten unter anderem 1971 gemeinsam mit der bekannten bayerischen Oktoberfestkapelle Gossen auf.
Zahlreiche Auftritte absolvierte die Tanzkapelle auch während der Ballsaison. Besonders beliebt war sie in Draßmarkt, wo ihre Engagements regelmäßig zu den Höhepunkten der Ballveranstaltungen zählten.
Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte der Tanzkapelle Oberrabnitz war die Begegnung mit einer Studentengruppe aus Afrika. Bei einem Auftritt in Horitschon äußerte einer der anwesenden Studenten den Wunsch, gemeinsam mit der Kapelle ein Lied vorzutragen. Es handelte sich um den aus Kenia stammenden Dr. Robert Ischiey, der von seinen Freunden Luki und Francesco begleitet wurde.
Aus dieser musikalischen Begegnung entwickelte sich, vor allem mit Robert, eine enge und langjährige Freundschaft. Am eindrucksvollsten schildert Gottfried Kogler diese außergewöhnliche Geschichte selbst:
„Robert wollte mit uns einen englischen Titel singen…ich glaube „Sunday morning“ oder ähnlich…Kommt auf die Bühne und singt mit uns den Song auf Englisch. … Das war eine Begeisterung! Es entstand eine Freundschaft zwischen uns und in den nächsten Jahren kamen sie immer wieder zu unseren Auftritten. Am 21. November 1971 kam dann Robert mit seinen Studenten aus Kenia und von der Elfenbeinküste nach Oberrabnitz, wo wir gemeinsam einen Folkloreabend veranstalteten. Das war natürlich etwas Besonderes für unsere Gegend.
Das Repertoire der Tanzkapelle
Aus heutiger Sicht lässt sich feststellen, dass die Tanzkapelle Oberrabnitz mit ihrer Besetzung nahezu das gesamte Spektrum der Tanzmusik der 1970er-Jahre als Liveband abdecken konnte. Dank eines hervorragend besetzten Bläsersatzes und passender Gesangsstimmen interpretierte sie Volksmusik, Schlager sowie Beat-, Rock- und Popmusik stilgerecht. Die stets gut gefüllten Tanzflächen zeugten von ihrer großen Beliebtheit.
Zum Repertoire gehörten Walzer und Polkas ebenso wie tschechische Blasmusik, Schlager, Foxtrott, Slowfox, Cha-Cha-Cha, Twist sowie später Beat- und Popmusik. Moderne Arrangements ermöglichten eine laufende Erweiterung des Programms und eine Anpassung an den jeweiligen Musikgeschmack. Gegen Mitternacht waren langsame Walzer, Blues, Tango und gefühlvolle Schlager besonders gefragt. Viele dieser Stücke spielten die Musiker auswendig und erfüllten gerne Musikwünsche aus dem Publikum.
Ein Ballabend dauerte oft bis in die frühen Morgenstunden. In den Pausen schwangen die Musiker selbst das Tanzbein, besonders bei der Damenwahl. Für zusätzliche Unterhaltung sorgten Tanzspiele und Einlagen, allen voran der beliebte „Jägermarsch“, bei dem das Publikum begeistert mitmachte.
Bei Hochzeiten gehörte neben der Tanzmusik auch die Marschmusik zum festen Ablauf. Die Kapelle begleitete die Hochzeitsgesellschaft zur Kirche und anschließend zum Gasthaus. Ebenso umrahmte sie kirchliche Feierlichkeiten, etwa Fronleichnamsprozessionen, in traditioneller Weise.
Den Kern der Marschmusik bildeten die acht Musiker der Tanzkapelle. Verstärkt wurden sie von jungen Burschen aus Oberrabnitz und Karl sowie vereinzelt von älteren Musikanten, die weiterhin mitwirkten und so die Verbindung zwischen den Generationen bewahrten.
Abb. 23: von links nach rechts: Josef Pfneisl, Haus Nr. 53, Jg. 1920 (Posaune), Josef Kogler (Zugposaune); Johann Fraller (Klarinette); Ernst Hettlinger (Klarinette); Gerhard Liebentritt (Trompete); Horst Supper (Trompete); hinten: Ernst Kogler (Trommel); Franz Supper (Es-Trompete); Josef Gmeiner (ES-Trompete); Josef Brandl (Flügelhorn); Puhr Gottfried (Klarinette); hinten verdeckt: Franz Gmeiner (Bass); Quelle: Privatarchivalien Oberrabnitz, Konvolut
Nach einem erfolgreichen Jahrzehnt zog sich Kapellmeister Gottfried Kogler aus dem aktiven Musikgeschehen zurück und schied aus der Tanzkapelle Oberrabnitz aus. Die verbleibenden Musiker führten den Spielbetrieb zunächst fort. Bei einigen Auftritten übernahm Josef „Wipf“ Gmeiner das Akkordeon, bis 1976 mit Herbert Janits aus Weingraben ein neuer Akkordeonist und Keyboarder zur Kapelle stieß und Josef Gmeiner sich wieder der Gitarre widmete.
Herbert Janits bereicherte die Tanzkapelle mit seinem musikalischen Können und setzte nochmals neue Impulse. Sein Engagement währte jedoch nur kurze Zeit, sodass das Ende der Tanzkapelle Oberrabnitz schließlich absehbar wurde.
Zur Auflösung trugen auch veränderte Lebensumstände bei. Mehrere Musiker waren inzwischen feste Partnerschaften eingegangen, und die zahlreichen Wochenendauftritte mit ihren langen Nächten ließen sich auf Dauer nur schwer mit dem Privat- und Familienleben vereinbaren.
Den letzten öffentlichen Auftritt absolvierte die Tanzkapelle 1980 in „Ewald Weinstadel“ in Oberrabnitz.
Tanzmusik in den 80er Jahren
Oberrabnitzer Musikanten
Nur zwei Jahre später ergriff Josef „Wipf“ Gmeiner erneut die Initiative und gründete 1982 gemeinsam mit zwei langjährigen Weggefährten und zwei jungen Musikfreunden die „Oberrabnitzer Musikanten“.
Zur Besetzung gehörten Josef „Wipf“ Gmeiner (Akkordeon, Keyboard und Gitarre), Horst Supper (Trompete), Ernst Hettlinger (Klarinette und B-Saxofon), Werner Seidl (Schlagzeug) sowie Josef Kogler (Bassgitarre, Euphonium und Zugposaune).
Das Repertoire knüpfte zunächst an die Tanzkapelle Oberrabnitz an und wurde um zeitgenössische Titel erweitert. Erhaltene Aufzeichnungen belegen zahlreiche Auftritte bei Bällen und Hochzeiten in der Region.
Nach rund drei Jahren stellte die Gruppe ihre Tätigkeit vorübergehend ein, nahm den Spielbetrieb jedoch bereits 1986 mit teilweise neuer Besetzung wieder auf. René Radostics aus Stoob (Gitarre) und Joschi Hatvan aus Lockenhaus (Saxofon und Klarinette), beide zuvor Mitglieder der Gruppe „Kometen“, verstärkten die Formation. Neben moderner Tanzmusik fanden nun auch kroatische Lieder Eingang in das Programm.
Am 18. Februar 1987 führte der Weg erstmals über die Bezirksgrenzen hinaus: Das Forum Burgenländischer Wanderarbeiter engagierte die Oberrabnitzer Musikanten für eine Tanzveranstaltung im Wiener Kongresshaus. Dieser Auftritt markierte einen wichtigen Meilenstein und bestärkte die Musiker, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Bald entstanden Pläne für eigene Schallplattenaufnahmen. Mit dem von René Radostics komponierten Titel Daniela entstand in einem Tonstudio im Südburgenland die erste Probeaufnahme.
Mit dem nächsten Schritt gab sich die Gruppe einen neuen, zeitgemäßen Namen: „Happy Sound Combo“. Unter dieser Bezeichnung absolvierte sie am Ostersonntag, dem 19. April 1987, im Gasthaus Fruhmann in Oberrabnitz ihren ersten öffentlichen Auftritt.
Habby Sound Combo
Im Laufe des folgenden Jahres absolvierte die Happy Sound Combo zahlreiche Auftritte im Bezirk und gestaltete unter anderem den Feuerwehrball in Stoob, den Sportlerball in Unterrabnitz sowie den Arbeiterball in Oberpullendorf.
Zu diesem Zeitpunkt ahnten die Musiker der Happy Sound Combo noch nicht, dass der vermeintlich moderne Name schon bald wieder Geschichte sein würde. Der Plan, eigene Schallplattenaufnahmen zu verwirklichen, wurde in den Sommerferien 1987 konkret.
Josef „Wipf“ Gmeiner, damals Lehrer in Wien, lernte dort seinen späteren engen Freund und Kollegen Peter Unterweger aus Lienz kennen. Unterweger war Tanzmusiker beim Dolomiten Sextett und Mitglied der Band Vienna Cocktail.
Vor Beginn der Sommerferien 1987 übergab Gmeiner seinem Kollegen eine Kassette mit den Probeaufnahmen der Titel Daniela und Würfelspiel. Unterweger nahm sie nach Osttirol mit und spielte sie im Tonstudio Koch Records vor. Dort waren mit Toni Kellner als Produzent sowie Walter Widemair als Arrangeur und Aufnahmeleiter zwei ehemalige Kollegen des Dolomiten Sextetts tätig.
The Coks
In den 1980er-Jahren bestand in Oberrabnitz neben den Oberrabnitzer Musikanten eine weitere Tanzmusikformation. Sie umrahmte Hochzeiten, Bälle, Geburtstagsfeiern, Zeltfeste und zahlreiche weitere Veranstaltungen.
Die Gruppe formierte sich um den erfahrenen Tanzmusiker Gottfried Kogler, den ehemaligen Leiter der Tanzkapelle Oberrabnitz. Gemeinsam mit seinen Söhnen Gottfried und Josef sowie Robert Piller und Jimmy Fruhmann aus Karl trat das Quintett unter dem Namen „The Coks“ auf und bereicherte das gesellschaftliche Leben der Region mit zahlreichen Auftritten.
Das Rabnitzer Vagabundentrio
„Einmal Musikant – immer Musikant!“ Dieses Sprichwort trifft auf drei ehemalige Tanzmusiker aus Oberrabnitz in besonderer Weise zu, denn auch nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn blieben sie der Musik treu.
Johann Fraller, einst Saxofonist und Klarinettist der Tanzkapelle Oberrabnitz, widmete sich später vor allem der Orgelmusik. Sein Instrument baute er anfangs nach einem Bausatz selbst zusammen. Dank seiner markanten Stimme und seines vielseitigen Könnens war er auch als Soloentertainer erfolgreich.
Ernst Hettlinger, ebenfalls ehemaliges Mitglied der Tanzkapelle Oberrabnitz und später der Oberrabnitzer Musikanten, blieb der Musik zeitlebens verbunden. Mit seinem Saxofon ergänzte er das Orgelspiel von Hans Fraller und verlieh dem gemeinsamen Musizieren eine besondere Note.
Komplettiert wurde das Trio von Horst Supper. Als „längst dienender Altspatz“ hatte er zuvor der Tanzkapelle Oberrabnitz, den Oberrabnitzer Musikanten, der Happy Sound Combo und der Formation Fantasy angehört. Beim Oberrabnitz Vagabundentrio brachte er schließlich seine langjährige Erfahrung als Trompeter ein.
Tanzmusik in den 90er Jahren
Fantasy
Nach den geleisteten Vorarbeiten im Sommer 1987 entschloss sich die Gruppe „Happy Sound Combo“ im Frühjahr 1988 den Schritt ins Tonstudio zu gehen was zugleich der Beginn des „Goldenen Zeitalter“ der Gruppe „Fantasy“ mit sich brachte.
Nach intensiven Vorbereitungen mit Koch Records nahm die Band im Tonstudio in Lienz-Debant ihre erste Langspielplatte auf. Die professionelle Arbeit im Studio vermittelte den Musikern wertvolle Erfahrungen und führte zu einer deutlichen musikalischen Weiterentwicklung.
Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die erste LP wurde vom Publikum begeistert aufgenommen und fand rasch ihren Weg in die Radiosender. Einen entscheidenden Beitrag zum Bekanntwerden der Gruppe leistete der ORF Burgenland, als Moderator Sepp Gmasz die Gruppe Fantasy spontan in einer Live-Sendung präsentierte. Titel wie Du bist alles für mich, Daniela und Ciao Bella Ciao entwickelten sich zu beliebten Hörerwünschen. Im selben Jahr erfolgte innerhalb der Band ein personeller Wechsel: Der langjährige Trompeter Horst Supper übergab seinen Platz an Hansi Nestlang.
Ein weiterer Meilenstein folgte 1988 mit der Teilnahme am Musikwettbewerb „Die große Chance“ in Oberwart in dem Fantasy diesen mit der Ballade Daniela gewann. Der Sieg ermöglichte weitere Studioaufnahmen und die Produktion von Musikvideos. In den folgenden Jahren war die Gruppe regelmäßig in Radio- und Fernsehsendungen des ORF sowie bei Rundfunksendern in Südtirol und Bayern zu Gast und konnte ihren Bekanntheitsgrad kontinuierlich steigern.
Um ihren Namen dauerhaft zu sichern, ließ die Gruppe Fantasy markenrechtlich schützen und setzte sich erfolgreich gegen eine gleichnamige Band aus Niederösterreich durch. 1990 erschien mit Schön dass es dich gibt die zweite Musikproduktion, die als CD und Musikkassette veröffentlicht wurde und den Erfolg der Gruppe weiter festigte.
Auch darüber hinaus entwickelte sich Fantasy kontinuierlich weiter. Die Teilnahme an der Musikermesse in Graz brachte wertvolle Kontakte zu anderen Künstlern, unter anderem zur Gruppe The Dreams. Nach dem Wechsel in das Sica-Sound-Studio in Großpetersdorf entstand 1991 mit Ein kleines Bild von dir bereits die dritte Produktion der Band.
Mit nunmehr drei Tonträgern im Repertoire konzentrierte sich Fantasy wieder verstärkt auf ihre Liveauftritte. Die Gruppe entwickelte sich zu einer semiprofessionellen Tanzband und absolvierte in ihrer erfolgreichsten Zeit bis zu 70 Auftritte pro Jahr. Neben zahlreichen Veranstaltungen im Bezirk Oberpullendorf führten die Engagements zunehmend nach Niederösterreich und Wien. Feuerwehrfeste, Kirtage, Bälle, Hochzeiten und Jubiläumsveranstaltungen gehörten ebenso zum festen Programm wie Benefizveranstaltungen. Besonders enge und langjährige Partnerschaften bestanden mit der Feuerwehr Steinberg, dem Burgenländerhof in Pilgersdorf sowie zahlreichen Stammveranstaltern im Burgenland und in Niederösterreich.
Im Jahr 2000 kam es zu einem weiteren personellen Wechsel. Trompeter Hansi Nestlang übergab seine Funktion nahtlos an Andreas Puhr. Es wurden weiter laufend neue Veranstaltungsorte erschlossen. Begegnungen mit bekannten Künstlern wie Walter Oberbrandacher und Horst Chmela unterstrichen den hohen Stellenwert der Gruppe in der österreichischen Tanzmusikszene.
Bemerkenswert war, dass Fantasy während ihres gesamten Bestehens ohne Agentur arbeitete. Die meisten Engagements entstanden durch Empfehlungen zufriedener Veranstalter und Besucher. Darüber hinaus vermittelte Toni Sieghart von Koch Records der Gruppe zahlreiche Auftritte in Niederösterreich und wurde im Laufe der Jahre zu einem engen Freund der Musiker.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten erfolgreicher Bühnentätigkeit verabschiedete sich Fantasy im Juni 2006 mit einem großen Abschiedsfest im Pfarrzelt Oberrabnitz von ihrem Publikum. Zahlreiche Wegbegleiter, Freunde und ehemalige Brautpaare, deren Hochzeiten die Band musikalisch gestaltet hatte, erwiesen den Musikern ihre Anerkennung. Die Gruppe bedankte sich bei allen Veranstaltern, Wirten, Rundfunkstationen und Unterstützern, die ihren musikalischen Weg begleitet hatten.
Den endgültigen Schlusspunkt setzte Fantasy am 17. November 2007 bei einem letzten gemeinsamen Treffen im traditionsreichen Burgenländerhof in Pilgersdorf. Dort blickten die Musiker noch einmal auf ihre gemeinsame Laufbahn zurück und beendeten offiziell die Geschichte einer Band, die über zwei Jahrzehnte das kulturelle und musikalische Leben des Mittelburgenlandes entscheidend mitgeprägt hatte.
Duo „wi.r.zwa“ und „Old Fantasy“
Nach der Auflösung der Tanzband Fantasy im Jahr 2007 setzten Josef Gmeiner „Wipf“ und René Radostics ihre musikalische Laufbahn als Duo „wi[pf].r[ene].zwa“ fort. Mit ihrer langjährigen Bühnenerfahrung boten sie ein vielseitiges Tanzmusikprogramm für Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Bälle, Kirtage und Vereinsfeste. Ihr Markenzeichen blieb der mehrstimmige Gesang, der sie über Jahrzehnte auszeichnete.
Der Rückgang von Gasthäusern und Tanzveranstaltungen erschwerte jedoch zunehmend die Arbeit von Tanzmusikern. Einen völligen Stillstand brachte schließlich die Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021, in denen keine Auftritte möglich waren.
Diese Zeit nutzten die beiden Musiker für eine Neuausrichtung. Seit 2021 treten sie unter dem Namen „Old Fantasy“ auf – als Erinnerung an die erfolgreiche Geschichte der früheren Tanzband. Auch unter diesem Namen sind „Wipf“ und René weiterhin bei Vereinsveranstaltungen sowie privaten Feiern im Burgenland und darüber hinaus musikalisch aktiv und führen ihre jahrzehntelange Tradition erfolgreich fort.
Blasmusik in Oberrabnitz 1992 bis 2015
Traditionell leitete der Verantwortliche der Tanzmusik in Oberrabnitz zugleich auch die örtliche Blasmusik.
Als Josef Gmeiner und seine Gruppe „Fantasy“ immer häufiger engagiert wurden, blieb jedoch zunehmend weniger Zeit, sich in gleichem Ausmaß der Blasmusik zu widmen. Umso erfreulicher war es, dass Josef „Pepi“ Kogler, der inzwischen auch bei der Militärkapelle Burgenland mitwirkte, die Kapellmeisterprüfung ablegte. Nach deren erfolgreichem Abschluss übernahm er 1991 die Leitung der Blasmusik Oberrabnitz, die damit erstmals von einem ausgebildeten Kapellmeister geführt wurde.
Dank seiner guten Kontakte zu den Musikvereinen in Draßmarkt und Piringsdorf sowie zu Musikerkollegen der Militärmusik konnte er qualifizierte Musikerinnen und Musiker für gemeinsame Auftritte gewinnen. Dadurch war es möglich, in den folgenden zwei Jahrzehnten zahlreiche kirchliche, gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen musikalisch zu umrahmen.
Neben der Blasmusik Oberrabnitz entstanden unter der Leitung von Kapellmeister Josef Kogler im Laufe der Jahre mehrere kleinere Ensembles. Sie widmeten sich der Pflege musikalischer Traditionen und gestalteten besondere Anlässe und Veranstaltungen.
Dazu zählten:
- „Ramaza Musikanten“
- „Ramaza Buchgrabler“
- „Ramaza Turmbläser“
Mit ihren unterschiedlichen Besetzungen und musikalischen Schwerpunkten leisteten diese Ensembles einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung des musikalischen Brauchtums in Oberrabnitz.
Die „Ramaza Musikanten“ widmeten sich der Wiederbelebung traditioneller Blasmusik. In der klassischen Besetzung mit Flügelhorn, Klarinette, Tenorhorn, Ziehharmonika, Tuba und Schlagzeug interpretierten sie historisches Notenmaterial neu und machten diese heute selten gewordene Form der Blasmusik einem breiten Publikum wieder zugänglich.
Kapellmeister Josef Kogler beschrieb den besonderen Reiz dieser Besetzung so:
„In dieser Besetzung zu spielen, ist ganz anders als in einer Blaskapelle. Jedes Instrument übernimmt in der kleinen Partie mehr oder weniger eine Hauptstimme. Das erfordert großes musikalisches Können. Die Musikanten haben früher ohne großen technischen Aufwand gespielt, und diese Art des Musizierens heute wiederzugeben, ist eine besondere Herausforderung. Außerdem kann jeder Musikant in der kleinen Besetzung mehr eigenen Ausdruck und persönliche Interpretation einbringen als in der großen Kapelle, wo man sich stärker an die Vorgaben des Kapellmeisters halten muss.“
Der große Zuspruch des Publikums bestätigte dieses Konzept. Die „Ramaza Musikanten“ absolvierten zahlreiche Auftritte im Burgenland und gastierten auch in Sopron (Ödenburg).
In ähnlicher Besetzung entstand das Ensemble „Ramaza Buchgrabler“, das sich an der burgenländischen Formation „Die Buchgrabler“ orientierte. Es widmete sich der Pflege regionaler Volksmusik und gestaltete Heimatabende, Brauchtumsveranstaltungen sowie zahlreiche weitere Anlässe in Oberrabnitz und der Umgebung musikalisch mit.
Eine weitere Formation aus den Reihen der Blasmusik Oberrabnitz waren die „Ramaza Turmbläser“, die sich der Pflege und Weiterführung des traditionellen Turmblasens widmeten.
Gemeinsam mit den übrigen Ensembles prägten sie über viele Jahre das kulturelle Leben in Oberrabnitz – vom Turmblasen und Neujahrspielen über Fronleichnamsprozessionen und Faschingsumzüge bis hin zu Hochzeitsmärschen und zahlreichen weiteren Feierlichkeiten. Mit der Auflösung der Blasmusik Oberrabnitz im Jahr 2015 endete diese lange Tradition, da es schließlich an aktiven Musikerinnen und Musikern fehlte.
Bereits zuvor hatte man versucht, den Fortbestand der Kapelle durch die Unterstützung auswärtiger Musiker zu sichern. Auf Dauer ließ sich dieses Konzept jedoch nicht aufrechterhalten.
Singen in der Gemeinschaft
Was die Wissenschaft in Studien erforscht hat, haben die Menschen in Oberrabnitz seit Generationen schon immer intuitiv verspürt, ohne sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen: Das gemeinsame Musizieren und Singen macht den Körper gesünder, die Menschen sind ausgeglichener und Freundschaften werden gepflegt.
Was sagt also die Wissenschaft: Gemeinsames Singen steigert das Wohlbefinden, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und fördert Freundschaften. Gleichzeitig wirkt es entspannend, setzt Glückshormone frei, stärkt das Immunsystem und trägt nachweislich zur mentalen Gesundheit bei.
Amicae
Am 23. November 1997, dem Gedenktag der heiligen Cäcilia, gestaltete die Singgruppe AMICAE die Heilige Messe in Oberrabnitz. Die Formation bestand zunächst ausschließlich aus jungen Frauen und Mädchen aus Oberrabnitz. Der Name Amicae (lateinisch für „Freundinnen“) spiegelte diese Zusammensetzung wider. Unterstützt wurde die Gruppe vom damaligen Pfarrer Karl Langecker, der sich selbst augenzwinkernd als Amicus („Freund“) bezeichnete.
Kennzeichnend für AMICAE war der mehrstimmige Gesang. Im Laufe der Jahre wirkten zahlreiche Sängerinnen mit, darunter die heutige Mezzosopranistin Elisabeth Farkas-Fruhmann. Auch die später international erfolgreiche Pianistin Clara Frühstück begleitete die Gruppe bei einigen Auftritten.
AMICAE gestaltete rhythmische Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen, Firmungen, Vernissagen sowie Geburtstags- und Überraschungsständchen und trat auch über die Bezirksgrenzen hinaus auf. Zu den Höhepunkten zählten die Mitwirkung bei „Gott im Marquee“ (1998), das Festival der Chöre in Klostermarienberg (1999), der Auftritt beim Fest „Wos a Ramaza olls kau“ (2000) sowie das Jubiläumskonzert „10 Jahre Amicae“.
Mit der Erweiterung um Schlagzeug, Bassgitarre und Percussion entwickelte sich die Gruppe musikalisch weiter und begeisterte auch bei modernen Veranstaltungen. Einen besonderen Erfolg feierte AMICAE 2012 beim „Kleinen Häs’chentreff“ in Oberrabnitz mit einem gemeinsamen Auftritt mit der Band HO7.
Burschenchor
Und wieder war es Gottfried Kogler, dem es in den 1980er Jahren gelang, mit einem Burschenchor Lieder einzustudieren und zur Aufführung zu bringen.
Abb. 44: Gruppenfoto im Gasthaus Rathmanner: von links nach rechts: hockend: Gottfried Kogler, Josef Kogler, Johann Brandl, Josef Brandl, Ewald Brandl, Erwin Brandl, Helmut Seidl; 2. Reihe: Otto Seidl, Josef Gmeiner, Gerhard Liebentritt, Walter Fraller, Franz Supper; 3. Reihe: Josef Fraller, Franz Brandl, Gottfried Seidl, Franz Liebentritt, Josef Seidl, Gerhard Gmeiner, Norbert Liebentritt, Gottfried Kogler; 4. Reihe: Norbert Fraller, Erwin Hoschopf, Josef Fraller, Otto Bleier, Alfred Bleier, Manfred Bleier, Josef Liebentritt, Franz Fraller; Quelle: Privatbesitz Josef Gmeiner
Die „Gsaungs Briada“
Die Männer aus dem Rabnitztal nennen sich seit 2010 „Gsaungs Briada“. Sie kannten einander bereits viele Jahre und begeisterten sich schon in jungen Jahren für die Musik. Alle Mitglieder der Gründungsformation hatten verschiedene Instrumente erlernt und waren zudem in unterschiedlichen Tanzgruppen aktiv. Nach ihrer Zeit als Instrumentalmusiker widmeten sie sich dem Gesang und bereicherten seither zahlreiche Veranstaltungen mit ihren Auftritten.
Begonnen hatte alles mit gelegentlichen Gesangseinlagen bei Geburtstagen und Hochzeiten. Als Gage genügten damals Speis und Trank. Anfangs umfasste ihr Repertoire vor allem alte und traditionelle Lieder. Im Laufe der Jahre wurde dieses um klassische Werke sowie englischsprachige Stücke erweitert. Der wichtigste Gedanke bei der Gründung der Gruppe war jedoch, das regionale Liedgut zu bewahren. Lieder, die teilweise nur mündlich überliefert worden waren, wurden wiederentdeckt, aufgezeichnet und neu interpretiert. Um dieses wertvolle Kulturgut weiterzutragen, lag es nahe, an die Tradition des früher so beliebten Wirtshaussingens anzuknüpfen.
Im Laufe der Jahre führten zahlreiche Auftritte die „Gsaungs Briada“ weit über ihre Heimat hinaus. Sie gestalteten unzählige Feste und Veranstaltungen mit, darunter die Kirchenweihe der St.-Emmerich-Kirche in Inzenhof, den ORF-Frühschoppen in Draßmarkt sowie das Pfarrfest in Oberrabnitz. Darüber hinaus waren sie bei vielen weiteren Veranstaltungen im gesamten Burgenland – von Nord bis Süd – zu hören.
Eine besondere Note verlieh sich die Gruppe auch mit ihrem authentischen Erscheinungsbild. Die neue Tracht sollte ebenfalls aus der Region stammen, weshalb man sich für den traditionellen Blaudruck aus Steinberg entschied. Mit Unterstützung der Gemeinde wurden Blaudruckhemden, Stoffhosen und passende Stiefel angeschafft. Die Verbindung von regionalem Liedgut und traditioneller Kleidung prägt seither das Erscheinungsbild der „Gsaungs Briada“. Im Laufe der Jahre wurde die Formation zudem durch neue Sänger erweitert.
Ein weiterer Meilenstein folgte im Jahr 2023. Der Weg führte die Sänger ins Tonstudio nach Schlag bei Thalberg in der Steiermark. Gemeinsam mit der „Mingerl Musi“ aus Markt St. Martin wurde dort der „Miat’na Marsch“ eingespielt und eingesungen.
Sängerkarriere
Ein Oberrabnitzer, der den Weg auf die großen Bühnen der Musikwelt geschafft hat und dabei seiner Heimat stets verbunden geblieben ist.
Tenor Franz Supper
Geboren 1957, verbrachte er seine Kindheit im elterlichen Bauernhaus in Oberrabnitz. Schon früh entwickelte er eine große Begeisterung für die Musik. Er sang im Kirchenchor und spielte als Mitglied der damals aktiven Blasmusikkapelle Es-Trompete.
Nach der Schulzeit erlernte er den Beruf des Spenglers. Ob Zufall oder Schicksal – einige Ereignisse eröffneten ihm neue Perspektiven und sollten sein Leben grundlegend verändern. Seine außergewöhnliche Stimme war in der Ortschaft längst bekannt. Bei einem Auftritt auf einer Hochzeit wurde schließlich der anwesende Arzt Dr. Michael Lang aus Oberpullendorf auf sein Talent aufmerksam und ermutigte ihn, seine Begabung beruflich zu nutzen. Bestärkt durch den Organisten und Leiter des Kirchenchores von Oberrabnitz, Gottfried Kogler, fasste Franz Supper im Alter von 23 Jahren den Entschluss, den Beruf des Spenglers aufzugeben und eine musikalische Laufbahn einzuschlagen.
Seine Gesangsausbildung absolvierte er am Joseph Haydn Konservatorium in Eisenstadt sowie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien, wo er sein Studium mit Diplom abschloss. Während seiner Studienzeit verdiente er seinen Lebensunterhalt unter anderem als Chorsänger an der Volksoper und der Staatsoper sowie als Friedhofssänger.
Nach ersten Engagements an österreichischen und deutschen Bühnen wurde Franz Supper 1987 Ensemblemitglied des Salzburger Landestheaters, dem er mehr als 35 Jahre angehörte. In dieser Zeit verkörperte er zahlreiche Haupt- und Charakterrollen. Anfänglich Operetten – Bufforollen, später wechselte er ins dramatisch-heldische Fach: Wie Hoffman – in Hoffmanns Erzählungen, Florestan – in Fidelio, Bachus – in Ariadne u.v.a. Auch war er bei den Salzburger Festspielen sowie auf renommierten Bühnen im In- und Ausland zu erleben.
Zu den Höhepunkten seiner Karriere zählt die Verleihung des Berufstitels (Österreichischer) „Kammersänger“ im Jahr 2019. Als erster Kammersänger des Salzburger Landestheaters wurde Franz Supper noch im selben Jahr mit der Gala „Franz and Friends“ geehrt. Im Juni 2022 verabschiedete er sich nach mehr als 35 Jahren am Salzburger Landestheater offiziell in den Ruhestand.
Neben seiner Tätigkeit in Salzburg trat Franz Supper immer wieder im Burgenland auf, unter anderem auf der Seebühne Mörbisch sowie bei Konzerten in Eisenstadt und Mattersburg. In seiner Heimatregion war er ebenfalls regelmäßig zu hören. Seit seiner Rückkehr nach Oberrabnitz tritt er dort wieder vermehrt bei verschiedenen Veranstaltungen auf.
Auch im Ruhestand bleibt Franz Supper der Musik eng verbunden. Er arbeitet weiterhin an seiner Stimme und steht nach wie vor auf der Bühne. Sein persönliches Motto lautet: „Ich fühle mich stimmlich gut. Solange mich Menschen hören wollen, werde ich singen.“
Anmerkungen
Anmerkungen
[1] Gmeiner, Josef: Oberrabnitz Ein kleines burgenländisches Dorf mit einer großen musikalischen Geschichte, Unterrabnitz 2025