Geschichte
Friedhof
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Der Friedhof, auch als Gottesacker bezeichnet, ist seit dem 15. Jahrhundert die geläufige Bezeichnung für die Ruhestätte der Verstorbenen. In der christlichen Tradition war es üblich, die Toten in unmittelbarer Nähe von Kirchen zu bestatten – entweder um Kirchen herum oder, im Fall hochgestellter Persönlichkeiten, sogar innerhalb des Kirchengebäudes selbst.
Da Oberrabnitz bis zur Errichtung einer eigenen Pfarre im Jahr 1788 lediglich eine Filialkirche der Pfarre Unterrabnitz war, wurden die Verstorbenen aus Oberrabnitz anfangs unter oftmals schwierigen Bedingungen nach Unterrabnitz gebracht und dort auf dem örtlichen Friedhof beigesetzt.
Friedhof in Kirchennähe
Im Jahr 1748, zwei Jahre nach dem Bau der ersten Kirche, wandten sich die Oberrabnitzer erneut an die Esterházysche Herrschaft in Lackenbach – diesmal mit dem Anliegen, die Erlaubnis für den Bau einer Friedhofsmauer – um die Kircher herum – zu erhalten. Dieser Bitte wurde auch stattgegeben.
„[…] wollen uns die Vätterliche hohe Gnad anerwiessen, und die Erlaubnis allergnädigst ertheillen, dass mir umb solches neu erbautes Kirchlein einem Freyd Hofmaur aufführen khönden, damit wann ein alter Haus Wirth – oder Haus Würthin mit Tode mächte abgehen, das solche in disen unsern Kirchen des Freydhof könten zur Eri – bestattiget werden. Dann weillen unser Dorf ein Filial zur Unter Rabniz gehörig, und zu weillen, wegen großen ungewitter, überschwemung des großen Wassers, Schnee und Eys große Unkosten entstehen, und mancher Leichnamb bis 2 auch 3 Tag lang stehent verbleibet.“ [1]
Friedhof außerhalb vom Dorf
Im Jahr 1784 erließ Kaiser Joseph II. den Befehl, sämtliche Friedhöfe innerhalb verbauter Gebiete aufzulassen und künftig außerhalb der Ortschaften anzulegen. In Umsetzung dieses Dekrets wurde den Oberrabnitzern im Jahr 1788 von ihrem Grundherrn, Fürst Esterházy, ein geeigneter Platz in der Ried Laugraben, einige Hundert Schritte vom Dorf entfernt, für einen Friedhof zur Verfügung gestellt. Der Platz war damals Teil der Fürstlichen Hofwiese. Der neue Friedhof war von einem Erdwall und dichtem Gebüsch umgeben und diente ausschließlich der Bestattung von Katholiken. In der Mitte befand sich ein Kreuz welches durch den damaligen Ortspfarrer Aloisius Scosser geweiht wurde. Dieses Kreuz wurde von Georg Stelzmayer, Mühlenbesitzer in Oberrabnitz, errichtet; von wem es erhalten wurde, ist nicht bekannt, da es keiner Reparatur bedurfte. Bereits 1802 wurde der Friedhof erweitert. Es gab keine Kapelle, kein Leichenhaus für die Aufbahrung der Verstorbenen und auch kein Beinhaus auf dem Friedhof. Ausgegrabene Gebeine wurden in einer Grube beigesetzt. Die Gräber wurden der Reihe nach angelegt. Der alte, überfüllte Friedhof lag bei der Pfarrkirche und war zu dem Zeitpunkt bereits teilweise in einem Pfarrgarten umgewandelt.
Beinhaus: aus Platzmangel auf den Friedhöfen hat man früher Gräber nach bestimmten Zeiten exhumiert und die menschlichen Knochen und Gebeine in einem eigenen dafür gebauten Beinhaus bzw. in einem eigenen dafür vorgesehenen Raum aufbewahrt oder eben in einer eigenen Grube beigesetzt.[2]
Renovierungen und Erweiterungen
Im Jahr 1960 wurden unter Bürgermeister Stefan Hettlinger Haus Nr. 8 eine umfassende Renovierung sowie eine Vergrößerung des Friedhofs durchgeführt. Die bisherige, dicht bewachsene Einfriedung wurde durch eine solide Natursteinmauer ersetzt, die zum großen Teil bis heute erhalten ist. Die dafür verwendeten Steine stammten aus dem fürstlichen Wald in der Ried „Marienfeld“.
An der Eingangsseite, also an jener Stelle, an der der Friedhof erweitert wurde, errichtete man zusätzlich einen kunstvoll gearbeiteten Schmiedeeisenzaun mit einem passenden Tor. Dieser neue Teil des Friedhofs wurde am 30. Mai 1961 im Anschluss an die Firmungsfeier vom hochwürdigsten Diözesanbischof Stefan László feierlich geweiht.[3]
Im Jahr 2017 wurde der Friedhof erneut renoviert. Dabei wurde die westliche Friedhofsmauer durch einen Metallzaun ersetzt, das Einfahrtstor erneuert, der Haupteingangsbereich asphaltiert und die Wasserentnahmestelle modernisiert. Zudem stellte man erstmals Urnensäulen auf, um den Friedhof an die zeitgemäßen Bestattungsformen anzupassen.[4]
Das Totenhaus
Das Totenhaus diente, wie der Name schon andeutet, der Aufbahrung der Verstorbenen vor ihrer Beisetzung. In erster Linie waren dies Menschen, die in der Gemeinde keine Heimat hatten. In Zeiten von Epidemien mussten jedoch auch ortsansässige Verstorbene unmittelbar nach ihrem Tod aus den Häusern gebracht und im Totenhaus aufgebahrt werden. Darüber hinaus diente das Gebäude als Aufbewahrungsort für die bei Begräbnissen benötigten Utensilien – darunter das Bahrengestell, die Tragbahre, Leuchten sowie weiteres Zubehör, das für eine würdige Aufbahrung erforderlich war.
Ursprünglich befand sich das Totenhaus auf der Laubergseite am unteren Ende des Friedhofs. Während des Zweiten Weltkrieges diente es jungen Frauen und Müttern als Zufluchtsort, um sich vor durchstreifenden Besatzungstruppen in Sicherheit zu bringen.
Im Zuge der Erweiterung und Renovierung des Friedhofs im Jahr 1960 wurde das alte Gebäude abgetragen und auf der Eingangsseite des Friedhofs neu errichtet. Mit dem Bau der Leichenhalle im Jahr 1976 neben der Kirche verlor das Totenhaus jedoch zunehmend an Bedeutung und wurde fortan nur noch als Lager für Grabpflegeutensilien genutzt.
Bei der Neugestaltung der westlichen Friedhofseinfriedung im Jahr 2017 erfolgte schließlich der vollständige Abbruch dieses Gebäudes – und mit seinem Verschwinden ging auch dessen historische Bedeutung unwiederbringlich verloren.[5]
Das Grab
Neben dem Grabzeichen aus Holz gab es auch Kreuze aus Schmideisen, ab dem 19. Jahrhundert auch Gusseisen und Grabsteine aus Sandstein.
Ein Grabstein aus Sandstein aus dem Jahr 1893 ist uns noch erhalten geblieben. Der Stein trägt den Namen Rosina und wurde im Schuppen vom Hausherrn aufbewahrt und zwar weil er sichtlich eine besondere Bedeutung in der Familie hatte. Die Familie hatte neun Kinder von denen Josef im ersten Lebensjahr starb, Anton wurde mit vier Jahren überfahren und Franz ist mit zwanzig Jahren im ersten Weltkrieg gefallen. Fünf weiter Buben haben den Namen „Liebentritt“ durch Heirat in Oberrabnitz verteilt. Rosina, das einzige Mädchen unter den neun Kindern starb im Alter von vier Jahren an Diphterie.
Pater Nemesius Josef Nabinger war ein im Ruhestand befindlicher Franziskaner, der am 1. Juni 1901 im 72. Lebensjahr in Oberrabnitz verstarb. GR Johann Krahl, der zu dieser Zeit Pfarrer im Dorf war, gab an, dass er ein Cousin des Verstorbenen sei.
Am 9. Jänner 1903 verstarb ebenfalls hier in Oberrabnitz die pensionierte Lehrerin Maria Nabinger, eine Schwester des verstorbenen Paters Nemesius Josef Nabinger. Sie war mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits verstorbenen Franz Krahl verheiratet gewesen. GR Johann Krahl gab an, dass die Verstorbene seine Tante sei.
Der Aufenthalt des hier verstorbenen Geschwisterpaares dürfte mit Pfarrer Johann Krahl in Zusammenhang gestanden sein. Näheres darüber ist jedoch nicht bekannt.
Aufbahrungshalle
Leichenhalle in Kirchennähe
Der Bau der ersten Leichenhalle erfolgte in den Jahren 1975/76 in unmittelbarer Nähe der Kirche, an jener Stelle, an der sich zuvor das Schulgebäude befand. Der Standort erwies sich damals als der günstigste, da das Grundstück der Kirche gehörte und die Möglichkeit eines Stromanschlusses gegeben war. All dies wäre am entlegenen Friedhof nur mit erheblich höheren Kosten zu verwirklichen gewesen.
Errichtet wurde die Leichenhalle von ortsansässigen Handwerkern die von der Dorfbevölkerung unterstützt wurden. Pro Haushalt wurden 18 Arbeitsstunden geleistet und jede Person über 18 Jahre spendete bis zur Fertigstellung des Gebäudes 500,- Schilling.[6]
Sie war mit einer mittig aufgestellten Kühlvitrine ausgestattet, links und rechts davon befanden sich Sitzgelegenheiten. Auf der linken Seite des Aufbahrungsraumes lag ein WC, auf der rechten Seite ein kleiner Abstellraum. Aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zur Kirche war die Leichenhalle nicht für Messfeiern eingerichtet.
Die letzte Bestattung zu Hause fand am 19. Februar 1976 für Franz Kogler auf Haus Nr. 51 statt; die erste Bestattung in der neu errichteten Leichenhalle war jene von Franz Fraller Haus Nr. 45 am 19. November 1976.
Leichenhalle in Friedhofsnähe
Nach knapp vierzig Jahren, als am Gebäude verschiedene Renovierungsarbeiten notwendig wurden und die bestehende Begräbniszeremonie als nicht mehr zeitgemäß galt, entschloss sich die Gemeinde zum Neubau einer Leichenhalle in unmittelbarer Nähe des Friedhofs.[7]
Die letzte Bestattung in der alten Leichenhalle war am 16. Mai 2015 von Stefan Leitner Haus Nr. 55 und die erste in der neu errichteten war jene von Helmut Simmel, zugehörig zu Haus Nr. 10 am 4. September 2015.
Die Kultur des Abschiedes
Viele Jahrhunderte lang war es wichtig, auf den Tod vorbereitet zu sein und nicht ohne Empfang der Sterbesakramente zu sterben. Heute gilt, dass der ideale Tod möglichst schnell und schmerzfrei eintreten soll. Lernten die Menschen bis Mitte des 20. Jahrhunderts meist durch eigenes Erleben den Umgang mit Sterbenden und Verstorbenen, so bieten heute verschiedene Organisationen Sterbebegleitungen an, um dieses Wissen wieder zu erlangen.[8]
Lag ein Mensch im Sterben, so war es früher üblich, für die Spendung der Sterbesakramente – auch „Letzte Ölung“ genannt – den Pfarrer zu holen. Verwandte und Nachbarn kamen ins Haus, um für den Sterbenden zu beten. Man legte ihm dabei das Sterbekreuz auf die Brust. Dieses war meistens mit einem Totenkopf unter dem Gekreuzigten versehen und aus Holz mit Messingbeschlag gefertigt.
Die Angehörigen stellten das Versehkreuz neben dem Sterbenden auf. Das Licht der Kerze sollte Trost spenden, und es galt oft als Brauch, sie nicht auszublasen, sondern von selbst verlöschen zu lassen. Wenn es noch möglich war, wurde der Sterbende mit den Sterbesakramenten – Buße und Kommunion – „versehen“. Der Pfarrer salbte Stirn und Hände mit geweihtem Öl.
Nach Eintritt des Todes läutete das Zügenglöcklein, um die Bewohner des Dorfes vom Ableben einer oder eines ihrer Angehörigen zu benachrichtigen.[9]
Hausbestattung
Üblicherweise wurde Lärm aus Rücksicht auf die Totenruhe des Verstorbenen vermieden. Die angehaltene Pendeluhr im Zimmer sollte dem Toten helfen, seine Ruhe zu finden. Die Angehörigen öffneten auch ein Fenster, denn man glaubte, dass nur durch ein geöffnetes Fenster die Seele entweichen könne. Die Spiegel im Raum wurden mit weißen Tüchern verhängt.
Solange der Tote noch warm war, wurde er von den Angehörigen, mitunter auch mit Hilfe der Nachbarn, gewaschen und gekleidet. Damit der Mund geschlossen blieb, band man den Unterkiefer mit einem Tuch am Oberkiefer fest. Es galt der Glaube, dass Verstorbene mit offenem Mund auf jemanden warteten oder jemanden mit sich rufen würden. Ältere Menschen hatten ihr Leichengewand meist schon lange vorbereitet. Jung verstorbene Menschen trugen auf ihrem letzten Weg ihre Hochzeitskleidung.
Der Tischler fertigte den Sarg an, wobei er in den meisten Fällen bereits einen passenden auf Lager hatte.
„Die Verordnung über die Einführung des Josephinischen Sparsarges im Jahr 1784, aus dem der Leichnam mittels Klappe an der Unterseite in das Grab plumpste, bekam immensen Widerstand aus der Bevölkerung und Kaiser Joseph der II. hob sie bereits nach einem halben Jahr wieder auf. Die Beisetzung mittels Sparsarges sollte für eine schnellere Verwesung der Leiche sorgen und Kosten sparen.“
Die Stube wurde für das Totensingen und -beten vorbereitet. Dazu entfernte man alles bewegliche Inventar, auch die Betten, aus dem Raum. Der Leichnam im Sarg wurde in der Mitte der Stube aufgebahrt, mit den Füßen zur Tür. Auf das Leichentuch legten die Hinterbliebenen Heiligenbilder und der Verstorbene bekam einen Rosenkranz in die Hände gelegt.
Beidseitig des Sarges stellte man Bänke und Sessel auf. Verwandte und Nachbarn kamen, um sich von den Toten zu verabschieden. Die ganze Nacht über hielten sie unter Singen und Beten die Totenwache. Angehörige, Freunde und Nachbarn wechselten sich dabei ab. Die Schichten zwischen Frauen und Männern wurden so aufgeteilt, dass die Frauen bis Mitternacht und die Männer von da an bis zum Morgen anwesend waren. Dabei sprachen die Anwesenden über die verstorbene Person, aßen und tranken. Hatte die Verstorbene oder der Verstorbene ein erfülltes Leben hinter sich, konnte die Stimmung unter den Männern in den frühen Morgenstunden mitunter sogar heiter werden.
Am Tag des Begräbnisses, bevor der Trauerzug zur Kirche und anschließend zum Friedhof zog, erhielten die Angehörigen und alle übrigen Teilnehmer noch die Möglichkeit, sich von der verstorbenen Person zu verabschieden. Dazu wurden diese im Sarg mit den Füßen voran aus dem Haus getragen und mit geöffnetem Deckel auf einer Tragbahre im Hof aufgestellt, beidseitig Bretter zum Niederknien aufgelegt und ringsum mit Kränzen geschmückt.
Nach der Verabschiedung legte der Tischler den Sargdeckel auf und vernagelte ihn.
Der Weg zur Kirche und anschließend zum Friedhof war für die Beteiligten mitunter sehr beschwerlich – besonders für die Träger. In früheren Zeiten mussten sie den Sarg auf den Schultern durch das halbe Dorf bis zur Kirche und danach weiter zum abgelegenen Friedhof außerhalb des Ortes tragen. Der Einsatz eines Bahrwagens, ab Mitte der 1960er-Jahre, brachte schließlich eine spürbare Erleichterung.
Begraben wurden die Toten auf dem Friedhof in einem Erdgrab, das vom Nachtwächter ausgehoben und nach dem Begräbnis wieder zugeschüttet wurde. Der Nachtwächter hatte zugleich die Aufgabe des Totengräbers inne. Später übernahmen die Träger diese Arbeit.
Die Träger waren sechs bis acht Männer, die den Toten zu Grabe trugen. Vier bis sechs von ihnen waren für den Sarg bestimmt, zwei trugen die Laternen. In der Regel wurden die Träger aus dem Kreis der Nachbarn und Verwandten der verstorbenen Person ausgewählt.
Die Leichenrede hielt der Pfarrer in Form einer Predigt. Hatte die verstorbene Person jedoch eine öffentliche Funktion oder gehörte sie einer Organisation an, so wurde häufig von einer Person aus deren Mitte eine Grabrede gehalten.
Im Anschluss an die Beerdigung fand der Leichenschmaus in einem nahegelegenen Gasthaus statt, zu dem die Angehörigen der verstorbenen Person einluden.[10]
Literatur / Anmerkungen
[1] BLA, MF484 P150
[2] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[3] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[4] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[5] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[6] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[7] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien
[8] Amt der Burgenländischen Landesregierung (Hrsg.), R.I.P. – Kulturen des Abschiedes und des Erinnerns, Katalog Neue Folge Landesmuseum Burgenland Band 59, Eisenstadt: 2024, S. 7.
[9] Vgl. ebd. S. 10.
[10] PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien