Oberrabnitz

Geschichte

Ereignisse

Pestepidemie 1600

Im Jahr 1600 wurde das Komitat Ödenburg von einer lokal begrenzten Pestepidemie heimgesucht, deren Höhepunkt vermutlich in den Frühjahrsmonaten lag.

In Oberrabnitz verödeten in diesem Jahr fünf Häuser; da im selben Jahr zudem noch sechs Häuser abbrannten, zählte es zu den schwärzesten in der Geschichte des Ortes. Im Februar des Folgejahres 1601 vernichtete ein Großfeuer weitere neun Häuser – möglicherweise als Spätfolge der Pest.[1]

Die Pest sowie die kurz darauf über die arme Grenzbevölkerung hereinbrechenden Türkenkriege und ungarischen Nationalaufstände dezimierte die Bevölkerung erheblich. Eine hohe Geburtenrate und die Zuwanderung aus von Krieg und Seuchen verschonten Regionen konnten die Verluste jedoch innerhalb kurzer Zeit wieder ausgleichen.[2]

Türkenkrieg 1683

Im Jahr 1683 wurden die Türken bei ihrem zweiten Angriff auf Wien vor den Toren der Stadt vernichtend geschlagen. Auf dem Rückzug brandschatzten plündernde Nachzügler zahlreiche Dörfer im heutigen nördlichen und mittleren Burgenland. Besonders schwer betroffen war dabei der Ort Oberrabnitz: Alle 29 Häuser wurden ein Raub der Flammen. Neben der Zerstörung und Plünderung der Gebäude kamen viele Menschen ums Leben oder wurden in die Gefangenschaft verschleppt.

Im Jahr 1684 schrieb Graf Paul Esterházy an seinen Verwalter:

„Im Jahr 1683, im schweren Türkenkrieg wurden in unserer Herrschaft der Markt Draißenmarkt und die Dörfer Horitschon und Oberrabnitz durch den Feind niedergebrannt und die armen Unterthanen sind dadurch ganz um ihr Hab und Gut gekommen. Sie haben uns daher in Ansehung ihres großen erlittenen Schaden gehorsamst ersucht, sie von ihren Abgaben und Roboten zu befreien, damit sie wieder aufbauen und wirtschaften können. Wir haben daher jene Unterthanen, deren Häuser in Draißenmarkt, Horitschon und Oberrabnitz niedergebrannt wurden, von allen Abgaben für das Jahr 1684 befreit. Schloß Lackenbach, den 18 Feber 1684“ [3]

Aus dem Jahr 1684 liegen für den Ort Oberrabnitz schriftliche Aufzeichnungen über die Verlassenschaften der verstorbenen Untertanen vor. War der Verstorbene Hausbesitzer, so wurde unter den Vermögenswerten das Haus an erster Stelle angeführt und mit einem Schätzwert versehen. Danach folgte eine Auflistung der Erben.

In den Aufzeichnungen dieses Jahres deutet der Begriff „Brandstatt“ auf ein abgebranntes Haus hin, während „abgefangen“ eine verschleppte Person bezeichnet:

„Am 9. April 1684 fand die Verhandlung über den Nachlass des Hans Pauner statt. In den Aufzeichnungen heißt es dazu: „Erstlich die Brandstatt, so ganz verbrennt und nit kann geschätzt werden;

Am 29. April, nach dem Tod des Mathias Ungerhofer, findet sich ebenfalls folgender Eintrag: „Erstlich die Brandstatt […];

Am 29. September wurden nach dem Tod der Witwe des Lorenz Pfneisl – nach Aufstellung von Vermögen und Schulden – auch die Erben namentlich angeführt:  „Erben sind vorhanden, 6 Kinder der erste Mert Pfneils, so gestorben, nach dem sind 2 Kinder, Mathis und Katharina verblieben; item Georg Pfneils, der ist abgefangen worden, entgegen ist sein Weib samt einem Kind vorhanden; item die Tochter Anna, so den Andreas Pleyer, der auch abgefangen, zum Mann gehabt; item Marisch, so den Christian Höfer zum Mann gehabt, die ist auch gefangen, aber ist ein Kind vorhanden nach ihr; item Magdalena, so den Kaspar Schlögl zu Karl zum Mann hat; item Maria, ledigen Stands, die ist auch abgefangen worden.;

Am 29. September, nach dem Ableben des Georg Bleyer, findet sich folgender Vermerk: „Erstlich eine Brandstatt, das Haus ist bis in Grund abgebrennt […]“;

Diese Häuser waren also ein Jahr nach ihrer Einäscherung noch immer nicht aufgebaut. Wie viele der übrigen niedergebrannten Häuser ebenfalls noch verödet waren, ist nicht überliefert.

Not, Entbehrung und harte Arbeit prägten den Alltag der Untertanen – doch ihr Fleiß und ihre Ausdauer ließen das Dorf Oberrabnitz wieder erstehen.[4]

Viehseuche 1772

Einerseits der Natur hilflos ausgeliefert, andererseits durch die harten Forderungen des Grundherrn bedrängt, suchten die Untertanen in mitleiderregenden Bittschriften beim Grundherrn um Linderung ihrer schwierigen Lebensumstände zu bitten.

Ein Viehseuchenzug im Herbst 1772 brachte die ohnehin armen Bauern von Oberrabnitz in große Not. 106 Stück Hornvieh verendeten und fehlten sowohl in der eigenen Ackerwirtschaft als auch bei den Robotleistungen für den Grundherrn. Weder standen genügend Tiere zur Verfügung, noch waren die finanziellen Mittel für deren Anschaffung vorhanden. In einer im Jahr 1773 verfassten Bittschrift ersuchten die Bauern den Grundherrn flehentlich um Nachlass bei Abgaben und Robotpflichten – ein Anliegen, dem im darauffolgenden Jahr stattgegeben wurde.

„Durchlauchtigst Hochgebohrner Reichs Fürst. Gnädigster Fürst und Herr!
Euer Hochfürstl. Durchl. fallen wir arme Suplicanten von Oberrabnitz und zwar zu der Herrschaft Lannsee und Lackenbach gehörige unterthanen, mit dieser bittschrift in aller unterthänigkeit gehorsambst zu füssen, nachdem wir arme unterthanen verflossenen Hörbst A. 772. Jahr mit den S.V. Horn-Vieh unglücklich gewest, und uns armen 106 Stückh zu grund gangen, Auch leyder gott erbarm, Vorhin in großer armuth gewessen, und durch dem Vieh unfahl, noch in eine größere armuth kommen seynd, dann auch noch größere armuth zugestoßen, indem wir arme unsere Acker nicht [arbeiten] können , all die weillen Viele kein Stückhl Vieh erhalten, wißen auch nicht wie wir unsere Schuldige fahrende Urbarial Robath verrichten, oder denn Hauszüns, und Gaaben Geld, Euer Hochfürstl. Durchl. abführen und bezahlen werden. A1ß Gellanget an Euer Hochfürstl. Durchl. unser Fuß fallendes, und inständiges, umb Gottes willen bitten, Euer Hochfürstl. Durchl. Geruhen Gnädigst, sich über uns arme unterthanen erbarmen, und uns aus barmhertzigkeit an den fahrenden Robathen und Gaaben geldern linderung ertheillen, oder an den Hauszüns und Gaaben geldern Gnädige Nachlassung erzeigen.

Wür werden lebens lang getreue unterthanen Verbleiben, und Vor Euer Hochfürstl. Durchl. unser gebet bey Gott aus zu gissen, nicht unterlassen, und dero beständige gesundheit, glückliche Regierung, und Von Gott ein reichliche belohnung dafür, uns Euer Hochfürstl. Durchl. Rockküssend Empfehlen mit ertheilung, und erbarrnung Tröstlicher Resolution ersterben. Euer Hochfürstl. Durchl.: Unterthänigst zu Füssen fahlende arme unterthanen und Vashalen, Richter, bürger, gantze gemeinde des armen Orth Ober Rabnitz.

Resolution: Denen Siplicanten wird hiermit in Rücksicht des erlittenen Schauer-Schadens für dieses Jahr der betrag des Neuntls mit 26f 94 6/12 denar gegen deme nachgelassen, das Sie alle übrige Schuldigkeiten umso flissiger Verichten sollen. Esterhaz den 12 Augusti 773, Nicolaus Fürst Esterhazy.“ [5]

Am 18. Oktober 1772 vermerkt das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche „Maria Hasel“ in Pinggau eine Prozession von 50 Personen aus dem Ort Oberrabnitz, die an diesem Tag die Wallfahrtskirche aufgesucht hatten.

Abb. 2: Ausschnitt des Mirakelbuchs der Wallfahrtskirche Maria Hasel in Pinggau; Quelle: Digtal erhalten von Archiv und Bibliothek, Augustiner Chorherrenstift Vorau, 22.04.2024

„Procession Oct. den 18. aus Oberrabnitz in Hungarn ein Creuz von 50 person wegen der Vieh Seuch daher kirchfastn, haben alle gebeichtet, und communicirt.“[6]

Das Pilgern zu Wallfahrtsorten

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erreichte die Marienverehrung im katholischen Alpenraum ihren Höhepunkt. Im Zentrum stand Maria als Himmelskönigin und Gnadenvermittlerin – Menschen aller sozialen Schichten weihten sich ihr. Besonders während der Türkenkriege wurden die Marienheiligtümer zu geistigen Zufluchtsorten für die geplagte Bevölkerung. So manches im Gebet vorgetragene Anliegen fand auf überraschende Weise Erfüllung, sodass der gläubige Mensch überzeugt sein musste, göttliche Hilfe erfahren zu haben. Die berichteten Gebetserhörungen und Wohltaten sprachen sich herum und zogen weitere Pilger mit ihren Sorgen an. Schließlich begannen die Priester, all diese außergewöhnlichen, mitunter wundersamen Begebenheiten schriftlich festzuhalten. Die verzeichneten Gebetserhörungen lauteten z. B. Krankheit allgemein, Kindbett, Feuer, Viehseuche, Ruhr, Unfälle in der Landwirtschaft, Pest u. v. a. m.

Diese Aufzeichnungen – auch Mirakelbücher genannt (von lateinisch miraculum = Wunder, wunderbares Ereignis) – reichen nur in wenigen Fällen bis ins Mittelalter zurück. Sie entstanden vorwiegend in der Zeit der späten Gegenreformation und verschwanden allmählich mit dem Ende der Ära Maria Theresias.

Im Mirakelbuch der Pinggauer „Hasel-Mutter“ finden sich folgende Eintragungen: Am 13. Juli 1771 kam eine Wallfahrerschar von rund 100 Personen aus Draßmarkt in Ungarn (heute Burgenland); drei Häuser mussten dort schon wegen der Viehseuche gesperrt werden. Am 6. Juni des folgenden Jahres waren die Draßmarkter wieder da – diesmal über 100 Personen –, um für die Bannung der Seuche zu danken. Als sichtbaren Ausdruck ihres Dankes brachten sie eine große Votivtafel mit. Caesar, der damalige Stadtpfarrer, der das Mirakelbuch führte, fügte später hinzu: „Diese kommen alle Jahr!“ Diese Feststellung hat auch im 21. Jahrhundert noch ihre Gültigkeit.

Am 17. bzw. 18. Oktober 1772 kamen zwei Prozessionen mit jeweils 50 Personen – eine aus Oberrabnitz und eine aus Karl – aufgrund einer ausgebrochenen Viehseuche nach Pinggau.[7]

Trockenheit 1774

Im Jahr 1774 stellte eine anhaltende Dürre die Bauern vor große Herausforderungen, wie der Pfarrer in seiner Chronik festhielt. Um das Vieh über den bevorstehenden Winter zu bringen, sah man sich gezwungen, das Stroh von den Dächern der strohgedeckten Häuser herunter zu holen und als Futter zu verwenden.

„Hat es fast den gantzen Sommer hindurch nichts geregnet, so das wegen überflüssiger Trückene die früchten nicht gerathen, Heü aber fast gahr keines gewachsen. Den darauf folgenden Winter ist mit den Vieh eine grosse noth gewesen, das ville Dächer abgerissen, und dem Vieh verfüttert worden.“ [8]

Cholera 1832

Bis ins 19. Jahrhundert waren die Menschen der raschen Ausbreitung von Krankheiten und einer hohen Sterblichkeit oft hilflos ausgeliefert. Die Ursachen blieben meist im Dunkeln, und viele Gegenmaßnahmen erwiesen sich als wirkungslos. Dennoch setzten sich einige Strategien durch – eine der frühesten war die Isolation von Kranken, eine Praxis, die bis heute Anwendung findet. Der Begriff „Quarantäne“ leitet sich vom italienischen Wort für die Zahl vierzig (quaranta) ab, da etwa Pestverdächtige für 40 Tage auf speziell eingerichteten Inseln vor den Häfen isoliert wurden.

Die Cholera breitete sich von Russland und Polen rasch in die westliche Richtung aus und erreichte im Februar und März 1831 die östlichen Gebiete der Habsburgermonarchie – insbesondere Galizien und Ungarn.

Zunächst beschränkte man sich auf Quarantänemaßnahmen für einzelne Häuser und Dörfer. Mit dem Fortschreiten der Seuche wurden jedoch ganze Komitate unter Militär-Kordon gestellt. Reisende mussten sich für 20 Tage in sogenannten Kontumazhäusern isolieren lassen.[9]

Cholera war eine plötzlich auftretende Darminfektion, die durch mit Bakterien verunreinigtes Wasser oder kontaminierte Nahrung übertragen wurde. Der Erreger war das Bakterium Vibrio cholerae. Die Inkubationszeit betrug wenige Stunden bis maximal fünf Tage.

Vibrio cholerae entwickelte sich bevorzugt bei feucht-warmen Temperaturen in stehenden Gewässern oder Brackwasser. Der Erreger konnte in Lebensmitteln wie Gemüse, Milch oder Obst über längere Zeit überleben. Die Infektion erfolgte stets oral – entweder durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel oder durch den Kontakt mit verseuchten Gegenständen. Eine sichere Trinkwasserversorgung sowie eine funktionierende Abwasserentsorgung wären die zentralen Maßnahmen zur Vorbeugung.

Erste Anzeichen der Cholera war Erbrechen und Durchfall. Im weiteren Verlauf traten häufige, sehr ergiebige, jedoch schmerzlose Durchfälle auf – meist ohne Fieber. Der enorme Wasser- und Salzverlust – bis zu 15 Liter Flüssigkeit täglich – führte rasch zu schwerer Austrocknung. Diese äußerte sich in einem spitzen, eingefallenen Gesichtsausdruck, heiserer Stimme, starkem Durst, ausbleibender Harnabgabe, Muskelkrämpfen, Untertemperatur, Schwäche und Benommenheit. In besonders schweren Fällen konnten Krankheitsausbruch und Tod innerhalb eines einzigen Tages eintreten.

Jakob Wittmann gibt in seinem Denck-Buch der Gemeinde Mattersdorf einen Eindruck von den Zuständen im Komitat Ödenburg/Sopron zu dem auch unser Dorf zählte:

„[…] so ergingen von Comitate tägliche Currenzen in welchen uns in Hinsicht der Cholera Krankheit verschiedene Befehle und Verhältniß Regeln angezeigt wurden, als daß sich jedes Ort soviel möglich Krankenwärter und Totengraber bestellen solle, einen Todenwagen zur Ausführung der Toden, ein ganz besondern von Orte weit entlegenen Freydhof zu bereiten in denselben ein Todenhaus zu errichten, weil die Toden sobald sie verschieden sind aus dem Haus geschaft werden müßen, so auch mit mehreren Metzen ungelöschten Kalg vorzusehen und damit die Todenkörper zur ehender Verwesung zu bestreuen, … dann wurde auch anbefohlen wie sich jeder Kranke zu verhalten hat, das ist sobald einer mit dieser Kranckheit befallen wird gleich ins Bett zu legen, warm zudecken viellen Camillen Thee trincken damit der Krancke in Schweis kome, von kalten Wasser sich hütten, und da sich bei dieser Krankheit auch der Krampf heifig einfindet welches jeden befallenen unendliche Schmerzen verursachte zu welchen die behaften Theille mit Kampfergeist zu reiben anbefohlen wurde.“ [10]

In der damaligen Zeit fand aus den Dörfern unserer Region ein reger Handel, in erster Linie mit Lebensmittel,  über die Grenze nach Kirchschlag statt. Auf Grund des epidemischen Auftretens der Cholera, wurde im Juli 1831 der Markt Kirchschlag und Umgebung von Ungarn abgesperrt und zur Sicherung mit dem 3. Bataillon der Goll-Infanterie besetzt. Dazu wurden in Kirchschlag, zur ungarischen Grenze hin, Wachhütten errichtet und mit Wachpersonal besetzt.

Um aber die notwendige Versorgung von Lebensmittel, aus den angrenzenden ungarischen Dörfern kommend, aufrecht zu erhalten, wurde in Kirchschlag an der Grenze zu Ungarn ein Kastell (Baracke als Kaufhaus) errichtet und mit den empfohlenen Reinigungswerkzeugen wie Wasserbehältnisse, eiserne Schaufeln, Röste, Zangen und dergleichen ausgestattet. In der Nähe dieses Kastells wurde eine Viehschwemme angelegt indem man einen tiefen Graben anlegte, mit Holz einplankte und das Wasser vom Zöbernbach einleitete.

Danach wurde denen ungarischen Nachbarn bekannt gegeben, dass Donnerstag und Freitag, alle Gattungen von Lebensmittel und Getränke, wie auch Vieh, hier an dieser Stelle zum Verkauf gebrachten werden dürfen. So bildete sich dann währen der ganzen Sperrzeit eine Art Wochenmarkt.

Das zum Verkauf gebrachte Vieh musste dabei einige Male durch die Schwemme bevor es über die Grenze durfte. Das Geflügel wurde mehrmals ins Wasser getaucht und erst dann dem Käufer übergeben. Das Geld wurde dem Verkäufer mittelst einer Schaufel überreicht.

Die ganze Prozedur dauert bis Ende Oktober, danach erfolgte der Abmarsch der Truppen, das Kastell wurde Lizitant verkauft und die Cholera schien vorerst gebannt. [11]

In den heutigen burgenländischen Bezirken verliefen sowohl das Auftreten als auch die räumliche und zeitliche Verbreitung der Krankheit unterschiedlich.

Die ersten Cholera Todesfälle im Bezirk Oberpullendorf wurden Anfang September 1831 in Großwarasdorf, Nebersdorf und Langental verzeichnet.

Für das Jahr 1831 fanden sich in Oberrabnitz sowie in den umliegenden Gemeinden Draßmarkt, Karl, Unterrabnitz und Piringsdorf keine Hinweise auf die Krankheit.

Während in der Gemeinde Draßmarkt auch im Jahr 1832 keine Anzeichen einer Cholera Epidemie vorlagen, wurden in den Gemeinden Karl (5), Unterrabnitz (1) und Piringsdorf (2) Todesfälle registriert. In Oberrabnitz hingegen waren 30 Todesfälle zu beklagen, womit die Gemeinde zu jenen im Bezirk zählte, in denen eine deutlich stärkere Ausbreitung der Seuche als im Jahr zuvor festzustellen war.[12]

Auch der Markt Kirchschlag wurde diesmal heimgesucht und in der Pfarre erlagen 13 Personen an der Seuche. Zum Andenken an diese Heimsuchung wurde an der ungarischen Grenze an jener Stelle, woselbst 1831 das Kastell stand, ein Kreuz mit einer Gedächtnistafel errichtet.

Für die dreißig Personen, die in diesem Zeitraum vom  31.8. bis 24.9.1832 in Oberrabnitz verstarben, findet sich im Sterbebuch der Pfarre der Eintrag „in morto Cholera“ als angegebene Todesursache.[13]

Abb. 3: Liste der Choleraopfer; Quelle: Pfarre Oberrabnitz, Pfarrmatriken, Abschrift

Zum Gedenken an die Choleraopfer aus Oberrabnitz wurde an der Hottergrenze zu Karl das sogenannte Cholerakreuz errichtet.

Im Jahr 1997 wurde von den Oberrabnitzer Sängern (gemischter Frauen- und Männerchor) eine Renovierung durchgeführt.

Abb. 4: Cholerakreuz an der Gemeindegrenze Oberrabnitz-Karl; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Der Überlieferung nach sollen die Vorfahren ein Versprechen abgelegt haben, regelmäßig einen Segen oder Rosenkranz zu halten – den sogenannten Samstagssegen.[14]

Als weiteres Zeichen des Gedenkens an die Opfer begeben sich die Oberrabnitzer jedes Jahr am ersten Samstag im September auf die traditionelle Rosalien-Fußwallfahrt zur Kapelle der Heiligen Rosalia, die auf dem höchsten Punkt des Rosaliengebirges liegt.

So zum Beispiel: Am 4. September 1957, am Fest der Heiligen Rosalia, unternahm eine Gruppe von 65 Personen aus Oberrabnitz eine Wallfahrt zur Heiligen Rosalia nach Forchtenstein. Mit dem Reisesegen aus der Kirche entlassen und abends um halb acht Uhr beim Cholerakreuz von Priester und Gläubigen erwartet, führte eine Lichtprozession sie wieder zurück in die Kirche.[15]

Auch am 6. September 1959 beteiligten sich über 50 Personen – darunter viele Männer – an der Wallfahrt zur Rosalienkapelle nach Forchtensten. Um fünf Uhr morgens wurden sie vom Pfarrseelsorger bis zur örtlichen Kreuzkapelle begleitet; abends um sieben Uhr erfolgte der feierliche Einzug in die Pfarrkirche.[16]

Bei der Wallfahrt im Jahr 1969 fand sich nur eine kleine Gruppe zusammen, um die einst versprochene Wallfahrt durchzuführen.[17]

Nachdem die Fußwallfahrt Mitte des 20. Jahrhunderts weitgehend durch die Anreise mit dem Auto abgelöst worden war, wurde sie im Jahr 1988 wiederbelebt. Seither machen sich jährlich rund 30 Pilgerinnen und Pilger aus Oberrabnitz – teils auch aus Karl und Draßmarkt – erneut zu Fuß auf den Weg zur Rosalienkapelle. Für die etwa 30 Kilometer lange Strecke sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rund zehn Stunden unterwegs und werden auf der Strecke gut versorgt.

Abb. 5: Rosalia gehen; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Nach dem Eintreffen bei der Rosalienkapelle wird um 18 Uhr in der Kapelle eine Heilige Messe gefeiert, die von Gläubigen Pilgern organisiert und gestaltet wird.

Da in die Kapelle nie elektrischer Strom eingeleitet wurde, finden die Messen ausschließlich bei Kerzenlicht statt. Für die musikalische Begleitung mit der Orgel muss der Blasebalg händisch aufgezogen werden. Der langjährige Kantor aus Oberrabnitz, der die Messe über Jahrzehnte hinweg auf dieser Orgel begleitete, war daher stets auf Unterstützung angewiesen.

Abb. 6: Beim Orgeln in der Rosalienkapelle; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien
Abb. 7: Technische Unterstützung, die dafür sorgte, dass die Orgel stets mit ausreichender Luft versorgt wurde; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Nach der Rückkehr findet gegen 19:30 Uhr der feierliche Einzug in die Kirche von Oberrabnitz statt.[18]

Großbrand 1894

Am 11. April 1894 brach gegen 20 Uhr in der Gemeinde Oberrabnitz auf unbekannte Weise ein verheerendes Feuer aus. Innerhalb einer Stunde stand das gesamte Dorf in Flammen. Eine Rettung war nicht mehr möglich – die Bewohner mussten fliehen und ihr gesamtes Hab und Gut zurücklassen. Neben der eigenen Ortsfeuerwehr eilten acht weitere Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden zur Hilfe. Dennoch fielen 39 Wohnhäuser und 45 Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer – ebenso zahlreiche Nutztiere wie Rinder und Geflügel sowie in einem Haus sogar 300 Gulden Bargeld. Die Not war unbeschreiblich, zumal nicht alle Gebäude versichert waren.

„Der Jammer ist unbeschreiblich; zwei Parteien sind total abgebrannt und haben Nichts als die Kleider am Leibe, darunter ist ein armer Weber mit 6 unmündigen Kindern, welchem außer seinem kargen Besitze noch fremdes Garn verbrannte. Zum größten Unglücke ist er nicht einmal versichert.“

Der Oberrabnitzer Volksschullehrer Josef Fröch hatte über Zeitungen zu Spenden für die Brandopfer aufgerufen. Zahlreiche Bürger und Institutionen aus der Umgebung folgten seinem Appell – sogar der Kaiser selbst leistete einen Beitrag, wie aus der Zeitschrift Feuerwehr-Signale vom Juli 1894 hervorgeht: „Majestät der Kaiser haben für die Abgebrannten in der Gemeinde Felsö-Ramocz (Oberrabnitz) in Ungarn 400 Gulden  aus Allerhöchsten Privatmitteln gespendet“[19]

„Bisher sind noch folgende Spenden für die Verunglückten eingesendet worden: Sr. Exzellenz Dr. Zalka, Bischof von Raab 50 fl (Gulden); Sr. k. u. k. Hoheit Herr Erzherzog Josef 10 fl; Oedenburger Sparkassa 20 fl; Csornaer Bürgermeisteramt 30 fl 81kr; Lutzsmannsburger  Marktrichter 21 fl; Gemeinde Dörfl 10 fl 52kr; Ungár Theatergasse Oedenburg 12 fl 70kr; Rétfalu (Wiesen) Notariat 4 fl 90kr; Puhr Karl Cafétier Komorn 10 fl; Malomház (Minihof) 7 fl 26 kr; Bezirks-Notär 2 fl 91 kr; Zaunfuchs Paul Baumschul-Inspektor 50 kr; Zusammen 170 fl 60 kr;“ [20]

Infolge des verheerenden Brandes wurde die Gasse von Oberrabnitz vollständig neu aufgebaut. Alle Häuser wurden fortan nicht mehr mit Stroh, sondern mit Ziegeln gedeckt.

Abb. 8: Neu aufgebaute Gasse vor 1900, nach dem Großbrand 1894; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Erster Weltkrieg 1914–1918

Aus Oberrabnitz sind 17 Soldaten unter den Toten und Vermissten.

Abb. 9: Liste gefallene Erster Weltkrieg; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Strenger Winter 1928/1929

Im Winter 1928/29 herrschte klirrende Kälte. Der damalige Lehrer an der Volksschule Oberrabnitz, Josef Wiesinger, schildert uns, wie er diese Zeit erlebt hat: Der Dezember war trocken und eisig. In der Neujahrsnacht fielen 25 Zentimeter Schnee. Den ganzen Jänner über tobte der Winter mit unvorstellbarer Härte: Er brachte gewaltige Schneemassen und Temperaturen von unter minus 20 Grad. Tagelang wütete ein orkanartiger Sturm. Die Verwehungen waren meterhoch und machten Straßen und Wege unpassierbar. Die Dörfer waren vom Verkehr abgeschnitten – der Briefträger blieb eine ganze Woche lang aus.

Die Schulen wurden geschlossen. Die Verfügung kam fernmündlich aus Eisenstadt. Da unser Dorf jedoch noch kein Telefon hatte, musste ein Gendarm vom vier Kilometer entfernten Posten in Unterrabnitz zu Fuß losgehen, um die Nachricht zu überbringen.

Den Höhepunkt – oder besser gesagt den Tiefpunkt – erreichte der Winter erst in den Faschingstagen im Februar. Das Fensterthermometer zeigte minus 28 Grad. Am Faschingsmontag fand in unserem Dorf das Blochziehen statt. Die Kälte war mörderisch. Dazu kam eine steife Brise, die von Landsee herunterzog und durch Mark und Bein ging. Die Kleidung der Menschen war damals noch dürftig und bescheiden. Wattierte Mäntel oder gar Pelze trugen nur die „Frack“ – also die besseren Leute. Der einfache Bauersmann zog über seinen Rock einfach einen zweiten, größeren. Daraus erklärt sich bei uns bis heute die Redewendung: In Kirchschlag ist es um einen Rock kälter als bei uns.

Als das Blochziehen begann, kamen die Musikanten aus dem Wirtshaus und spielten einen flotten Marsch – doch nach wenigen Takten endete dieser in einem kläglichen und höchst peinlichen Fiasko: Die Instrumente waren eingefroren. Das Spiel war zu Ende, und die Musiker zogen sich wieder in die warme Gaststube zurück. Auch der Festzug löste sich bald auf. Die Burschen spannten die Pferde aus und brachten die armen, mit Eiszapfen behangenen Tiere in den schützenden Stall.

In diesem Winter erfroren alle Nußbäume, viele Rehe, Hasen, Fasane und Rebhühner in Feld und Wald – ebenso wie die Ferkel in den Ställen und die „Somgrundbirn“ (Saatkartoffeln) in manchem Hauskeller. Selbst der große Kachelofen in der Schulstube hielt der Dauerbelastung – wochenlang Tag und Nacht – nicht mehr stand und brach schließlich „innerlich“ zusammen.

Alles in allem war dieser Winter eine große Herausforderung für die ganze Dorfgemeinde.[21]

Anschluss 1938

Im Mai 1937 waren auch in Oberrabnitz zunehmende Aktivitäten von Anhängern des damals verbotenen Nationalsozialismus festzustellen. Wiederholt wurden heimlich politische Flugblätter verteilt, insbesondere auf Bauernhöfen in Oberrabnitz und Piringsdorf. Die Behörden versuchten, die Verantwortlichen und die Herkunft des Materials zu ermitteln, konnten diese zunächst jedoch nicht feststellen.[22]

Im August 1937 kam es nach einem Gasthausbesuch zu einem weiteren Vorfall. Eine Gruppe Jugendlicher zog singend durch die Dorfstraße und trat dabei offen für die verbotene politische Bewegung auf. Nach einer Anzeige schritt die Gendarmerie ein und nahm einen der Beteiligten fest.[23]

Im November 1937 verstärkten sich die illegalen Aktivitäten. Nach der neuerlichen Verteilung von Flugblättern führte die Gendarmerie in der Nacht vom 15. auf den 16. November eine Hausdurchsuchung in Oberrabnitz durch. Dort traf sie neun Personen an, darunter sechs Jugendliche, die im Verdacht standen, der verbotenen Bewegung oder einer ihrer Organisationen anzugehören.

Während der Amtshandlung versammelten sich etwa 20 Personen vor dem Haus und protestierten gegen das Vorgehen der Beamten. Die Situation verschärfte sich, als ein schwerer Gegenstand durch ein Fenster geworfen wurde. Bei der anschließenden Durchsuchung fanden die Beamten politische Flugschriften, Schulungsunterlagen und weiteres Propagandamaterial. Der Hausbewohner wurde festgenommen, gegen weitere Beteiligte wurden Anzeigen erstattet. Auch mehrere Personen, denen eine führende Rolle bei den Protesten zugeschrieben wurde, kamen vorübergehend in Haft. [24]

Nur wenige Tage später wurden auf einem Waldweg zwischen Piringsdorf und Unterrabnitz rund 100 weitere Flugblätter gefunden. Die Behörden vermuteten, dass diese aus Oberrabnitz stammten und ursprünglich zur Verteilung auf dem Jahrmarkt in Piringsdorf vorgesehen waren. Da der Markt verstärkt überwacht wurde, dürfte die geplante Aktion abgesagt worden sein.[25]

Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 änderten sich auch in Oberrabnitz die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend. Personen, die dem neuen Regime ablehnend gegenüberstanden oder zuvor öffentliche Funktionen im österreichischen Ständestaat ausgeübt hatten, gerieten zunehmend unter Druck.

Davon war auch Pfarradministrator Sallaberger betroffen. Er durfte die Auferstehungsfeier nicht mehr selbst abhalten, und von örtlichen Parteifunktionären wurde schließlich seine Entfernung aus der Pfarre verlangt. Am 1. Juli 1938 verließ er Oberrabnitz. Seine Nachfolge trat am 1. August 1939 Dr. Ludwig Glöggler an, der zuvor in Deutsch-Jahrndorf tätig gewesen war.[26]

Auch Schulleiter Josef Wiesinger musste das Dorf verlassen. Seine frühere Tätigkeit als Obmann der Vaterländischen Front machte ihn für die neuen politischen Machthaber unerwünscht. Er übernahm daraufhin die Leitung der Schule in Pilgersdorf, erledigte jedoch weiterhin regelmäßig die Kassengeschäfte in Oberrabnitz.

Als Wiesinger im Jänner 1940 zum Wehrdienst nach Linz einberufen wurde, setzte sich die örtliche Parteiführung für einen Aufschub ein, da seine Tätigkeit als Buchhalter weiterhin benötigt wurde. Die Einberufung wurde daraufhin bis zum 1. März 1940 zurückgestellt. [27]

Besonders einschneidend waren die Veränderungen für die jüdische Bevölkerung. Die jüdische Witwe, die im Ort eine Gemischtwarenhandlung führte, musste mit ihren Kindern fliehen und ihren Besitz zurücklassen. Ihr Geschäft wurde anschließend unter kommissarische Verwaltung gestellt. [28]

Die Ereignisse der Jahre 1937 und 1938 zeigen, dass die politischen Auseinandersetzungen bereits vor dem Anschluss auch das Leben in Oberrabnitz erfasst hatten. Nach dem März 1938 wurden die neuen Machtverhältnisse rasch im örtlichen Alltag sichtbar. Sie wirkten sich auf Gemeinde, Schule und Kirche ebenso aus wie auf das persönliche Leben einzelner Einwohner.

Zweiter Weltkrieg 1939–1945

Die anfängliche Zustimmung zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 wich bald den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, der im September 1939 begann und auch in der Gemeinde Oberrabnitz zahlreiche Tote und Vermisste forderte.

Viele junge Männer wurden bereits vor ihrem 18. Lebensjahr zum Kriegsdienst herangezogen. Häufig gingen dem militärischen Einsatz der Reichsarbeitsdienst (RAD) und eine militärische Grundausbildung voraus. Danach wurden die jungen Männer an verschiedenen Fronten eingesetzt.

Der Oberrabnitzer Franz Senft, Haus Nr. 36, der als Fallschirmjäger in Italien eingesetzt war, erinnerte sich später an diese Zeit mit den Worten: „Sie waren nichts anderes als Kanonenfutter“.[29]

Im März 1945 erreichten sowjetische Truppen unsere Gegend. Am Karfreitag um 4.30 Uhr fuhr ein sowjetischer Panzer, von Karl kommend, bis zum Pfarrhof vor. Zu Kampfhandlungen kam es nicht. Die Bevölkerung begrüßte die Panzerbesatzung freundlich.

Die im Ort stationierte ungarische Nachrichtentruppe ergab sich kampflos. Örtliche Nationalsozialisten hielten sich zunächst im Wald versteckt und kehrten einige Tage später zurück. Am Abend hielten sich sowjetische Offiziere im Pfarrhof auf.

In den folgenden Tagen kam es zu Diebstählen und Plünderungen. Kleidungsstücke und Lebensmittel wurden entwendet, das Geschäft des örtlichen Kaufmanns weitgehend geplündert. Aus Angst vor Übergriffen versteckten sich Mädchen und Frauen unter anderem in der Kapelle, im Totenhaus im Friedhof, sowie in Gräben in den Wäldern. Mehrere Frauen wurden Opfer sexueller Gewalt. [30]

Franz Gludovatz, Schuhmachermeister in Oberrabnitz, Haus Nr. 80, konnte aufgrund seiner Herkunft die Ungarisch Sprache und erlernte während seiner siebenjährigen Gefangenschaft im Ersten Weltkrieg auch die russische Sprache sehr gut. Diesen Vorteil konnte er nutzen, um die eine oder andere Ausschreitung im Ort zu verhindern. Mit seinem ausgeprägten Selbstbewusstsein gelang es ihm sowjetische Offiziere in Gespräche zu verwickeln, sodass diese ihre Truppen oftmals weiterwinkten – oder er konnte sie zumindest so weit ablenken, dass sich die Frauen und Mädchen im Ort rechtzeitig verstecken konnten. Auch geschäftlich trat er mit den Truppenführern in Kontakt, indem er ihnen sein Handwerk anbot und für sie das eine oder andere Paar Schuhe anfertigte. Auf diese Weise war er stets eine wichtige Informationsquelle für die örtliche Bevölkerung.[31]

Am 15. Mai mussten vier Männer aus dem Ort als Treiber 11 Kühe wegbringen. Zu Christi Himmelfahrt wurden zwanzig Männer und Burschen nach Pilgersdorf beordert, um Pferde in Richtung Ungarn zu führen. Der Weg führte über Steinamanger nach Körmend.

In dieser Zeit zogen größere Verbände sowjetischer Infanterie und Artillerie durch den Ort in Richtung Kirchschlag und Wiener Neustadt. In Kirchschlag brannten mehrere große Häuser ab. Die Bewohner flüchteten und kehrten etwa drei Wochen später in ihre teilweise geplünderten Häuser zurück.

Auch im Juni 1945 waren sowjetische Truppen in der Gegend. Die Bevölkerung wurde wiederholt zur Ablieferung von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen verpflichtet. Dazu gehörten Eier, Hühner, Kälber, Schweine, Butter sowie Hafer, Gerste und anderes Getreide.

Am 5. Juni waren von jedem Hühnerhalter acht Eier bei der Sammelstelle abzuliefern, am 7. Juni musste jedes Haus eine Henne bereitstellen. Am 9. Juni wurden vier kleine Kälber und zwei Schweine abgegeben und mit zwei Schilling beziehungsweise zwei Reichsmark je Kilogramm bezahlt. In den darauf folgenden Tagen erfolgten weitere Ablieferungen von Hühnern und Eiern. Bei der örtlichen Milchsammelstelle (Haus Nr. 7) musste außerdem Butter erzeugt und an die Truppen abgeliefert werden.

Kleinere sowjetische Einheiten zogen weiterhin regelmäßig durch das Dorf. Bei Übernachtungen im örtlichen Gasthaus hatten die Bauern nach einer festgelegten Liste Fleisch und andere Lebensmittel bereitzustellen.

Am 15. Mai 1955 wurde der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Damit wurde die Grundlage für das Ende der Besatzungszeit und die Wiederherstellung der vollen staatlichen Souveränität Österreichs geschaffen.[32]

Am 4. Juni 1955 traf um 9 Uhr vormittags ein Transport mit rund 250 Heimkehrern aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft in Wiener Neustadt ein. Unter den 250 Heimkehrern waren zehn Burgenländer, einer davon war der Gastwirt Mathias Winkler, Oberrabnitz Haus Nr. 61. Franz Hafner, Transportunternehmer aus Oberrabnitz, Haus Nr. 1, holte ihn vom Bahnhof ab. In Oberrabnitz wurde Winkler von der Dorfbevölkerung mit Musik empfangen. Nach seiner Rückkehr fand Winkler nur schwer in den Alltag zurück. Er verstarb 1958 im Alter von 56 Jahren.[33]

Aus Oberrabnitz blieben 21 Soldaten unter den Toten und Vermissten.

Abb. 10: Liste gefallene Zweiter Weltkrieg; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien
Abb. 11: Kriegerdenkmal 1925 – 1950 – 2005; Quelle: PA Fraller, Oberrabnitz, Privatarchivalien

Alljährlich findet am 1. November nach der Heiligen Messe in der Pfarrkirche beim Kriegerdenkmal das Gedenken an alle Kriegsopfer statt. Bis 2016 zog die Gemeinde anschließend – begleitet von der Blasmusik und der Freiwilligen Feuerwehr – zum örtlichen Friedhof, wo die Gräbersegnung und das Totengedenken stattfanden. Heute erfolgt die Gräbersegnung am Allerseelentag nach einer Heiligen Messe in der 2015 neben dem Friedhof erbauten Leichenhalle.[34]

Anmerkungen

[1] Prickler, Harald: Der Tabor von Unterloisdorf – Mannersdorf, in: Festschrift für Heinrich Kunnert, BF Sonderheft Band 2, Eisenstadt: 1969, S. 131.
[2] Prickler, Harald: Die Pestepidemie des Jahres 1600, in: Burgenländische Heimatblätter, Jg. 33, Heft 3, 1971, S. 116.
[3] BLA, FM
[4] EPA, Prot. 18 (Waisenbuch)
[5] EPA, RA Lackenbach, 1773/14
[6] Digtal erhalten von Archiv und Bibliothek, Augustiner Chorherrenstift Vorau, 22.04.2024
[7] Schuller, Anton Leopold: Das Mirakelbuch der Wallfahrtskirche Maria Hasel in Pinggau. in: Zeitschriften des Historischen Vereines für Steiermark, Jg. 68, 1977, S. 245., 257.; Allmer, Norbert: Burgenländische Wunderberichte im Pinggauer Mirakelbuch, In: Burgenländische Heimatblätter, Jg. 59, Heft 4, 1997, S. 177 f.
[8] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[9] Polster Gert: Die Cholera-Epidemie 1831/32 auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes im Spiegel der Pfarrmatriken, in: Epidemien und Pandemien im Pannonischen Raum, Tagebuchsband der 41. Schlaininger Gespräche 13. bis 14. September 2022, (151-169), S. 151 f.
[10] Luif Georg und Steiger Wolfgang: Denk-Buch der Gemeinde Mattersdorf Anno 1814, S. 255 f.
[11] Zickero, Ernst: Kirchschlag und seine Denkwürdigkeiten Vom Anfange der historischen Kenntnisse bis auf die neueste Zeit Mit besonderer Rücksicht auf die nächste Umgebung, Im Selbstverlag des Verfassers, Wien, 1871, S.108.
[12] Pfarre Oberrabnitz, Pfarrmatriken 1772-1920
[13] Vgl. ebd.
[14] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[15] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[16] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[17] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[18] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[19] Österreichische Nationalbibliothek, fws, 18940705
[20] Österreichische Nationalbibliothek, fws, 18940705
[21] Wiesinger, Josef: Ein Dorfschullehrer erzählt aus seinem Leben, Nachlass, Pilgersdorf 1992.
[22] BLA, A-VIII-14, Lage-, Vorfall- und Inform. Berichte, Karton I – 1-3, E. Nr. 542
[23] BLA, A-VIII-14, Lage-, Vorfall- und Inform. Berichte, Karton III-3, E. Nr. 804
[24] Vgl. ebd., E. Nr. 1164
[25] Vgl. ebd., E. Nr. 188
[26] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[27] Wiesinger, Josef: Ansuchen um Rückstellung, Nachlass, Pilgersdorf 1992.
[28] Siehe dazu Kapitel „Gemeinde/Einrichtungen“ „Judenhaus“ – Haus Nr. 27
[29] Mündliche Überlieferung, Franz Senft (Zeitzeuge)
[30] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[31] Mündliche Überlieferung, von Helga Engelmann
[32] PA Fraller, Oberrabnitz, Pfarrarchivalien
[33] Mündliche Überlieferung, von Herta Wendl
[34] PA Fraller, Oberrabnitz, Gemeindearchivalien

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